Nach ihrem zweieinhalbwöchigen USA-Aufenthalt sind 13 Jugendliche aus der Region Arneburg-Goldbeck und ihre vier erwachsenen Begleiter, unter ihnen Pfarrer Thomas Vesterling, wieder zurück in der Heimat. Noch ganz unter dem Eindruck der Reise stehend, berichteten sie gegenüber der Volksstimme.

KleinSchwechten/FrederiK l "Die Reise in die USA war sicher der Höhepunkt des nunmehr anderthalb Jahre andauernden Jugendprojektes des Pfarrbereich Klein Schwechten. Ziel des Projektes war es einerseits eine gemeinsame Jugendgruppe im Pfarrbereich zu bilden und auf diese Weise auch die einzelnen Kirchengemeinden einander näherzubringen. Ich denke, das ist uns gut gelungen", schickt Pfarrer Thomas Vesterling voraus, bevor er auf die USA-Reise zu sprechen kommt, die für die beteiligten Jugendlichen und ihre vier Betreuer ohne Zweifel der Höhepunkt im Rahmen des Jugendprojektes darstellte.

An dem Gespräch mit der Volksstimme nahmen neben dem Pastor und mehreren Jugendlichen auch Sylvia Gercke, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Eichstedt, ihr Ehemann Norbert sowie Eike Trumpf aus Hohenberg-Krusemark teil, der sich an der Reise jedoch nicht in seiner Funktion als Verbandsgemeindebürgermeister beteiligte, sondern als Kirchenratsmitglied und Konfirmandenvater.

"Freundliche, offene Art der Menschen hat mich beeindruckt"

Paul Vinzelberg (16)

Die 17-köpfige Gruppe landete am 19. Juli in New York. Von dort ging es zunächst erst einmal weiter nach Frederick (Maryland), einem Vorort von Washington. Dort wurden die deutschen Gäste, zu der auch eine rund 40-köpfige Gruppe aus dem Rheinland gehörte, von der gastgebenden Kirchengemeinde während eines feierlichen Gottesdienstes begrüßt. Von Frederick aus ging die Reise dann aber erst einmal nach North Carolina zum Franklinton Center at Bricks. Dort befand sich früher eine Art Besserungsanstalt für Sklaven. Nach der Abschaffung der Sklaverei entstand an dieser Stelle die erste Schule für afroamerikanische Kinder und Jugendliche in den Vereinigten Staaten. Zum Franklinton Center gehören heute noch eine Reihe weiterer Einrichtungen, die sich unter anderem mit sozialen Belangen und Menschenrechten befassen. Dort gibt es auch ein Landwirtschaftsprojekt, das sich dem Gemüseanbau widmet und damit eine Alternative zu dem in der Region fast ausschließlich praktizierten Anbau von Baumwolle und Soja darstellt.

An der genannten Schule leisteten die Jugendlichen einen einwöchigen Arbeitseinsatz. Einige der deutschen Gäste, unter ihnen Eike Trumpf, arbeiteten auch in der Landwirtschaft mit. Dieses soziale Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil des amerikanisch-deutschen Jugendprojektes. Auch die im vergangenen Jahr in Deutschland weilenden amerikanischen Jugendlichen hatten hier gemeinsam mit ihren altmärkischen Freunden Arbeitseinsätze geleistet.

Nach der Woche in Franklinton ging es wieder nach Frederick. Von dort aus wurden - jeweils in Begleitung amerikanischer Freunde - unter anderem Tagestouren nach Washington, Ocean City und New York unternommen. Viele Sehenswürdigkeiten standen auf dem Reiseplan.

"Positiv beeindruckt hat mich besonders die freundliche und offene Art der Menschen, mit denen wir in den Staaten zu tun hatten. Wir wurden alle sofort herzlich an- und aufgenommen", schildet der 16-jährige Paul Vinzelberg aus Goldbeck einen wesentlichen Eindruck, den er während der Reise gesammelt hat. "Ich war beeindruckt, wie hervorragend bei unseren Arbeitseinsätzen die Teamarbeit in den drei gemischten Gruppen funtionierte", meint Erik Schlemmer (14) aus Möllendorf. Wie die Jugendlichen einhellig berichten, hat auch die Verständigung gut geklappt - trotz unterschiedlich ausgeprägter Englischkentnisse. Wenn jemand etwas nicht komplett verstand, so halfen die anderen mit beim Übersetzen. "Die Kommunikation war aufgrund der Sprachbarriere schon eine Herausforderung. Darum war die gemeinsame Arbeit gut. Man wächst zusammen im Team", ist Thomas Vesterling überzeugt, der allerdings nach mehreren längerfristigen USA-Aufenthalten selbst keine Sprachschwierigkeiten hatte. Sylvia Gercke hatte dagegen einen Sprachtranslater dabei. "Das war manchmal eine große Hilfe." Lara Salomon (15) aus Groß Ellingen hat vor allem New York beeindruckt. Ihr ist unter anderem in Erinnerung geblieben, wie günstig das Shoppen dort war. Aber auch den Aufenthalt in der Jugendherberge fand sie "echt cool".

"Gottesdienste sind viel lebendiger als bei uns"

Judith Weber (18)

Die 18-jährige Judith Weber fand es auch in der gastgebenden Gemeinde "krass". "Die Gottesdienste laufen ganz anders ab als bei uns. Viel lebendiger. Beim ersten Mal musste ich erst einmal um mich schauen, um zu sehen was die anderen machen", beschreibt die Klein Schwechtenerin.

Bei Eike Trumpf haben die Dimensionen in den US-Metropolen, insbesondere in New York, Eindruck hinterlassen. "Wie riesig die Häuserschlucten tatsächlich sind, nimmt man erst wahr, wenn man einmal direkt vor Ort war." Überhaupt werden wohl die Arbeitseinsätze allen in angenehmer Erinnerung bleiben. Vesterling: "Wir haben bei den Menschen vor Ort echte Dankbarkeit gespürt. Dank der Spenden, die wir von vielen Einrichtungen, Firmen und Privatpersonen aus unserer Region erhielten, konnten wir erfreulicherweise auch eine Einkaufstour zum Baumarkt unternehmen, um Material zu kaufen."

Sylvia Gercke hat als examinierte Krankenschwester die Gelegenheit genutzt, ein amerikanisches Krankenhaus und eine Altenpflegeeinrichtung zu besuchen. "In dem Pflegeheim befand sich eine riesige Bibliothek, die auch fleißig genutzt wurde. Die alten Menschen beschäftigten sich aber auch sehr intensiv mit Computern."

Thomas Vesterling freut sich besonders darüber, dass das Jugendprojekt dazu geführt hat, dass sich eine Jugendgruppe formiert hat, die auch "in Bewegung bleiben will." Der Pfarrer möchte sich auf diesem Wege bei allen Sponsoren bedanken, die mit ihrer finanziellen Unterstützung die Reise ermöglicht haben - allen voran dem Landkreis Stendal.

   

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