Widerstand gegen die Staatsgewalt soll ein 29-Jähriger aus Langenapel geleistet haben. Er war bereits per schriftlichem Strafbefehl zu 50Tagessätzen à 30 Euro verurteilt worden. Den Widerspruch dagegen nahm er gestern nach einer zählen Verhandlung zurück. Es handelte sich um ein Mitglied der Familie, auf deren Grundstück in Henningen 80 Hunde sichergestellt worden waren.

Salzwedel l Er erzählte eine Geschichte, die haarsträubend klingt. Eine Geschichte, bei der man den Glauben an die Polizei und Vertreter von Behörden verlieren könnte. Es sei kein Widerstand gegen die Staatsgewalt, den er geleistet habe, als von dem Grundstück seiner Familie in Henningen im Juni 2013 mehr als 20 Hunde beschlagnahmt wurden, versicherte gestern ein 29-Jähriger vor dem Amtsgericht in Salzwedel. Ganz im Gegenteil: Er habe versucht sich zu schützen, vor dem brutalen Handeln der Polizisten am Einsatzort. Immer wieder habe ihm einer der Beamten Schläge ins Gesicht verpasst, drei Stunden hätten ihn die Beamten auf dem Bauch liegen lassen - in brütender Hitze mit gefesselten Händen - und ihn beleidigt. Eine Serie von Fotos, die die Schwester des Angeklagten geschossen hatte, zeigt wie der 29-Jährige von gleich mehreren Beamten festgenommen wurde. Doch auch diesbezüglich sei getrickst worden, lautete der Vorwurf des Angeklagten. Es seien einfach Bilder gelöscht worden, in denen das Ausmaß deutlich geworden wäre. Seinen Bruder hätten Mitarbeiter des Altmarkkreises als geistigbehinderten Krüppel beschimpft. "Es wurde alles verdreht und umgedreht", beteuerte der gelernte Kfz-Mechatroniker, der inzwischen in Hamburg lebt, gestern vor Richter Klaus Hüttermann.

Kein Wunder, dass der Verteidiger des privatinsolventen Kurierfahrers angesichts der Schilderungen darauf drängte, das Verfahren abzukürzen und einzustellen - also sämtliche Zeugen, die vorgeladen worden waren, ungehört nach Hause zu schicken. Denn ihm sei es lediglich darum gegangen, sein Eigentum zu schützen. Deshalb habe er sich gewehrt. Sein Eigentum seien sechs Hunde gewesen, die er angeblich nur vorübergehend auf dem Gelände untergebracht hätte.

An den Papieren, mit denen er die Hunde als sein Eigentum ausweisen wollte, hätten die Veterinäre vor einem Jahr kein Interesse gezeigt. Und ob er damit durchgekommen wäre, ist ungewiss. Denn die vermeintlichen Dokumente sind von der "Allianz der Tempelhüter" ausgestellt worden, einem Verein in Kalbe. Und wie sich gestern herausstellte, handelte es sich dabei lediglich um Zuchtpapiere.

Der Bitte des Verteidigers, das Verfahren einzustellen, kam Klaus Hüttermann nicht nach. Er wollte mindestens eine Gegendarstellung hören - von der Amtsärztin, die den Einsatz mitgemacht hatte. Nachdem sie gehört worden war, zeichnete sich bereits ein anderes Bild. Danach sei es der Angeklagte gewesen, der aufgebracht reagiert, Beamte und Behörden-Mitarbeiter beschimpft und bedroht hätte, aufgeputscht und angetrieben von seiner Schwester.

Auch jenen Polizisten, dem der Angeklagte die schwersten Vorwürfe gemacht hätte, ließ Hüttermann noch zu Wort kommen. Der beschrieb den Angeklagten als extrem aggressiv, verbal sei zu ihm kein Durchkommen mehr gewesen. Die Frage, warum er nicht auch einen Strafantrag gestellt habe, beantwortete der Polizist resigniert: "Das bringt eh nichts." Er sei nicht verletzt worden und habe es deshalb dabei belassen.

Ein weiterer Tierarzt bestätigte die Aussagen der vorherigen Zeugen und beschrieb die Vorgänge noch wesentlich detaillierter. Schließlich beantragten Angeklagter und Verteidiger eine weitere Unterbrechung. Und dann die Erlösung: Der Angeklagte nahm seinen Widerspruch zurück.

Eines allerdings wird von der Verhandlung im Gedächtnis bleiben: Auf die Frage, ob er auch den Angeklagten beleidigt habe, antwortete der Polizist nicht, sondern machte von seinem Recht gebrauch, zu schweigen, wenn er sich mit einer Aussage selbst belasten würde.