Vom 20. bis 22. Juni wird auf dem Grundstück des Gladigauer Pfarrhauses ein festliches Programm stattfinden, bei dem sich alles um das markante Gebäude dreht. Es begeht sein 250-jähriges Bau-Jubiläum.

Gladigau l "Wir erwarten zahlreiche Gäste, denn dieses Jubiläum ist ein würdiger Anlass, um die Historie des evangelischen Pfarrhauses zu Gladigau näher zu beleuchten. Die Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses ist eine in Europa besondere Erscheinung, die große Auswirkungen auf die Geistes- und Kulturgeschichte Deutschlands hatte und hat", betont Pfarrer Norbert Lazay und fügt als Erläuterung hinzu: "Nach Aufzeichnungen des ältesten Kirchenbuchs fand das Richtfest für das Fachwerkgebäude im Mai 1764 statt. Das Pfarrhaus wurde wahrscheinlich nach Plänen von Friedrich Wilhelm Dieterichs gebaut, der zu dieser Zeit Oberbaudirektor von Friedrich dem Großen war. Dieterichs Nichte Catharina Jakobina und ihr Mann Johann Benjamin Visbeck sollten hier als junges Pfarrer-Ehepaar ihr Zuhause finden." Friedrich Wilhelm Dieterichs war einer der bekanntesten Bauschöpfer des Preußentums und zeichnete als Architekt auch für den Bau der Kirche in Orpensdorf verantwortlich.

Das Pfarrhaus in Gladigau ist eines der letzten Häuser seiner Art in der Altmark, denn es verfügt über eine sehr gut erhaltene Fachwerkfassade. Andere Pfarrhäuser wurden im Laufe der Jahre vielfach durch Klinkerbauten ersetzt. "Das Gladigauer Gebäude dagegen ist wie durch ein Wunder im Original erhalten geblieben und sieht heute noch so aus, wie es vor 250 Jahren errichtet wurde", betont Lazay stolz.

Räume sind symmetrisch angeordnet

Er lebt seit fast drei Jahrzehnten als Pfarrer hier, pflegt mit seiner Familie das Grundstück und erforscht dessen Historie. Gerade diese Forschungen bereiten ihm als großen Preußenfan viel Spaß. Zur Struktur des Gebäudes erklärt er: "Die Räume sind symmetrisch in einer Flucht angeordnet. Wenn man die Türen öffnet, ergibt sich eine Sichtachse durch das gesamte Haus. Für eine gut durchdachte Planung spricht außerdem die Tatsache, dass im Innern des Bauwerks eine durchgehende Wand errichtet wurde, die Wohn- und Wirtschaftsräume von einander trennt und gleichzeitig als Brandschutz diente."

Umgeben ist das Pfarrhaus von einer barocken Gartenanlage, in der es Buchsbaum-Hecken, etwa 100-jährige Weinreben und ein Backhaus gibt. Weitere Informationen zur Geschichte des Pfarrhauses erhalten Interessierte am Festwochenende, an dem sie auch den Pfarrgarten in Augenschein nehmen können.