20 Jahre sind seit der Wiedergründung des Wackersleber Schützenvereins von 1848 vergangen. Grund genug für die Grauröcke, ihr Jubiläum mit einem Festempfang, Rückschau und Auszeichnungen zu zelebrieren.

Wackersleben l "Das Interesse am Schießsport nahm vor 20 Jahren auch in unserem Ort ständig zu", blickte Schatzmeister Bodo Schwank in seiner Festrede auf die Anfänge 1995 zurück. Einige Wackersleber waren da schon im benachbarten Schützenverein Hamersleben aktiv, und beim Feierabendbier bei Familie Himmstedt kam plötzlich die Idee auf: Warum gründen wir nicht einen eigenen Schützenverein? Immerhin hatte es einen solchen vor Zeiten ja schon gut 90 Jahre lang gegeben.

Familie Himmstedt verfügte sogar über das Mitgliederverzeichnis und das Protokollbuch des alten, 1848 gegründeten Wackersleber Schützenvereins, der am 31. August 1939 seine Existenz aufgeben musste. "Nur mal am Rande bemerkt", hörten die Anwesenden vom derzeitigen Kassenwart Schwank, "1938 betrug der Mitgliedsbeitrag zehn Pfennig."

Es dauerte zwei Diktaturen und insgesamt 56 Jahre, ehe sich der Schützenverein im Ort neu formierte. Am 22. April 1995 fand die Gründungsversammlung statt. Erster Vorsitzender damals war Siegfried Mosel. Zwei Dekaden später war es nun an Ulf Musche, in dieser Eigenschaft den Festempfang zum Jubiläum im Vereinsheim zu eröffnen. Der Vorsitzende tat dies im Kreise von Freunden, freute sich besonders über den Zuspruch der umliegenden Schützenvereine aus Hamersleben, Neuwegersleben, Ausleben, Barneberg, Wefensleben, Harbke und Marienborn. Auch der Präsident des Kreissportschützenverbands, Michael Hecht, gab sich die Ehre, ebenso wie Vertreter der örtlichen Vereine, der Feuerwehr und des Schalmeienorchesters Barneberg.

Am Anfang ohne Fahne

Rainer und Birgit Kasimir hatten eine Bilddokumentation über die vergangenen Jahre erarbeitet. Sie ist nun in zwei Schaukästen im Vereinsheim ausgestellt. "Das hat große Mühe gekostet und ist ein großes Dankeschön wert", sagte Bodo Schwank und ließ in diesem Zuge auch die "Betriebe, Sponsoren und Besucher unserer Veranstaltungen" nicht aus, "ohne die der Schützenverein nicht das wäre, was er ist: eine feste Institution im Ort."

Basis dafür bildete jene Versammlung vor 20 Jahren, als sich 18 Gleichgesinnte in die Mitgliederliste eintrugen, im Mai 1996 folgte beim Amtsgericht Oschersleben der Eintrag ins Vereinsregister. Schwank führte weiter aus: "Danach wurden Kreis- und Landesarchive, sowie Kirchen- und Ortschroniken akribisch nach alten Unterlagen durchforstet. Es fanden sich Hinweise zum Gründungsjahr 1848. Diese Angaben wurden von alten Wackerslebern wie Otto Bassüner, Kurt Herborg und Werner Holz und anderen Vorreitern bestätigt. Nur die Suche nach der alten Vereinsfahne gestaltete sich äußerst mühselig und blieb leider erfolglos."

Das erste Schützenfest im Ort wurde im August 1996 über drei Tage gefeiert. Zwischenzeitlich hatte der Verein eine neue Fahne anfertigen lassen, die am 3. Mai 1997 traditionell geweiht wurde.

Wenig später stand das Vereinsleben ganz im Zeichen reger Bautätigkeit. In mehreren Abschnitten erfolgte in Eigenleistung und mit Unterstützung von Sponsoren der Neubau eines Vereinsheims sowie eines Kleinkaliber-Schießstands. "Das Material wurde vollständig aus alten Anlagen übernommen", wusste Bodo Schwank zu berichten. Den Bau eines Wurfscheibenstandes habe man aufgrund zu hoher Auflagen eingestellt. Man sei stolz auf das Geschaffene, betonte Schwank. "Und Vereinsheims und Schießstand stehen auf unserem eigenen Grund und Boden."

Gegenwärtig sind 30 Schützen im Verein aktiv. "Neue Mitglieder sind natürlich jederzeit willkommen", so Schwank, der zugleich bedauerte: "Die Zeiten der großen Schützenfeste sind wohl leider vorbei." Bereits in diesem Jahr soll das Fest in Wackersleben daher auch in veränderter Form neu organisiert werden.

Nach dem emotional geprägten Rückblick auf die 20-jährige Vereinsgeschichte nutzten die Gäste die Gelegenheit, Grußworte, beste Wünsche für die Zukunft und kleine Erinnerungspräsente zu überbringen. Für eine besondere Überraschung sorgte abschließend das Barneberger Schalmeienorchester. Die Musiker brachten dem Verein ein Jubiläumsständchen und begeisterten mit ihrem unverwechselbaren Sound die Anwesenden.