Salzwedel l Der Ordner von Birke Kleemann zum Projekt "Historische Anstriche im Denkmalschutz" hat einen beachtlichen Umfang angenommen. Darin hat die Projektleiterin den Fortschritt der Sanierung des Hauses an der Radestraße, in dem sich auch die Kultur-Nische befindet, ausführlich dokumentiert. "Wir haben im vergangenen Jahr zwei Langzeitarbeitslosen Zusatzqualifizierungen angeboten", erklärt Kleemann den Hintergrund zu diesem Projekt, das nächste Woche endet. Sie schränkt allerdings ein: "Wir wollten sie aber nicht als billige Arbeitskräfte missbrauchen."

Inzwischen sind zwei Räume in dem Haus saniert. Das Büro bekam einen hellblauen Anstrich. Die Küche leuchtet in hellem Weiß.

Drei Reisen zur Vorbereitung unternommen

Birke Kleemann und den anderen Mitgliedern des Vereins ist es besonders wichtig, dass die Räume denkmalschutzgerecht saniert werden. Außerdem sollten Materialien verwendet werden, die sich auch sonst in alten Häusern finden. Deshalb haben sie und die beiden Projektteilnehmer drei Bildungsreisen unternommen. Die erste ging nach Gera in das dortige Schulenburg-Haus. "Wir haben in diesem Haus viele Jugendstil-Elemente. In Gera haben wir uns angeschaut, wie diese rekonstruiert werden könnten", erklärt Kleemann.

Die zweite Reise ging zu einer Firma, die Farbe aus Naturstoffen herstellt. Die dritte Reise in das Maler- und Lackierer-Museum nach Hamburg rief besondere Begeisterung bei Birke Kleemann hervor. "Die Schablonensammlungen dort, konnten wir auch hier bei uns gut gebrauchen", meint sie. Insgesamt seien die Fahrten zwar anstrengend gewesen, "aber sie haben uns viel gebracht".

Ein Jahr Übung steckt in den beiden sanierten Räumen. Da wurden Muster für Tapetenbordüren ausgemessen, Schablonen aus Ölpapier geschnitten, ja selbst Holzbearbeitung stand auf dem Programm.

Bausubstanz besser, als es den Anschein hatte

"Wir haben für die Vorbereitungen länger gebraucht, als für den Anstrich selbst", meint Kleemann. Viele der Räume seien in einem schlimmen Zustand gewesen. "In der Küche klaffte ein großes Loch in der Decke." Die Mitglieder der Kultur-Nische hätten sogar Befürchtungen gehabt, dass Decken einsturzgefährdet sind. "Aber die Bausubstanz hält besser, als es den Anschein hatte", sagt Kleemann. Bei den Sanierungsarbeiten hatten die Vereinsmitglieder auch darauf geachtet, dass einige der alten Hausbestandteile zu sehen sind. So ist in dem Raum, der die Küche beherbergen soll, über der Tür eine große Fläche frei geblieben. Auch im Flur fanden sich bei den Bauarbeiten immer wieder kleinere Schätze, so beispielsweise ein Schild, das auf einen Dentisten hinweist. "Das wird eingerahmt und bleibt somit frei", erklärt Kleemann.

Insgesamt sind es drei Häuser, die der Verein Kultur-Nische saniert: Das Eckhaus an der Radestraße, ein weiteres an der Ecke Salzstraße/Neutorstraße und ein drittes, das "kleine Handwerkerhaus", steht genau zwischen den anderen beiden Häusern.

Pläne zur weiteren Nutzung bereits vorhanden

Pläne zur Nutzung nach der Sanierung sind in den Köpfen aller Beteiligten bereits vorhanden. Das Haus an der Salzstraße soll nach Fertigstellung eine Herberge für Fahrradtouristen werden. In das "kleine Handwerkerhaus" soll eine Keramikerin einziehen. Das Haus in der Radestraße soll später Ateliers beherbergen. "Aber bis dahin haben wir noch einen Menge Papierschlachten zu schlagen", spielt Anne-Katrin Buch, 1. Vorsitzende des Vereines, auf die erforderlichen Fördermittelanträge an.

Die Lohn- und Materialkosten für das vergangene Projekt wurden aus Mitteln des Fonds "lokales Kapital Sachsen-Anhalt" finanziert. Die Mitglieder des Vereins Kultur-Nische arbeiten ehrenamtlich in der Radestraße. "Unser Lohn ist die Freude der Leute, wenn sie hierherkommen."

Die Vereinsmitglieder treffen sich an jedem vierten Mittwoch im Monat in der Radestraße. Weitere Informationen gibt es unter www.kultur-nische-salzwedel.de