Die Landschaft und die Architektur in Deutschland faszinieren - und die Eiscreme schmeckt: Im Atelierhaus Hilmsen bereiten derzeit sechs Studenten der Houston Baptist University (USA) mit ihrer Lehrerin Laura Kreft eine Ausstellung vor.

Hilmsen l Das "Amerikanische Tagebuch VI" wird am Sonntag, 15. Juni, um 15 Uhr in der Alten Münze Salzwedel geöffnet. Dann beginnt die Ausstellung, für die die amerikanischen Gäste derzeit in Hilmsen ihre Werke erschaffen. Laura Kreft, Lehrerin und Direktorin des Museums der Houston Baptist University, freut sich auf das Wiedersehen mit Deutschland. Sie arbeitet fotografisch und lässt sich vor allem von der Bauhaus-Kunst inspirieren. Neue Eindrücke gewann sie auch beim Besuch der Osterwohler Kirche. Diese sei wundervoll, schwärmt sie und fügt hinzu: "Ich habe geweint, als ich ins Innere trat."

Mit dem Fernglas auf der Suche nach dem Kuckuck

Erneut mitgebracht hat die Lehrerin den Masterstudenten Carlos Canul. Der 37-Jährige hat sich "in Deutschland verliebt". Es sei ein guter Platz, um Energie aufzutanken. Und er fügt schelmisch hinzu: "Ich suche noch nach dem Kuckuck." Den Vogel habe er bereits gehört, aber mit dem Fernglas noch nicht entdeckt. Carlos Canul beschäftigt sich mit Zeichnungen, Malerei und Druck. Er baut seine Werke aus verschiedenen Schichten auf, nimmt mal die Architektur, mal Formen aus der Natur als Grundlage.

Die anderen fünf Studenten sind Deutschland-Neulinge. Annriel Mann, die gerade ihren Bachelor-Abschluss geschafft hat, fühlt sich wohl. Denn sie sei in einer Kleinstadt aufgewachsen, an die sie die Gegend erinnere, berichtet die 25-Jährige. Die junge Frau macht Schmuck. Künstler Hans Molzberger, der die Gäste betreut, hat den Kontakt zur Goldschmiedin Renate Zahlaus in Prezier (Niedersachsen) vermittelt, die den Gast zur Kulturellen Landpartie einlud. Fast jeden Tag fährt Annriel Mann ins Wendland, um Neues zu erfahren. Derzeit lernt sie, Steine in einen Ring einzupassen. Begeistert schwärmt sie von einer "Super-Erfahrung", mit der sie nicht gerechnet habe.

Mccall Sowers, die ebenfalls ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche hat, benutzt Tinte und Acryl für ihre Zeichnungen. Sie bringt Menschen aufs Papier, die zum Beispiel im Garten arbeiten. "Hier gibt es genug Motive", berichtet die 19-Jährige, die von der Region begeistert ist und sich auf ihre erste Ausstellung freut. Die Landschaft sei wunderschön, die Architektur der Gebäude faszinierend, und auch das Essen schmecke. "Besonders die Eiscreme in Dähre", fügt sie lächelnd hinzu.

Platten für Holzschnitte aus den USA mitgebracht

Auch Roberto Celis hat es die Architektur in Deutschland angetan. Der Masterstudent ist erstaunt, wie die Häuser von außen gestaltet sind. Alles sei durchdacht, berichtet der 28-Jährige, dessen Steckenpferd Skulpturen sind. In Hilmsen "baut" er Instrumente: keine zum Spielen, sondern als Kunstwerke, die er mit der Bauhaus-Idee zusammenbringen möchte. Angeregt worden sei er dazu durch eine außergewöhnliche Musikaufführung in Berlin.

Die Platten für seine Holzschnitte hat sich Jeremian Macha aus den USA mitgebracht. Auf einer will er die Eindrücke aus Salzwedel und Hilmsen verarbeiten, auf der anderen die aus Berlin. "Die Schönheit der Landschaft hat meine Erwartungen übertroffen. Ich mag alles in Deutschland", sagt der 20-jährige Masterstudent. Und er fügt hinzu: "Der Geschmack des Essens hier ist besser als zu Hause."

Lesley Anne Walker nutzt den Aufenthalt für das Anfertigen von Skizzen, die sie in Houston in große Drucke umsetzen möchte. Sie arbeite mit verschiedenen Papieren, nutzt aber auch Blütenblätter und Objekte, die Teil der Landschaft seien, erklärt die 26-jährige Masterstudentin. Hier sei es viel länger hell und ruhiger als in der Sechs-Millionen-Stadt Houston, findet sie.

Neben dem Arbeiten für die Ausstellung bleibt etwas Zeit, mehr über Deutschland zu erfahren. So stehen Besuche des Bauhauses Dessau und der Moritzburg Halle noch bevor.