Neben anderen Orten hakte die Telekom vor einigen Wochen auch Ballerstedt als DSL-versorgt ab. Aber Anspruch und Wirklichkeit stimmen nicht immer überein, wie das Beispiel der Familie Schneider zeigt.

Ballerstedt. Anfang April meldete die Telekom in Sachen DSL auch für die Ex-Gemeinde Ballerstedt Vollzug. "Fast 450 Haushalte des Gebietes (gemeint war neben Ballerstedt auch der Raum Erxleben; Anm. d. Red.) haben nun die Möglichkeit, einen DSL-Anschluss mit Bandbreiten bis zu 16MBit/s zu beauftragen. Damit bietet die Telekom den Bürgern, aber auch den Gewerbetreibenden eine wichtige Infrastrukturverbesserung, denn die Breitbandversorgung wird immer mehr zu einem wichtigen Standortfaktor", hieß es in einer Pressemitteilung. Für Ballerstedter, die ihr Ohr umgangssprachlich an der Masse haben, war die Nachricht so neu nicht. Die ersten Kunden gingen nämlich schon im Januar mit der neuen und schnelleren Technik online.

Nicht so Familie Schneider. Die möchte zwar auch im doppelten Sinn des Wortes schnellstens ins Internet, wartet aber bis heute auf eine leistungsfähige Anbindung an die Datenautobahn und muss sich solange mit einem digitalen Trampelpfad begnügen. Denn mit 128 KBit/s (meist deutlich weniger) ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Mehr gibt der alte ISDN-Anschluss nicht her, während die Nachbarn mehr als 120 Mal so schnell im Netz der Netze unterwegs sind.

Besonders Landwirt Guido Schneider ist allmählich am Verzweifeln. Viele seiner Geschäfte (Ersatzteilbeschaffung, Dünger- und Saatgutbestellungen und andere Vertragsabschlüsse) erledigt er per Datenleitung, auf die er auch angewiesen ist, wenn er sich über die neuesten Trends an der Waren-Termin-Börse, über Schädlings- und Krankheitsvorhersagen oder schlicht und einfach über das Wetter informieren will. Ja, auch die Bauern sind im dritten Jahrtausend angelangt.

Ganz zu schweigen davon, dass er für eine zigfach schnellere Verbindung nur die Hälfte Entgelt bezahlen müsste und so Monat für Monat rund 40 Euro zum Fenster rauswirft. Schneiders wird offenbar zum Verhängnis, dass sie in den Zeiten, als die Altmark bei der DSL-Erschließung noch ein großer weißer Fleck war, bei der Telekom nur telefonierten, sich das Internet aber über die Konkurrenz ins Haus holten. Während das Auseinanderdividieren des Anschlusses vor Jahren nur Sache einer Unterschrift war, ist der Weg zurück steinig. Ob das Problem eine Frage der Technik, der Abrechnung oder der Kommunikation zwischen beiden Anbietern ist, behält die Telekom für sich. Trotz zweier Anrufe und einer schriftlichen Anfrage bei der Berliner Pressestelle der Telekom äußerte sich das Unternehmen bislang gegenüber der Volksstimme noch nicht zu dem Thema.

Außenstehende könnten fast ein gewisses System dahinter vermuten. Telekommitarbeiter sprechen hinter vorgehaltener Hand davon, dass es immer einen gewissen Prozentsatz gebe, bei dem einfach gar nichts funktioniert. Vertriebspartner, die Telekom-Anschlüsse auf Provision vermitteln, raten ihren Kunden ganz offen, sich noch einmal zu melden, wenn sich nach sieben bis neun Tagen nichts tut. Bei der Konkurrenz DSL zu beantragen, beschleunigt die Sache zumindest beim Erstanschluss nicht. Denn auch Vodafone und Co. sind auf ein funktionierendes Netz angewiesen.

Was Schneiders bleibt, ist das Versprechen der Mitarbeiter vor Ort, das Problem täglich lösen zu wollen. Und die Hoffnung. Denn wie heißt es in einem neuen Werbefilm der Telekom: "Ist es nicht Zeit, dass sich endlich mal was nach uns richtet?"