Ein Fest zu Ehren des altmärkischen Platt vereinte am Sonnabend mehr als 80 Freunde dieser niederdeutschen Mundart im Saal des "Dörpschen Krug" in Gladigau.

Gladigau l Die Gäste des Nachmittags trafen auf Gleichgesinnte aus Osterburg, Flessau, Gladigau, Havelberg, Brunau, Dobberkau, Salzwedel, Grassau und anderen Orten. So war das Platt gewissermaßen Hauptsprache an diesem Nachmittag.

Das Fest war gleichzeitig eine Reverenz an Helga Albert, die vor 20 Jahren die Osterburger Plattschnackergruppe gegründet hatte, die sich vor wenigen Tagen allerdings auflöste (wir berichteten). Die Osterburgerin hatte die Veranstaltung auch moderiert.

In ihren Grußworten würdigten Erhard Schmitz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Heimatgeschichte der Stadt Osterburg, Dr. Saskia Luther, Leiterin der Arbeitsstelle Niederdeutsch beim Landesheimatbund, Norbert Lazay, Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes und der stellvertretende Einheitsgemeindebürgermeister Detlef Kränzel Helga Alberts Engagement für den Fortbestand des altmärkischen Platt.

"Sie hat viele Dinge in Gang gebracht"

Sie habe in Bezug auf das Niederdeutsche "viele Dinge in Gang gebracht, bei einigen Juryaufgaben mitgewirkt, den Landesheimatbund bei seinen Projekten unterstützt und Kindern wie der Mundartgruppe an der Flessauer Grundschule den niederdeutschen Weg geebnet". Außerdem verfasste sie mehrere Bücher in Plattdeutsch, von denen das jüngste mit dem Titel "Herwstblätter in Wind" erst am vergangenen Freitag die Druckerei verlassen hatte.

Erfreulich frischen Wind brachten die von der Flessauer Grundschullehrerin Heike Kurtze geleiteten Plattdeutschgruppe mit dem Höltentüffel-danz aus Großmutters Zeiten, der Vöchelhochtied und mehreren gespielten Witzen auf die Bühne. Annemarie Kurtze aus Deutsch hatte eine lustige Geschichte mitgebracht. Die Folkloregruppe aus Brunau, die sich selbst "Brunauer Wievers" nennt, war mit Tänzen sowie Liedern zu Texten des Mehriner Heimatdichters Fritz Hagen erschienen, der aus Altersgründen an dem Fest nicht teilnehmen konnte. "De Grassauer Frauenslüd" erzählten amüsante Geschichten von einem Grassauer "Paster" und von der Reise eines Dörpkösters (Dorfschullehrer) nach Paris. Der Havelberger Heimatverein hatte "Heinrich und Liese" mit dem bekannten "Wenn de Pott aber nu een Loch hat" zum Fest entsandt. Der Osterburg Werner Zierke hatte dem Lied "Im Märzen der Bauer" eine plattdeutsche Version angedichtet.

Der Charme des Niederdeutschen

Kurz, es war ein vergnüglicher Nachmittag. Es zeigte sich wieder, dass das Niederdeutsche einen gewissen Charme besitzt und manchen derben hochdeutschen Worten die Schärfe nimmt.

"Wir glauben, dass diese schöne Sprache nicht vergessen wird", zeigte sich Saskia Luther optimistisch. Dass die Schüler aber irgendwann einmal "Plattdütsch" als erste Muttersprache lernen, ist allerdings recht fraglich.

   

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