Der Volksstimme-Blumenstrauß des Monats September geht an Gisela Hilscher. Leser haben die Werbenerin vorgeschlagen, um sie für ihr außergewöhnlich vielfältiges ehrenamtliches Engagement zu würdigen.

Werben l Gisela Hilscher erblickte im niedersächsischen Westerstede das Licht der Welt. Dort wuchs sie auch auf und besuchte die Grundschule - aber nur bis zum Abschluss ersten Klasse. Da ihre Eltern nach Düsseldorf umzogen, absolvierte Gisela ihren weiteren Schulweg in der Ruhrmetropole.

Sie erlernte den Beruf einer Zahnarzthelferin an der Uniklinik der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. In Düsseldorf lernte sie auch ihren Mann Heinz kennen, mit dem sie schließlich nach Berlin zog. "Nachdem ich 20 Jahre als Zahnarzthelferin gearbeitet habe, sattelte ich um und machte eine Ausbildung zur Altenpflegerin - ein Beruf, in dem ich noch einmal 20 Jahre lang arbeitete", berichtet die Mutter einer erwachsenen Tochter.

Durch Freunde, die in Räbel ein Haus erworben hatten, lernten Hilschers Jahre nach der Wende die Hansestadt Werben kennen. "Wir waren so angetan von der schönen Stadt, ihrer Umgebung und den Menschen, dass wir uns entschlossen, hier ein Grundstück zu erwerben." Schließlich kaufte das Ehepaar in Werben ein kleines Haus. Heinz Hilscher zog 2002 nach Werben und Gisela 2005 hinterher. "Meine ersten näheren Kontakte mit Werbenern fand ich über dem Chor. Ich singe leidenschaftlich gern und trat sofort dem Ensemble bei", erinnert sich die Wahl-Werbenerin. Auch die Biedermeiermärkte fand Gisela Hilscher so schön, dass sie nicht zögerte, sich in die Organisation aktiv mit einzubringen.

Gisela Hilscher gehört außerdem zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreis Werbener Altstadt und wurde sogleich in die Vorstandsfunktion der Schatzmeisterin gewählt, die sie bis heute bekleidet.

Vor einigen Jahren gründete sich in der Hansestadt die Theatergruppe "Altmärkisches Treibgut". Auch dort mischte die gebürtige Niedersächsin sofort mit. Gleich im ersten Stück spielte sie die "Witwe Bolte". Auch in die folgenden Aufführungen der Gruppe übernahm Gisela Hilscher stets Rollen und war sich auch nicht zu schade, Männer darzustellen.

Schließlich formierte sich in Werben der Johanniter-Komtureiverein. Auch dort zählt "Gisel" - wie sie von Freunden liebevoll genannt wird - zum Kreis der Gründungsmitglieder und wurde wiederum zur Schatzmeisterin gewählt. Damit nicht genug der Ehrenamtsfunktionen und des kulturellen Engagements der Werbenerin. Dass sie im Werbener Gemeindekirchenrat aktiv und Mitglied der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg ist, sei an dieser Stelle nur beiläufig erwähnt.

Das "ganz große Ding" begann für Gisela Hilscher jedoch im Jahr 2012 mit der Gründung der Arbeitsgruppe Nachbarschaftshilfe "Miteinander-Füreinander" für die Hansestadt Werben und die Gemeinde Altmärkische Wische. "Wir haben unsere Beobachtungen in der ganzen Region gemacht, wie schwierig es insbesondere für ältere Leute ist, am täglichen Leben teilzuhaben. So etwas führt zur Vereinsamung, woraus weitere Probleme resultieren. Der Arbeitsgruppe war es ein Anliegen, da gegenzusteuern. "Das Bürgermobil, das wir seit März dieses Jahres in Werben haben, ist das erste greifbare Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit." Das Angebot wird von mehr und mehr Menschen dankend angenommen", freut sich Gisela Hilscher.

Im März 2014, anlässlich der Übernahme des grünen VW-Kleinbusses vom Landkreis Stendal formierte sich die Arbeitsgruppe zum Verein "Nachbarschaftshilfe Miteinander-Füreinander", was aus finanziellen und rechtlichen Gründen notwenig war. Gisela Hilscher wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt.

Genutzt werden kann das Fahrzeug von allen Bürgern der Hansestadt Werben und der Gemeinde Altmärkische Wische - unter anderem für Einkaufsfahrten, Arztbesuche, Behördenfahrten, aber beispielsweise auch für Fahrten zum Bahnhof, zu Veranstaltungen und anderem mehr. Auch Kinder werden von den ehrenamtlichen Chauffeuren etwa zu Vereinsaktivitäten gefahren und Senioren zu ihren Treffen.

Von vielen Werbenern wird Gisela Hilscher bewundert für die Zeit und die Energie, die sie für ihre Vereine und Kulturgruppen investiert. "Ich bin kein Typ, der zu Hause sitzen und die Tür hinter sich verschließen kann. Würde ich das tun, würde ich beginnen, über die Verhältnisse zu schimpfen. Doch die Energie dafür kann ich sinnvoller investieren. Die Ehrenämter füllen einen wesentlichen Teil meines Lebens aus. Das Chorsingen und das Theaterspielen ist dabei ein wichtiger Ausgleich. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich mich an der Freude andere Menschen erfreue."