Wird die Solarfähre jetzt kommen? Nach dem durchschlagenden Erfolg des Probelaufs zwischen Rühstädt und Schönberg besteht Hoffnung darauf.

Rühstedt/Schönberg l "Damit habe ich nicht gerechnet, mit so vielen Neugierigen", gestand Gerald Neu am Freitag. Wie der Ordnungsamtsleiter im Amt Bad Wilsnack/Weisen berichtet, nutzten kürzlich 280 Personen von der Prignitz aus die Möglichkeit einer Elbüberquerung. Susanne Bohlander, Mitinitiatorin der Solarfähren-Aktion, sprach von mehr als 300 Personen, die von der Altmark in die Prignitz übersetzten.

Beidseits der Elbe hatten sich zahlreiche Menschen angesammelt, Radlfahrer, Wandersleute und viele, die nur mal gucken wollten. Es gab Getränke und die Feuerwehr ließ Würste auf dem Rost brutzeln. "Ein tolle Sache." Diese Meinung zog sich durch alle Gespräche. Arno Franke von den Radfahrfreunden "Krumme Speiche" in Bad Wilsnack verwies auf neue Möglichkeiten für den Radtourismus. Zwei neue Rundkurse könnten entstehen: Von Rühstädt nach Wittenberge auf der Prignitzer Seite und zurück über die Altmarkseite. Oder flussaufwärts nach Werben und Havelberg und zurück am anderen Elbufer, je nachdem, wo man beginnt. Gerald Neu fügte hinzu: "Auch für ältere Leute würde es einfacher, die Natur auf beiden Elbseiten zu erleben."

Andere Seite kennenlernen

Der frühere Bürgermeister von Schönberg, Udo Seidel, sieht eine Chance für den familienfreundlichen Radtourismus. Die beiden neuen Rundkurse wären 40 Kilometer lang. Derzeit sei eine Rundfahrt von Wittenberge bis nach Havelberg und wieder zurück rund 80 Kilometer lang und nichts für jedermann. Reinhard Audorf aus Seehausen setzte ebenfalls über: "Ich würde die Fähre öfter nutzen. Ich kenne die andere Seite viel zu wenig."

Den Probetag ermöglichte mit der Unterstützung von Feuerwehren und THW Christian Steinkopf aus Lenzen mit seiner Solarfähre. Vor fünf Jahren begann er mit dem Bau. Da das Projekt jedoch von der Investitionsbank keinen Zuspruch erhielt, blieb es bei dieser einen Solarfähre, die nach schwierigem Genehmigungsverfahren zumindest auf dem Rudower See verkehren darf. Über Solarzellen auf dem Dach wird ein 8-kW-Elektromotor betrieben. "Scheint die Sonne einmal nicht, ist nach zwei Stunden die Batterie leer", so Steinkopf. Zur Sicherheit führte die Fähre einen Außenbordmotor mit, der an diesem Tag auch aus einem anderen Grund erforderlich war. Da die Anlegestellen nicht direkt gegenüberliegen, musste sich die Fähre von Schönberg zum Prignitzufer 1,8 Kilometer mit vier bis fünf Stundenkilometern flussaufwärts kämpfen.

Eine halbe Stunde für die Elbüberquerung, darin waren sich alle einig, sei zu lang. Immer wieder wurde argumentiert, viel günstiger wäre es, die Fähre nicht wie an dem betreffenden Sonntag hinter dem Parkplatz zwischen Rühstädt und Gnevsdorf anlanden zu lassen, sondern in Verlängerung des alten Panzerwegs, der allerdings nur noch bis zum Deich befestigt ist. Danach müsste ein Stück sensibles und unter Schutz stehendes Deichvorland durchquert werden. Vom dortigen Elbufer wären es lediglich 300 Meter bis zur Schönberger Seite. "Man wird sicher auch noch mal mit der Biosphäre sprechen müssen", so Gerald Neu. Prinzipiell werde das Vorhaben aber auch von der Seite gut geheißen.

Bürokratische Hürden

Hubert Finke von der Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Wittenberge half mit, eine Genehmigung für den Probetag zu erwirken. "Viele bürokratische Hürden sind noch zu nehmen", sieht er voraus. Aber: "Einen Schnuppertag wird es auch 2015 geben, vielleicht sogar einen Probebetrieb über einige Tage", hofft Gerald Neu.