Mehr als 150 Fälle von vermissten Personen hat das Salzwedeler Polizeirevier seit Jahresbeginn bis zum 31. August registriert. Auch wenn die meisten Personen nach kurzer Zeit wieder auftauchen; die jeweiligen Gründe für ein Verschwinden sind unterschiedlich.

Salzwedel l Nein, so richtig spektakuläre Fälle, die beispielsweise in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" mit Schauspielern nachgestellt und gezeigt werden, die hat Frank Semisch, Pressesprecher des Salzwedeler Polizeireviers, nicht aufzuweisen. Vielmehr sind die meisten Vermisstenfälle im Altmarkkreis Salzwedel alles andere als schlagzeilenträchtig. "Der Aufwand aber, der in die Ermittlungsarbeit gesteckt wird, ist immens", verrät Semisch.

Seit Jahresbeginn wurden dem Revier der Hansestadt 153 Fälle gemeldet. Fälle, in denen Angehörige, Mütter, Väter oder Verantwortliche Kinder (bis 14 Jahre), Jugendliche (14 bis 18 Jahren), junge Erwachsene oder Menschen, die älter als 65 Jahre waren, als vermisst meldeten. Bei etwas mehr als zwei Drittel aller Fälle handelt es sich um Kinder (38) und Jugendliche (76). "Manche von ihnen sind bereits mehrfach ausgerissen", berichtet Semisch. Beispielsweise ein 13-Jähriger, der achtmal abgehauen war oder ein 17-Jähriger, der immerhin sechsmal als vermisst gemeldet wurde.

Einsatzaufwand erhöht sich bei Gefährdung

Den traurigen "Rekord" allerdings hält ein 15-jähriges Mädchen, das bislang elfmal auf der bundesweiten Fahndungsliste der Polizei erschienen ist. Die meisten Vermissten tauchten allerdings nach relativ kurzer Zeit wieder auf. Wird eine Person vermisst, dann kommt Bewegung in den Polizeiapparat. Angehörige werden befragt und die Beamten ermitteln im Umfeld des Vermissten.

Geprüft wird von den Ermittlern auch, ob das Leben des Gesuchten möglicherweise in Gefahr ist. Sei es durch eine Bedrohung oder weil der Vermisste wegen einer Krankheit auf Medikamente angewiesen ist. In diesen Fällen werden die polizeilichen Maßnahmen erweitert - von der Anforderung zusätzlicher Beamter in der Fahndung, die bundesweit ausgeschrieben wird, bis hin zum Einsatz von Hubschraubern, Handyortung oder Wärmebildkameras. "Welche Mittel letztlich verwendet werden, das wird in jedem Fall einzeln entschieden", berichtet Polizeisprecher Frank Semisch.

Auch die Öffentlichkeitsfahndung mit Foto ist ein Instrument, das bei der Suche nach vermissten Menschen eingesetzt werden kann. "Dazu muss jedoch ein Verantwortlicher, der dazu befugt ist, seine Zustimmung geben", sagt Semisch. Und mit Blick auf die unterschiedlichen polizeilichen Maßnahmen sei Ziel allen Handelns, "Schaden von Personen abzuwenden".

Viele Informationen erleichtern die Suche

Die Suche der Polizei erleichtern könnten Eltern und Verantwortliche, wenn sie so konkrete Angaben wie möglich zur vermissten Person machen können. Dazu gehört laut Semisch nicht nur die Kleidung, die zuletzt getragen wurde, sondern wichtig seien auch Informationen zum Freundeskreis oder den Lieblingsorten des Vermissten. Bei kleineren Kindern wäre es wünschenswert, wenn Name und Adresse in der Kleidung eingenäht wären. Größere Kinder sollten in der Lage sein, Name und Anschrift nennen zu können.

Älteren Menschen mit Gedächtnislücken oder einer Demenzerkrankung rät Semisch, immer entsprechende Dokumente mitzuführen. Darauf sollten auch die Angehörigen achten. Denn Gefahren für Leib und Leben bestünden auch bei Orientierungslosigkeit.

Liebeskummer, Probleme in der Schule oder im Elternhaus - die Gründe, warum Kinder und Jugendliche Reißaus nehmen, sind vielfältig. Auch das Sich-nicht-einordnen-wollen oder das Fehlen persönlicher Bindungen können dazu führen, dass sich Kinder und Jugendliche aus dem Staub machen.

Vertrauensvoller Umgang ist wichtig

Deshalb sei es immens wichtig, dass innerhalb der Familie viel gesprochen und vertrauensvoll miteinander umgegangen wird. Denn "in intakten Beziehungen kommt es seltener vor, dass Kinder und Jugendliche weglaufen", berichtet der Salzwedeler Polizeisprecher im Gespräch mit der Volksstimme. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht.