Mit der Übergabe eines Kleinbusses durch den Landkreis Stendal wurde gestern in Werben der offizielle Startschuss für das Projekt "Bürgermobil" im Rahmen der Nachbarschaftshilfe gegeben. Das neue Angebot soll für mehr Mobilität sorgen - insbesondere für ältere und andere hilfbedürftige Menschen.

Werben l "Ich freue mich, dass es nun bald losgehen kann mit unserem ehrgeizigen Vorhaben, für mehr Mobilität für Ältere und andere Menschen zu sorgen, die auf Transportmöglichkeiten vor Ort angewiesen sind", sagte Gisela Hilscher, Sprecherin der Nachbarschaftshilfe "Miteinander-Füreinander" beim feierlichen Übergabetermin im Werbener Rathaus. Wie Hilscher erläuterte, sei es das Hauptziel des Bürgermobils, ältere Menschen zum Arzt, zu anderen wichtigen Terminen oder auch zu kulturellen Aktivitäten zu befördern und dabei zu begleiten sowie zu betreuen; ihnen zu ermöglichen, mehr am täglichen, öffentlichen Leben teilzuhaben.

"Oft fehlt es gerade auf dem Lande an Buskapazitäten. Das Bürgermobil deckt genau das ab, was außerhalb des ÖPNV steht und auch das was Taxiunternehmen im Allgemeinen nicht bieten, nämlich die damit verbundene Betreuung der Menschen", betonte Landrat Carsten Wulfänger, der das Projekt von Anfang an mit viel Interesse begleitet hat.

"Keine Konkurrenz zum ÖPNV und Taxifirmen"

Carsten Wulfänger

"Damit ist es keine Konkurrenz zu den genannten Angeboten. Es wird auch keine Busverbindung weggenommen. Vor den Akteuren liege nun eine große Aufgabe - das Vorhaben mit Leben zu erfüllen."

Wie der Landrat ausführte, stelle der Landkreis Stendal den aus dem eigenen Fahrzeugpark aussortieren Kleinbus für das Projekt für ein Jahr zur Verfügung. Der VW-Bully mit acht Sitzen, der bislang geleast war, sei vom Kreis zurückgekauft worden. Das Fahrzeug sei viereinhalb Jahre alt und bislang 76000 Kilometer gefahren. Der Kreis stellt den Bully kostenfrei für das Projekt zur Verfügung. Die laufenden Kosten seien vom Projektträger zu übernehmen. Wulfänger: "Ich wünsche dem ehrgeizigen Projekt einen guten Start und dauerhaft viel Erfolg. Wir werden es sehr interessiert verfolgen und dann entscheiden, ob es auch für andere Regionen sinnvoll ist."

Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt betonte, dass sein Amtsvorgänger, Volkmar Haase, das Projekt angeschoben habe. Die Hansestadt Werben unterstütze das Gesamtprojekt Nachbarschaftshilfe in der Weise, dass sie im Rathaus ein Büro als Anlaufstelle zur Verfügung stellt. Außerdem werde eine Stelle im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zur Unterstützung des Vorhabens geben. Hufschmidt: "Die Befragung hat gezeigt, dass es einen großen Bedarf gibt, die Angebote der Nachbarschaftshilfe, insbesondere das Bürgermobil, zu nutzen."

"Umdenkprozess muss noch stattfinden"

Marion Zosel-Mohr

Marion Zosel-Mohr von der Stiftung Pro Alter, die das Projekt Nachbarschaftshilfe von Anfang an mit Rat und Tat unterstützte, fand lobenden Worte für die eigentlichen Akteure in Werben. "Die Idee in den Raum zu stellen, ist die eine Sache. Aber die Umsetzung macht viel Arbeit. Dafür habt Ihr Hochachtung verdient. Ich ziehe den Hut vor Euch", sagte sie an Gisela Hilscher und ihre Mitstreiter gerichtet. Vor allem sei jetzt ein langer Atem erforderlich. Denn erfahrungsgemäß stelle sich der Erfgolg bei ähnlichen Projekten erst allmählich ein. Es müsse ein Umdenkprozess stattfinden - bei den Menschen vor Ort, aber auch bei potenziellen Partnern, Unterstützern sowie Entscheidungsträgern.

Wie Gisela Hilscher bei der Zusammenkunft im Werbener Rathaus noch einmal erläuterte, ist das Bürgermobil nur ein Teil des Gesamtprojekts der Nachbarschaftshilfe in der Hansestadt Werben und der Gemeinde Altmärkische Wische. Die Nachbarschaftshilfe solle dazu dienen, älteren und anderen hilfsbedürftigen Personen das eigenständige Leben in der ländlichen Region zu erleichtern, sprich die Lebensqualität zu verbessern. Dazu zähle auch das bereits laufende Angebot der sozialmedizinischen Beratung, die Dr. Irmgard Gellerich ehrenamlich an jedem Freitag im Werbener Rathaus durchführt. Hilscher: "Unser großer Traum ist es, dass wir hier in Werben eine Tagespflege- und Betreungseinrichtung aufbauen können. Es gibt Überlegungen, dafür die Liegenschaften der Komturei zu nutzen."

Für die Nutzung des Bürgermobils gebe es bereits die erste Anmeldungen. "Besonders erfreulich aber ist, dass viele Menschen ihre Bereitschaft erklärt haben, tatkräftig bei der Umsetzung mitzuhelfen. Trotzdem ist es wichtig, dass wir noch weitere Unterstützer und Helfer finden."

Montag: Versammlung zur Vereinsgründung

Hilscher bedankte sich bei allen, die das Projekt mit ihrer Unterstützung auf den Weg gebracht haben - insbesondere beim Landkreis, der Stadt Werben, der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck sowie der Stiftung "Pro Alter". Um dem ganzen Projekt den rechtssicheren Rahmen zu geben, steht ein wichtiger Schritt noch unmittelbar bevor: die Nachbarschaftshilfe Miteinander-Füreinander muss sich zu einem eingetragenen Verein formieren. Die Gründungsversammlung findet am Montag, 3. Februar, ab 19 Uhr im Werbener Pfarrhaus statt. Dazu sind alle Interessenten eingeladen.