25 Jahre Mauerfall: das Jubiläum wurde ganz besonders in Berlin gefeiert. Auch einige Altmärker zog es am Sonntag in die deutsche Hauptstadt.

Seehausen/Berlin l Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck war am Vormittag noch Fahrrad gefahren. Kurz entschlossen setzte sich der Beusteraner gegen Mittag in den Zug nach Berlin. Die Ballons, die sich anstelle der Mauer durch die Stadt zogen, wollte er mit eigenen Augen aufsteigen sehen. Zuerst schlenderte er darum zum Brandenburger Tor, wo Klaus Wowereit Stunden später erklärte, das Auflösen der Lichtgrenze sei ein Symbol für Frieden und Freiheit. Zu dieser Zeit war Schlendern noch möglich. An der Mauer selbst traf sich Reck später mit Freunden aus Mannheim. Sein Fazit nach dem Tag: "Es hat sich gelohnt. Ich habe auch einige Videoclips gedreht." Von Michaela Steinke aus Groß Garz wusste er, dass sie die Patenschaft für einen der Ballons übernommen hatte.

"Das berührt mich noch immer"

Wie es dazu kam? "Ich hörte im September auf Radioeins, dass man sich für die Patenschaft bewerben kann", erzählte die Tochter von Detlev und Ute Steinke. Ihre Eltern waren bei den Friedensmärschen im Herbst 1989 in Osterburg stets dabei und fuhren gleich am 10. November mit ihr nach Berlin. "Ich war damals 7 Jahre alt, aber ich habe alles genau vor Augen: wie voll die Stadt war, wie wir ein Stück Mauer abklopften. Das war eine bewegende Zeit und berührt mich noch immer", so die 32-jährige Lehrerin. In West-Berlin fiel Detlev Steinke mit seiner Familie seinem Arzt-Freund in die Arme. Fast eine Woche zeigte dieser den Altmärkern die Westseite der Stadt. Für Michaela Steinke war klar zum 25-jährigen Jubiläum: "Ich muss dabei sein." Mitte Oktober kam die Zusage. Bei Ballon Nummer 2694 an der East Side Gallery durfte sie den Hebel um 19.40 Uhr umlegen. Zum Hebel als Andenken gab es einen Souvenirbeutel zur Erinnerung an "25 Jahre Mauerfall" und das Buch zur Lichtgrenze, in dem alle 7000 Paten namentlich erwähnt sind. "Es war toll", schwärmte die Groß Garzerin hinterher, "nur wäre noch schöner gewesen, wenn die Ballons geleuchtet hätten." Natürlich hatte sie ihre Eltern an ihrer Seite.

Auch Anke und Gerald Müller aus Rengerslage stiegen in Wittenberge in den Zug Richtung Berlin. "Wir wussten schon Anfang des Jahres, dass wir am 9. November nach Berlin wollen", erzählte Anke Müller, die am Tag des Mauerfalls sofort mit dem Lernen für eine Chemieklausur aufhörte und mit Studienkollegen in der Innenstadt Rostocks auf der Straße tanzte. Ihr erster Ausflug führte sie mit Freunden nach Dänemark und dann zum Konzert von Howard Carpendale nach Kiel. Gerald Müller hingegen hatte den Mauerfall "verpennt", gönnte sich nach der Armeezeit zum Studienstart in Friesack eine frühe Mütze voll Schlaf. Wenige Tage danach guckte er sich mit Kommilitonen in ganz Berlin um, spazierte unter anderem zur Siegessäule. Gleich im Sommer darauf erlebte er sechs Wochen Studienaustausch im Landmaschinenbetrieb in Hude bei Oldenburg.

Lindenberg, Gorbatschow und das Feuerwerk

Bein den Jubiläumsfeiern am vergangenen Sonntag stand das Ehepaar direkt an der Ehrentribüne, sah von dort aus Udo Lindenberg und Michail Gorbatschow, das Feuerwerk. Die Stimmung am Brandenburger Tor live mitzuerleben, die "Ode an die Freude" und die Lichtgrenze aufsteigen zu sehen, "das war ein ganz besonderes Ereignis." So viel stand für Anke und Gerald Müller fest. Und, ja, zwischendurch kamen ihnen die Tränen. Nach den Feierlichkeiten setzten sich die Altmärker allesamt sehr bewegt an diesem historischen Tag wieder in den Zug Richtung Heimat.

 

Bilder