Markgraf Otto I. schenkte den Schwestern des Benediktinerordens Heiligabend 1183 das Arendseer Kloster. Laut Schenkungsurkunde zeigte sich der Adlige erst ein Jahr später großzügig. Doch zu diesem Zeitpunkt war er bereits tot. Ursache sind die verschiedenen Kalender zu jener Zeit.

Arendsee l Im Mittelalter wurden von den wohlhabenden Landesherren oft, um das ewige Heil zu gewinnen, ganze Dörfer und Ländereien an die Kirche verschenkt. So geschah es auch am 24. Dezember 1183 in Arendsee, als der Markgraf von Brandenburg, Otto I., den Schwestern des Benediktinerordens ein Kloster mit zahlreichen Ländereien schenkte.

Den zwischen 1127 und 1131 geborenen ältesten Sohn des großen Markgrafen Albrechts des Bären fiel die Aufgabe zu, die Ländereien seines Vaters zu mehren und vor allem zu sichern. Durch geschickte Diplomatie gelang es ihm zum Beispiel, sein Haus aus dem Streit der askanischen Fürsten mit Kaiser Friedrich um das Plötzkauer Erbe herauszuhalten. Auch die von seinem Vater veranlasste Hochzeit mit der polnischen Prinzessin Judith, einer Tochter von König Boleslaw III. Krzywousty, sollte sich später als politisch und militärisch sehr nützlich erweisen. Judith schenkte ihm zwei Söhne, Otto und Heinrich. Sie starb wahrscheinlich 1172.

Die Gegend um Arendsee war zu dieser Zeit hauptsächlich von Slawen bewohnt. Otto I. benötigte daher im Arend-seer Raum einen Ausgangspunkt für seine abschließende Christianisierung der Slawen. Wahrscheinlich sind es der Fleiß und die Verlässlichkeit des Benediktinerordens gewesen, die Otto I. veranlassten, das Arendseer Kloster ihnen, im Gegensatz zu seinen Klostergründungen im ostelbischen Raum, wo er "neue" Orden bevorzugte, zu überlassen.

Klostergründung für das Seelenheil

Natürlich verfolgte Markgraf Otto I. auch ganz private Ziele mit der Klostergründung in Arendsee. Er war 1183 bereits mehr als 50 Jahre alt und musste entsprechend der damaligen religiösen Vorstellungen an sein Seelenheil denken. Die Gründung eines zweiten Klosters - zuvor gründete er nur 1180 das Hauskloster der ottonischen Linie der Askanier, das Zisterzienserkloster in Lehnin - war dafür besonders verdienstvoll und das Weihnachtsfest der geeignete Zeitpunkt dafür.

Mit dieser Schenkung hat Markgraf Otto I. den Arend-seern ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht, an dem sie sich noch heute zusammen mit vielen tausend Gästen erfreuen. Doch wie meistens im Leben, hat auch diese Sache einen kleinen Haken. Nur wenige Arendseer wissen, dass im Mittelalter verschiedene Daten für den Jahresanfang, je nach Landstrich, Gültigkeit hatten. Nämlich der 1. Januar, 1. März, 25. März, Ostern, 1. September und den 25. Dezember. In der nördlichen Altmark war das alte Jahr am 24. Dezember zu Ende, und mit der Geburt Christi am 25. Dezember begann das neue Jahr. So kommt auch das Gründungsdatum Weihnachten 1184 auf die Stiftungsurkunde.

Durch den Wechsel des Neujahrstages auf den 1. Januar gab es dann die Verwirrungen um 1183 oder 1184, da der 25. Dezember 1184 dem heutigen 25. Dezember 1183 entspricht. Dies ist historisch wichtig, weil der Klostergründer Markgraf Otto der I. von Brandenburg nachweisbar bereits am 7. März 1184 starb. Er hätte deshalb nicht der Klostergründer sein können.

Durch die Schenkungsurkunde, die heute nicht mehr im Original vorhanden ist, wird nach derzeitiger Sicht der Historiker nicht nur der Ort Arendsee das erste Mal urkundlich erwähnt, sondern auch die einst slawischen Orte Schrampe und Zießau. Weiterhin werden in dem Schriftstück Binde und Kaulitz ebenfalls erstmals genannt.

 

Bilder