Mit einer erfolgreichen Premiere und einem begeisterten Publikum feierten die Akteure des Dorftheaters Gladigau am Sonnabend den Startschuss in die neunte Spielzeit.

Gladigau. Abzüglich der drei Aufführungen, die bis Sonntag im Saal des "Dörpschen Kruges" über die Bühne gingen, müssen die Laienschauspieler um Regisseur Goswin Moniac mit Unterstützung vieler Helfern vor und hinter dem Vorhang bis zum zweiten Aprilwochenende noch 15 Mal ihr Talent unter Beweis stellen. Eine beachtliche Leistung. Zum einen, weil das Stück mit drei Akten und anderthalb Stunden Spieldauer so lang wie nie ist, zum anderen, weil alle Schauspieler kräftig gefordert sind.

Die sieben Mitwirkenden sind zumindest gefühlt gleichermaßen oft und lange in Wort und Bild präsent. Eine Hauptrolle gibt es in der auf Platt übersetzten Komödie "Immer werrer nachts Klock veer" nicht wirklich. Höchstens einen Hauptgeplagten. Nämlich den Junggesellen Thomas Lindemann, alias Torsten Dahms, dessen Wohnung zum Dreh- und Angelpunkt einer haarsträubenden Verwechslungsgeschichte wird, die in wenigen Sätzen kaum nachzuerzählen ist.

Warum die Komödie ihren Titel trägt, wird klar, wenn Thomas Schlag vier wie so oft aus der Nachtruhe gerissen wird und er nicht nur das Streitgespräch seiner Nachbarn Frank und Susanne (Reinhard Bäthge, Christine Neumann) aus dem Effeff herbetet, sondern die Tür für seinen um Asyl bittenden Kumpel und Kneipenspätheimkehrer öffnet, bevor dieser anklopfen und an die richtige "Frünnschaft unner Keerls" appellieren kann.

Die Hilfsbereitschaft des übermüdeten Junggesellen wird ad absurdum geführt, als sich in der Wohnung am Tag neben den Nachbarn und deren Tochter Tina (herzerfrischend von Josepha Lazay gespielt) auch noch Lindemanns Freundin Tanja (Simone Wiesner) sowie seine Mutter Liselotte (Beate Henning darf endlich mal so richtig aus sich raus), die die Wohnung als Liebesnest für ein Schäferstündchen mit "ihrem starken Hausmeister" Heinz-Willy (Rüdiger Berndt) nutzen will, die Klinke in die Hand geben. Zwischen Bett, Kleiderschrank, Tisch, Küche und Bad entwickeln sich ein- und zweideutige Situationen, die viel Raum für Missverständnisse und Verdächtigungen bieten, bei denen Beteuerungen wie "dat is nich so, al dat utsüht" oder "ick kann alln\'s opklarn" selbstverständlich ihre Wirkung verfehlen und Liselotte Lindemann reinste das reinste "Sodom und Gomorrha" vermuten lassen. Kein Wunder, dass der zu Unrecht für sein angeblich ausschweifendes Leben verdächtige Gastgeber wider Willen verzweifelt konstatiert, "över ick bin doch de eenzigst, de nich hier wör" und feststellt, dass es eindeutig "to vel Schlödel vö de Dör" gibt. Die einzige, die dem Durcheinander Positives abgewinnt, ist Tina, die sich angesichts neuer (Stief-)Eltern auf eine Taschengeldverdoppelung, reichlich Gesprächsstoff für ihre Freundinnen und eine Psychotherapie freut.

Den Gladigauern ist in fünfmonatiger Probezeit wieder eine Komödie in bester Dorftheatertradition gelungen, die leider zu wenig Leute zu sehen bekommen werden. Die 1620 Karen waren am 19. Februar in rekordverdächtigen zwei Stunden ausverkauf und nur den Frühaufstehern vorbehalten.