Die Fronten in Sachen Strandgaststätte sind verhärtet: Linke und Arendsee-Land wollen kaufen, CDU und SPD sind sich mit dem Bürgermeister einig und lehnen das ab. Jetzt hat sich kurz vor der Entscheidung zum Widerspruch im Stadtrat der Vorbesitzer zu Wort gemeldet.

Arendsee l "Wir kommen aus dem Urlaub und es erschlägt uns eine Fülle von Schlagzeilen, wer sich für die Strandgaststätte interessiert und diese kaufen möchte", schreibt Campingplatzbetreiber Udo Matuschek aus Arendsee in einem Brief an die Volksstimme. Es grenze für ihn an ein wahres Wunder!

Denn seit 2008 habe die Gaststätte zum Verkauf gestanden. "Es gab neben mir so viele, welche davon träumten, diese zu kaufen und zu bewirtschaften", schreibt er weiter. Aber als er das Objekt am 9. September 2011 ersteigerte, habe es außer ihm nur noch einen weiteren Bieter gegeben.

Inzwischen ist Matuschek allerdings zwar Eigentümer, aber nicht Besitzer. Denn: Der Kaufpreis war damals nicht vollständig bezahlt worden (wir berichteten).

Offenbar will er nun aber einen neuen Anlauf wagen, wie er gegenüber der Volksstimme ankündigte. Sein Familienbetrieb sei schuldenfrei. Es sei Zeit für eine neue Herausforderung.

Neben Kaufsumme laufende Kosten

Wolle man aber etwas kaufen und spekuliere mit Geld, das für andere wichtige und notwendige Sachen angespart wurde, sei dies in seinen Augen dreist.

Kaufen sei aber ohnehin nur die eine Seite. "Ganzjährig betreiben, da auch über das ganze Jahr Betriebskosten anfallen, abgesehen von den hohen Lohnkosten, ist die andere, aber wichtigere Seite", so Matuschek.

Er frage sich, wie sich die 17 Befürworter eines Kaufs das vorstellen. Ein Konzept liege bisher noch nicht auf dem Tisch, "geschweige eine sichere Finanzierung".

Das sehen auch die Fraktionsmitglieder von CDU und SPD im Stadtrat so, die gegen ein Mitsteigern am 16. April sind.

"Finanziell unkalkulierbare Abenteuer auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger unserer Einheitsgemeinde lehnen wir strikt ab", formulieren sie es in einem Leserbrief. Die Mittel sollten in den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur sowie bei der Bewältigung der Pflichtaufgaben der Einheitsgemeinde eingesetzt werden. "Wir stellen uns hinter den Bürgermeister und seine Entscheidung, Widerspruch gegen den Mehrheitsbeschluss einzulegen." Nur so könne Schaden von der Stadt, den Bürgern und der Luftkurort Arendsee GmbH abgewendet werden.

Egal was die Strandgaststätte kosten solle, "es ist auf jeden Fall zu viel", heißt es weiter. Nur mit der Ersteigerung sei es zudem nicht getan.

Betrieb führt zu finanziellem Fiasko

Es folgen Kosten für die Grund-, eine energetische Sanierung, Unterhalt und Betrieb. Private Nutzer hätten versucht, einen finanziellen Gewinn in der Strandgasstätte zu erwirtschaften. "Leider vergebens", so der Wortlaut. Wie solle das nun der Luftkurort Arendsee GmbH gelingen? "Bei einem Betrieb der Strandgaststätte in den drei Sommermonaten führt dies zu einem finanziellen Fiasko."

Jedem Stadtratsmitglied müsse bewusst sein, dass so ein wirtschaftlich riskanter Beschluss rechtliche und finanzielle Konsequenzen für jeden haben könne.

Die GmbH und der Eigenbetrieb sollten die eingestellten Gelder nutzen, um sie in das vorhandene Anlagevermögen zu investieren. Ziel: ein modernes, familienfreundliches und qualitativ hochwertiges Angebot für Gäste. "Mit dem Erwerb der Strandgaststätte wäre dieses Kapital weg und es gäbe eine weitere sanierungsbedürftige Immobilie."

Dass das die Kaufbefürworter ganz anders sehen, ist bekannt. Ihrer Meinung nach würde der Kauf das Potenzial der GmbH aufwerten. Bleibt also abzuwarten, wie die Weichen am kommenden Montag gestellt werden.