2004 hat der letzte reguläre Zug den Bahnhof Ritze verlassen. Das Empfangsgebäude kann seitdem ungestört vor sich hinrotten und verliert langsam aber sich den Kampf gegen den Regen.

Ritze l Es ist ein grauer Spätherbsttag. Als ich von meinem Auto zum alten Bahnhofsgebäude von Ritze gehe, rundet leichter Regen das triste Bild ab. Das Haus sieht sehr mitgenommen aus. Auf der Ostseite des Daches fehlen unzählige Dachziegel und der Putz der Außenwand hat sich großflächig gelöst. 2004 fuhr der letzte reguläre Zug von Salzwedel nach Arendsee und passierte dabei den Bahnhof, dessen äußerer Verfall bereits ins Auge sticht.

Im Inneren ist der Anblick noch verheerender. Der Fußboden im Erdgeschoss ist mit Glasscherben übersät. Komplette Fensterrahmen und Holztüren liegen auf der Erde wie auch in den Zimmern in den oberen Etagen des Gebäudes. Im Bahnhofskeller herrscht Gruselatmosphäre. Die Decke des großen Raumes am Ende des Korridors ist mit hunderten Insekten überzogen - wahrscheinlich Mücken.

Wieder im Erdgeschoss angelangt, gehe ich in den östlichen Teil des Gebäudes, an die Stelle, an der das Dach undicht ist. Dort ist zu sehen, welche zerstörerische Kraft Wasser auf ein Gebäude hat. Die Dielenböden des ersten und zweiten Obergeschosses sind mit den Lehm-decken komplett nach unten gerauscht. Durch das undichte Dach tropft weiter Wasser.

Das Treppenhaus, welches in die oberen Stockwerke und auf den Dachboden führt, befindet sich genau auf der anderen Gebäudeseite. In der ersten und zweiten Etage befanden sich einst Wohnungen. Die Glasfenster der großen hölzernen Wohnungstüren sind gesplittert. Die Feuchtigkeit, die sich im gesamten Gebäude ausgebreitet hat, hat in den Räumen die Tapeten abgelöst. Die meisten der Kachelöfen, die früher für wohlige Wärme in den Zimmern sorgten, liegen zertrümmert auf dem Fußboden.

Regen spült Löcher in den Dachboden

Die letzten Stufen des Treppenhauses, die auf den Dachboden führen, sind gefährlich. Denn auch auf der Westseite des Gebäudes gibt es kleine Schadstellen im Dach, durch die das Wasser drückt und stetig das Holz mürbe macht, bis es völlig zersetzt ist. Eine Treppenstufe ist bereits völlig verschwunden, hat sich scheinbar in Luft aufgelöst. Auf dem Dachboden gibt es weitere kleinere Löcher im Boden, die der Regen ausgehöhlt hat. 10, 20, 30 Jahre ... irgendwann wird die Natur den ehemaligen Ritzer Bahnhof in die Knie zwingen, wenn sich niemand findet, der dieses alte Gebäude erhalten möchte.

Mehr Bilder gibt es unter www.volksstimme.de/bahnhofritze15.

   

Bilder

 

Bahnhof Ritze: Der letzte Zug ist abgefahren

Ritze. Durch das undichte Dach drückt der Regen in den ehemaligen Ritzer Bahnhof. Das Wasser macht dem Gebäude schwer zu schaffen und lässt es zu einer Ruine verkommen.