Der Traum vom schnellen Internet - für viele Einwohner der Salzwedeler Ortsteile bleibt er unerreicht. Dabei haben mehrere Unternehmen eigentlich etwas ganz anderes versprochen.

Brietz l Wenn Sebastian Blume ins Internet gehen möchte, braucht er im besten Fall Geduld. Wenn es schlecht läuft, geht gar nichts. "Fehler: Netzwerk-Zeitüberschreitung", steht dann auf dem Bildschirm im Elternhaus des 29-Jährigen im Brietzer Eichengrund. Soll heißen: Die Verbindung zum Internet ist so schlecht, dass der Rechner sie erst gar nicht erkennt.

So paradox es klingt, mit seiner "eingeschränkten" DSL-Leitung gehört Sebastian Blume noch zu den Glücklichen, die in Brietz überhaupt einen Internetanschluss nutzen können. "Zwei Häuser weiter ist Schluss", sagt der junge Mann. Grund seien die Kupferkabel der Leitungen im Boden. Sie sorgen dafür, dass am Knotenpunkt des DSL-Anschlusses einige hundert Meter entfernt noch halbwegs akzeptable Geschwindigkeiten bis zu 2 Mbit pro Sekunde erreicht werden, bei ihm aber nur noch knapp 0,4 Mbit und bei seinem Nachbarn eben ganze 0 Mbit.

Für große Hoffnung unter den Anwohnern sorgte in dieser Situation die Ankündigung der Deutschen Telekom im Februar, Salzwedel ab sofort mit schnellem Internet via LTE-Funk zu versorgen.

"Nah am Punkt, an dem gar nichts mehr geht."

Bis zu 50 Mbit pro Sekunde sollten von nun an möglich sein, hieß es damals. "Mit LTE haben wir die Möglichkeit, auch solche Orte mit schnellen Internetzugängen zu versorgen, die bisher nicht zu erreichen waren", sagte Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef des Unternehmens. Ähnliche Angebote für Haushalte in Salzwedel versprach auch das Unternehmen Vodafone. "Wir wollten auf das Angebot der Telekom einsteigen", erzählt Sebastian Blume. Doch nach einer Anfrage habe er die Auskunft bekommen, der LTE-Funk sei bei ihm leider nicht verfügbar.

Telekom-Sprecherin Stefanie Halle erklärte den Grund dafür so: Beim LTE-Funk handele es sich um ein sogenanntes Shared-Medium. "Das heißt, die Nutzer teilen sich Funkzellen, die sie mit Breitband versorgen." Ist eine bestimmte Anzahl an Kunden erreicht, so ist die Zelle voll. Auch die Topografie und Lage des Ausbaugebietes spiele dabei eine Rolle, so Halle.

Vodafone-Sprecher Dirk Ellenbeck verwies ebenfalls auf die Topografie und die begrenzte Reichweite der im Fall von Brietz mehrere Kilometer entfernten LTE-Funktürme. "In Brietz haben wir eine Auslastung von 89 Prozent, damit laufen wir an der Grenze zum Punkt, an dem gar nichts mehr geht", sagte er.

"Wir sind das Sachsen von Salzwedel."

Genau diese Bedingungen der LTE-Funkversorgung sind auch der Grund dafür, dass Sebastian Blume zuhause kein LTE empfängt, auf dem hinter dem Haus gelegenen Acker aber recht gut surfen könnte.

Acker hin oder her: Mit rascher Abhilfe können Betroffene in Brietz, aber auch in anderen Ortsteilen wie Mahlsdorf wohl nicht rechnen. Auf Nachfrage, ob die Telekom plane, zusätzliche Funkmasten zur LTE-Versorgung zu errichten, teilte Stefanie Halle nur mit: "Wir beobachten den Markt genau, wenn der Bedarf steigt, werden wir auch weiter ausbauen." Dirk Ellenbeck sagte, ein weiterer Ausbau des LTE-Netzes sei "garantiert geplant". Allerdings nicht innerhalb der nächsten drei Monate.

Für Sebastian Blume sind diese Auskünfte unbefriedigend. "Im Jahr 2000 hieß es schon, die Versorgung mit DSL wird besser". Mehrfach sei danach die Straße vorm Haus aufgerissen worden. "Da hätten Firmen längst Kabel verlegen können." Doch passiert sei nichts, sagt er.

Für die Nutzung des Internets geht Blume inzwischen lieber in seine Wohnung in Salzwedel. Anders als in Brietz brauche er dort nicht sechs Stunden, um sein Antivirus-Programm zu aktualisieren. Seine Bilanz. "Wir sind hier das Sachsen von Salzwedel." Eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht.

Bilder