Krumke (ama) l Eine Klasse für sich erlebten am Freitag die Gäste im Kavaliershaus in Krumke. Das Martina Eisenreich Quartett spielte und riss die Besucher der Reihe "Töne und Tropfen" zu Begeisterungsstürmen hin.

Barfuß und mit geschlossenen Augen begann Martina Eisenreich das Programm. Das Spiel auf der Violine brach das Eis genauso schnell wie ihre Anekdoten. "Wir kommen aus Hinter-München", hatte die Filmkomponistin der Kavaliershaus-Chefin Annegret Spillner erklärt. Das erste Stück widmete das Quartett dann einem Jäger, Landwirt und ehemaligen Manager aus Italien namens "Il grande Bandito", wofür es die ersten Lacher gab. Die Urgroßtante des Kontrabassisten von Stephan Glaubitz hatte zu dem nächsten Lied inspiriert. Glaubitz lernte die Namenspatronin und Frisurpatin von Rudi Völler ("Tante Käthe") in den 60ern kennen. Als ihm seine Eltern verboten, Gitarre spielen zu lernen, ergriff sie für ihn Partei. Der Junge hätte so einen musikalischen Hinterkopf! Dementsprechend schmissig kam das anschließende Musikstück daher, das gut in die 50er Jahre gepasst hätte. Als Höhepunkt folgte die erste Komposition von Martina Eisenreich: "Die Mausefalle" hatte sie sich mit sieben Jahren ausgedacht. Zu einem mongolischen Lied war das Quartett durch das Weltfestival in Nürnberg gekommen, erzählte Eisenreich, denn die Münchner teilten über Stunden ihre Garderobe mit einem mongolischen Orchester. Seitdem gehört eine der ältesten mongolischen Melodien zum Programm. Anschließend nahm das Quartett die Zuhörer mit drei Folklore-Stücken nach Irland mit. Martina Eisenreich begleitete auf der Tin-Whistle (irische Flöte), während die Gäste verzückt juchzten und mitklatschten.

Solche Konzerte leben von der Improvisation, beschrieb die Filmkomponistin in der Pause. Filmmusik zu kombinieren, sei da eher theoretisch. "Das hier ist Musik, die mit dem Bauch gemacht ist und im Bauch ankommt!" Die Lust am Ausprobieren auf der Bühne lebt sie seit 2003 mit Percussionist Wolfgang Lohmeier aus. Das Quartett, nach dem sie lange suchte, gibt es seit 2010, und Eisenreich findet: "Wir passen in keine Schublade, sind nicht allein Jazz und nicht nur Klassik." Ein Beweis mehr dafür war ihre Interpretation des Titels "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen", das Eisenreich auf der Trichtergeige begleitete. Christoph Müller variierte auf der Gitarre, Stephan Glaubitz lieferte sich Duelle auf dem Kontrabass. Und Lohmeier spielte unter anderem auf Wasserfon und Kochtopf. Die Zuhörer jubelten, Zugabe war Ehrensache.