Osterburg (fsc) l Reges Interesse bei Osterburgern und darüber hinaus, bis aus Niedersachsen, fand die Eröffnung der Sonderausstellung anlässlich der 100. Wiederkehr des Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Wie das Blättern in einem reich illustriertes Geschichtsbuch erlebt der Besucher quasi kapitelweise das Leben in der durch und durch preußisch geprägten Stadt vom Vorabend des Krieges im Jahr 1914, als sie wirtschaftlich und gesellschaftlich in Blüte stand, bis zu dessen bitteren Ende 1918. Anfänglich verkündeter Heldentod auf dem Felde der Ehre als Traueranzeigen von Familien war im Verlaufe der Kriegsjahre der Verzweiflung der Hinterbliebenen über das schließlich als sinnlos empfundene Sterben gewichen.

Hatte man zuerst den Krieg bejubelt und dem Kaiser Treue bis in den Tod geschworen, so waren am Ende der Urtragödie des 20. Jahrhunderts unsägliches Leid und ein Scherbenhaufen zurück geblieben. Der Kaiser hatte sich nach Holland abgesetzt, ein Arbeiter- und Soldatenrat wollte eine neue Ordnung herstellen, doch das "Flämmchen Revolution" war bald erloschen; ab Frühjahr 1919 bestimmte das Bürgertum wieder das Leben in der Stadt. Reservisten- und Kriegervereine wurden gegründet. In der Stadt und auf dem Lande sorgten die Vereine für Denkmale zur Erinnerung an die im Krieg Gefallenen.

Zusammenarbeit mit Gymnasium trägt Früchte

Nach der offiziellen Ausstellungseröffnung durch Kreismuseumschef Frank Hoche hatte die Theatergruppe des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums, geleitet von der Lehrerin Angelika Trösken, mit "Picknick im Felde" ein Antikriegsstück aufgeführt. Es war eigentlich als Freiluftvorstellung geplant, doch angesichts des ungünstigen Wetters fand der "Krieg im Saale" statt. Dass der Schauplatz der Handlung in eine Gefechtsstellung an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich heuer zum 75. Mal jährt und der dreimal mehr Tote als der erste forderte, verlegt wurde, sollte keine Rolle spielen.

Das Stück war eine mit schwarzem Humor gewürzte Tragikkomödie, aber auch eine Konfrontation der Brutalität des Krieges mit bürgerlichen Konventionen. Eltern besuchen ihren Sohn im Schützengraben zum gemeinsamen Picknick. Ein russischer Soldat taucht auf, wird gefangen genommen, zum Essen eingeladen, und man erörtert die Frage: Warum sind wir eigentlich Feinde? Keiner weiß es. Man ist guter Dinge, tanzt zusammen, bis zum nächsten Feuerüberfall, der das Picknick knallhart beendet. Die Sanitäter finden vier Tote.

Hoche zeigte sich erfreut, dass die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium reiche Früchte trage. Es habe sich nicht nur mit dem Theaterstück in die Ausstellung eingebracht, sondern auch mit Arbeiten von Schülern aus 8., 11. und 12. Klassen, die sich mit dem Thema Krieg - Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch die deutsche Legion "Condor" 1937 und dem Dadaismus - aus- einandergesetzt haben. Der Kunstkurs 12. Klasse hat mit typografischen Collagen versucht, die dadaistische - und auch antiimperialistische - Haltung der damaligen Künstlerbewegung 100 Jahre danach nachzuempfinden.

Hoche bedankte sich auch bei allen Leihgebern für diese Ausstellung; es hätten sich in diesem Zusammenhang auch neue Kontakte ergeben, zum Beispiel zur Bundeswehrkameradschaft Helmstedt/Wolfsburg. Er führte die Besucher erläuternd durch die Ausstellung, die bis zum 7. September zu sehen ist.

 

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