Osterburg (fsc) l Mit Heimatgeschichte in Geschichten begann am Sonnabend die traditionelle Grünkohlwanderung der Interessengemeinschaft Heimatgeschichte der Biesestadt. Unter Führung des IG-Vorsitzenden Erhard Schmitz hatten 24 Wanderer, darunter auch nicht organisierte Heimatfreunde, bei herrlichem fast Spätsommerwetter auf dem Parkplatz in der Poststraße Schusters Rappen gesattelt.

Der Weg führte zunächst zur Jüdenstraße. An deren Einmündung auf die Nordpromenade hätte sich einst eine der drei Osterburger Notpforten befunden, informierte Schmitz, "damit die Bürger der bestigten Stadt bei einer Belagerung heimlich die Stadt verlassen konnten. Osterburg war unter anderem durch Wallanlagen und eine sieben Meter hohe und vier Meter breite Stadtmauer befestigt."

Einen weiteren Halt machte man am so genannten Lies-Haus, dem markanten Backsteinbau mit dem Giebelbild, auf dem das Seehäuser Tor nachgestaltet worden ist. Die Frage, was aus dem Gebäude nun werde, konnte Schmitz auch nicht beantworten. "Das weiß keiner so recht", sagte er. "Die Stadt hatte mit Hilfe von Fördermitteln eine Notsicherung veranlasst; angeblich gibt es private Interessenten." Wo einst das Seehäuser Tor gestanden hatte, deutet heute ein Winkel aus schwarzen Steinen auf der Straße an. "Um 1820 etwa waren die Stadttore abgebrochen worden", berichtete Schmitz. Er erinnerte an die früheren Holzbrücken über die Biese, an die Pferdewäsche und den Kahnverleih sowie an das Fachwerkhaus, das auf der Insel zwischen den beiden Flussarmen gestanden hatte, abgebrochen und an der Flachsröthenstraße/Ecke Biesestraße wieder aufgebaut worden war.

Neues Funktionalgebäude fällt ins Auge

Sie habe noch alte Osterburger Ansichtskarten und die beiden Bände "Osterburg im 20. Jahrhundert" sagte Rita Pens. "Ich interessiere mich sehr für die Geschichte unserer Stadt." Im ersten Band hat Werner Ahrends eine Reihe von bemerkenswerten kleinen Geschichten zur Geschichte, unter anderem auch vom Insel-Haus, der für Fuhrleute wichtigen Pferdewäsche und der Wagenfurt geschrieben.

Am Biesebad fällt der Rohbau für das neue Funktionsgebäude ins Auge, das an Stelle des 2011 abgebrannten Biese-Cafés entsteht und unter anderem Umkleideräume, Sanitäreinrichtungen, Wirtschaftsräume und einen Raum für den Schwimmmeister aufnehmen wird. Das gesamte Badgelände solle entsprechend des Tourismuskonzeptes der Einheitsgemeinde umgestaltet werden, so Schmitz. "Das Biesebad ist weit über 100 Jahre alt; hier hatte anfangs der 1922 gegründete Osterburger Schwimmverein sein Domizil bis Osterburg 1936 mit dem Schwimmbad auf dem Fuchsbau ein weiteres Freibad bekam.

Von der Schwiegermutterbrücke führte die Wanderung auf dem "Schwiegerelternweg" zur Schwiegervaterbrücke, für die man sich einen baldigen Ersatzbau wünscht. Dieser Weg sei wegen der groben Schottersteine dringend überholungsbedürftig, wurde von den Heimatfreunden festgestellt. "Die spitzen Steine spürt man nicht nur durch die Schuhsohlen, sie sind auch eine Stolpergefahr", bemängelte Herta Rückborn. Die 87-Jährige fahre auch noch gern mit dem Fahrrad, und das sei ein beliebter Rundkurs abseits der Straßen. "Aber hier fährt man sich ja jetzt die Reifen kaputt. Das mal an die Adresse der Stadtverwaltung."

In der "Altmärkischen Kaffeestube" hatten sich indes einige Grünkohlfreunde eingefunden, die nicht so gut zu Fuß sind, so dass schließlich 32 Liebhaber dieses Wintergemüses (mit Kasseler und Pinkel, der norddeutschen Kohlwurst) zu bewirten waren.