Die Tauben im Tiergehege des Oschersleber Wiesenparks haben eine neue Bleibe. Alle 24 Wohnungen des von der Stiftung Diakonissenhaus Bethanien bezahlten Turms sind bereits belegt.

Oschersleben l Auch wenn während der feierlichen Übergabe des neuen Taubenturms sämtliche Bewohner wegen der ungewohnten Unruhe ausgeflogen sind und somit auf dem Eröffnungsfoto nicht eine einzige Taube zu sehen ist, können Sie mir glauben, dass alle 24 Taubenwohnungen belegt sind. Schon wenige Minuten nachdem der offizielle Teil beendet ist und außerhalb des Geheges der Einweihungs-Sekt getrunken wird, kehren die Tauben fröhlich gurrend in ihre neue Behausung zurück.

Die da nun hinter dem Zaun den Sekt trinken, das sind zum einen Mitglieder des Wiesenpark-Fördervereins, die sich seit drei Jahren für das Tiergehege engagieren. Und es sind zum anderen Vertreter der Stiftung Diakonissenhaus Bethanien, die die 1000 Euro spendiert haben, für die der neue Taubenturm gebaut worden ist. Nicht zuletzt, weil die Stiftung ohnehin soziale Projekte unterstützt und Bewohner des Bethanien-Pflegeheims das Tiergehege sehr oft und sehr gern besuchen würden.

Fördervereins-Chef René Herbert und Stiftungsvertreter Pfarrer Friedrich von Biela sind es auch, die den offiziellen Teil gestalten. Wobei überraschender Weise nicht der Pfarrer, sondern der Fördervereinsvorsitzende dabei das Alte Testament ins Gespräch bringt. Und zwar erinnert René Herbert daran, dass es seinerzeit laut Bibel eine Taube gewesen ist, die mit einem Olivenzweig im Schnabel zur Arche Noah zurückgekehrt war und damit das Ende der Sintflut signalisiert hatte. Herbert bemüht zudem die Mythologie, in der die Taube für Fruchtbarkeit stand, die Germanen, für die die Taube der Vogel des Todes war und auch die Römer, die die Tauben eher als Delikatesse gesehen haben. Und René Herbert erinnert daran, dass die Taube seit dem 8. Jahrhundert für die Übermittlung von Nachrichten, sprich als Brieftaube genutzt wird.

Und so verwundert es sicherlich nicht, dass auch im neuen Taubenturm Brieftauben wohnen, die sich einst auf dem Weg in ihren angestammten Taubenschlag verirrt und im Oschersleber Wiesenpark ihr neues Zuhause gefunden haben. "Das waren die ersten, die nach dem Abriss des alten Taubenturms in den neuen zurückgekehrt sind", wie Tiergehege-Chef Björn Löffler noch während des offiziellen Teils sagt, in dem sich René Herbert bei zwei Personen ganz besonders bedankt. Das ist zum einen Pfarrer Friedrich von Biela als Vertreter der Geldgeber-Stiftung. Und das ist zum anderen das brandneue Wiesenpark-Fördervereinsmitglied Dieter Fabian, der dieses Taubenturm-Projekt in den zurückliegenden Wochen und Monaten umgesetzt, unter anderem mit den Firmen, die den Turm im Auftrag errichtet haben, "sehr gute Konditionen" ausgehandelt hat, so Herbert.