Die Hochwasserlage am Aland spitzt sich weiter zu. Die Sicherungsmaßnahmen am Deich bei Pollitz und Wanzer liefen gestern auf vollen Touren weiter. Derweil wird mit großem technischen und personellen Aufwand der Deich des Wrechow-Polders bei Aulosen erhöht. Dort half gestern die Bundeswehr beim Stapeln von Sandsäcken.

Seehausen. Da der Elbe-Pegel weiter ansteigt, kann aus dem Aland entsprechend weniger Wasser abfließen. Das hat zur Folge, dass auch der Aland immer weiter ansteigt, denn aus dem Einzugsgebiet des Flusses drängt nach wie vor Schmelz- und Niederschlagswasser in Richtung Mündung. Bei ungefährem Gleichstand des Wasserspiegels wird durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) das Aland-Abschlussbauwerk geschlossen. Dann kann aus dem Aland nur noch etwas in die Polder fließen. Aber auch diese Stauflächen haben eine begrenzte Kapazität. Kurzum: Fachleute rechnen mit einem noch deutlicheren Anstieg des Wasserspiegels im Alandgebiet. Gefährdet sind dann vor allem zwei Regionen – die Deichbaustellen am linken Alanddeich bei Pollitz und Wanzer sowie ein weiterer Deichabschnitt des Wrechow-Polders bei Aulosen, wo der Damm nicht die erforderliche Höhe aufweist.

Freiwillige beteiligen sich an Einsätzen

Während die in den vergangenen Tagen mit großen Kiesmengen zusätzlich stabilisierten Deiche bei Pollitz und Wanzer gestern noch weiter erhöht wurden, sind seit gestern 62 Soldaten des Führungs-Unterstützungs-Batallions 382 Havelberg in der Nähe des ehemaligen Dorfes Stresow bei Aulosen im Einsatz – gemeinsam mit Mitarbeitern des LHW und der Kreisstraßenmeisterei.

"Es erging seitens des Landkreises Stendal ein Hilfeersuchen an die Bundeswehr in Havelberg. Wir haben die Aufgabe, den hiesigen, rund 1,5 Kilometer langen Deichabschnitt durch das Aufstapeln von Sandsäcken um rund einen halben Meter zu erhöhen", erklärt Major Frank Müller, Einsatzleiter von dem genannten Batallion gegenüber der Volksstimme. Tausende Sandsäcke wurden gestern und werden heute von den Soldatinnen und Soldaten sowie den anderen beteiligten Kräften verlegt.

Befüllt wurden die Säcke an mehreren Stützpunkten – unter anderem in Seehausen, Krüden und Pollitz. Seehausens Bürgermeister Ewald Duffe hatte sich mit einem Aufruf über die Zeitungen an die Bevölkerung gewandt. "Ich habe den Aufruf heute früh um 7 Uhr in der Volksstimme gelesen und mich dann gleich auf den Weg nach Seehausen gemacht", so Achim Seidler aus Lückstedt. Noch vor 9 Uhr, dem offiziellen Beginn, war er vor Ort. "Ich bin mit dabei, auch wenn ich in Lückstedt auf der Altmärkischen Höhe selbst nicht vom Hochwasser betroffen bin. In solchen Situationen sollten alle zusammenstehen", sagt der Rentner.

Von der Altmärkischen Höhe mit dabei war auch Carlo Schulze aus Dewitz, der derzeit seinen Dienst bei der Bundeswehr verrichtet. "Ich bin Mitglied der Feuerwehr Dewitz und helfe bereits seit Sonntag hier mit. Die Verbandsgemeinde Seehausen hat in meiner Einheit in Hessen angerufen, ob ich dort abkömmlich bin. Von dort gab es grünes Licht, also werde ich wohl die ganze Woche über in Seehausen Sandsäcke befüllen oder an anderen Stellen helfen, wo ich gebraucht werde." Ebenfalls dem Aufruf in der Volksstimme gefolgt sind Monika Kliem und Ronald Hegel aus Seehausen. "Als Hartz-IV-Empfängerin habe ich Zeit, also kann ich auch hier mit helfen. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Arbeitslose das genau so sehen würden", meint Monika Kliem.

Tatra-Club Seehausen hilft wieder mit Technik

Beim Befüllen von Sandsäcken halfen gestern auch zahlreiche Gemeindearbeiter aus den Gemeinden der Verbandsgemeinde Seehausen mit. Bernd Prange, Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, schickte sechs Gemeindearbeiter nach Seehausen. Auch auf dem Befüllungsstützpunkt am Pollitzer Sportplatz halfen gestern sowohl Gemeindearbeiter als auch Freiwillige aus Pollitz und Umgebung.

Wie schon bei den Hochwassern 2002 und 2006 hilft der Tatra-Club Seehausen auch diesmal mit Technik und Personal beim Transport der Sandsäcke zu den Alanddeichen – gemeinsam mit Landwirten aus Aulosen und Umgebung. Drei Tatra und ein L60 waren im Einsatz. Sie brachten Säcke zu zwei Verladestützpunkten nach Aulosen. Dort wurden sie von Mitarbeitern der Straßenmeisterei und Soldaten auf kleinere Fahrzeuge umgeladen, die dann über die Deichverteidigungswege weiterfuhren zu den kritischen Stellen des Wrechow-Polders, wo die Säcke sorgfältig ausgelegt wurden.

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