Die Arendseer Strandgaststätte ist versteigert, neuer Besitzer ist Udo Matuschek. Aber: Er hatte das Lokal bereits 2011 gekauft und nicht bezahlt.

Salzwedel/Arendsee l Gespannt saßen die Zuschauer bei der gestrigen Zwangsversteigerung der Arendseer Strandgaststätte im großen Saal des Salzwedeler Amtsgerichtes. Und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht, denn sie bekamen eine unterhaltsame Show geboten, in der der jetzige Eigentümer Udo Matuschek die Hauptrolle spielte.

Erste Versteigerung im September 2011

Matuschek hatte die Anlage im September 2011 für rund 131000 Euro ersteigert. Doch bis auf einen geringen Teil hat er diesen Preis nie überwiesen. Deshalb versuchte die Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg bei der nunmehr vierten Versteigerung seit 2011, das Haus an einen neuen Käufer zu bringen.

Als die Richterin die Bieterstunde um 10.29 Uhr eröffnete, herrschte zunächst Ruhe. Alle Anwesenden warteten auf ein Gebot. Das Startgebot lag bei 6755,91 Euro plus Sicherheitsleistung. Dann verließ der Begleiter von Udo Matuschek, der den Käufer von 2011 offenbar beriet, den Saal. Auf dem Vorplatz des Amtsgerichtes erfragte der Berater bei einem Telefonat, ob er binnen 15 Minuten einen Scheck über 30000 bis 40000 Euro zum Amtsgericht geliefert bekommen könnte.

Nach diesem Gespräch vergingen noch einige Minuten, und dann kam Bewegung in die Sache. Udo Matuschek bot zunächst 25000 Euro und erbrachte eine Sicherheitsleistung in Höhe von 27000 Euro in Form eines Schecks. Die Vertreterin der Volksbank beantragte daraufhin sofort eine erhöhte Sicherheitsleistung in einer Gesamthöhe von knapp 130000 Euro. Dieser Betrag setzt sich aus dem bisher nicht von Udo Matuschek gezahlten vollen Kaufpreis und den angefallenen Zwangsverwaltungs- und Zinskosten zusammen. Die Bank will nun mit der erhöhten Sicherheitsleistung diese offenen Kosten aus der ersten Versteigerung eintreiben.

Was dann geschah, konnte im Saal wahrscheinlich niemand verstehen. Matuschek erhöhte sein eigenes Gebot vier Mal, ohne dass es einen Gegenbieter gab. Der Begleiter des Arendseers, der während der Versteigerung mehrfach versuchte, auch die verbalen Einwürfe seines Klienten zu bremsen, intervenierte schließlich, als der Preis bei 45100 Euro angelangt war. "Es reicht jetzt. Kein Wort mehr!", forderte er von Matuschek.

Und da bis 11.01 Uhr kein weiteres Gebot einging, erhielt der Arendseer bereits zum zweiten Mal bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für das Gebäude. Ob das Gebot wirksam ist, entscheidet sich am kommenden Mittwoch, 10 Uhr. Bis dahin muss Matuschek die komplette Sicherheitsleistung aufbringen. 27000 Euro sind bereits hinterlegt, mehr als 101000 Euro noch offen. Ist das Geld am 23. April nicht da, gilt das Gebot als ungültig.

Der Käufer hält weiter an seinem Plan fest, die Arendseer Strandgaststätte mit neuem Leben zu füllen. "Sobald ich das Objekt habe, ist es in drei Tagen geöffnet", kündigte er nach der Versteigerung im Amtsgericht an.

"Das ist ein trauriger Tag für Arendsee."

Weniger optimistisch gaben sich die Stadträte Thomas Schlicke, Kurt Gabriel (Die Linke) und Hans-Georg Kempcke (Arendsee Land), die die Auktion verfolgten. "Das ist ein trauriger Tag für die touristische Entwicklung Arendsees und der Luftkurort GmbH", meinte Schlicke nach der Versteigerung und kündigte an: "Wir werden in den Fraktionen besprechen, ob rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Kommunalaufsicht möglich sind."

Diese hatte am Vortag dem Widerspruch des Arendseer Bürgermeisters Norman Klebe gegen den mehrheitlichen Ratsbeschluss zum Erwerb der Strandgaststätte stattgegeben. Der beanstandete Beschluss muss nun aufgehoben werden.

Klebe wollte zum Versteigerungsergebnis keinen Kommentar abgeben. Laut Gemeindeordnung sei sein Vorgehen richtig. Das habe nichts mit persönlichen Gründen, sondern mit Gesetzen zu tun, nach denen eine Kommune nicht wirtschaftlich tätig werden dürfe.