Salzwedel | Der gebürtige Salzwedeler Jan Bredack wurde von der Tierschutzorganisation PETA zur Person des Jahres gewählt. Volksstimme-Redakteur Fabian Laaß sprach mit dem Gründer der veganen Supermarktkette "Veganz" über sein Burnout, die Beziehung zur Hansestadt und seine weiteren Pläne.

Volksstimme: Wie kam es zur Idee, eine vegane Supermarktkette ins Leben zu rufen?
Jan Bredack: Ich lebe selbst vegan und bin auf der täglichen Suche nach Nahrung verzweifelt, weil die Produkte nicht ausreichend deklariert sind und rein pflanzliche Produkte nur vereinzelt in den Biomärkten, Reformhäusern, Onlineshops angeboten werden.

Wie lange leben Sie denn schon vegan und wie kam es dazu?
Ich lebe selbst seit sechs Jahren vegan. Auslöser war ein Burnout, durch das ich mein ganzes Leben umgekrempelt habe. Unter anderem habe ich auch eine neue Frau kennengelernt, die seit 13 Jahren vegetarisch gelebt hat und die mich inspiriert hat, überhaupt über meine Ernährung nachzudenken.

Vor Ihrem Burnout waren Sie Technischer Direktor bei Daimler. Jetzt leiten Sie eine Supermarktkette. Haben Sie keine Angst, mit der neuen Aufgabe wieder in Richtung Burnout zu steuern?
Ganz klar nein. Bei Daimler habe ich meine Energie gegeben, um Karriere zu machen und mehr beziehungsweise weitere Machtsymbole zu erreichen, die mit jedem Karriereschritt verbunden waren. Wenn diese geliehene Macht, symbolisiert durch Gehalt, Anzahl der Mitarbeiter, Budgets, Größe des Dienstwagens und des Büros versiegen oder weggenommen werden, ist man gefährdet für ein Burnout, weil man versucht, seine Position zu erhalten. Heute arbeite ich nicht für Geld oder eine Karriere, sondern investiere meine Energie in meine Vision. Ich möchte die vegane Lebensweise möglichst vielen Menschen zugänglich machen.

Wie hat sich Ihr Leben seit dem Burnout verändert? Was machen Sie jetzt anders als früher?
Ich lebe heute und bin Teil einer Gemeinschaft, in die ich mich aktiv einbringe und durch die ich sehr viel Zuspruch erfahre. Früher war ich ein egoistischer Einzelkämpfer, der nur auf seinen Vorteil bedacht war und in diesem Sinne taktiert hat, um immer weiterzukommen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nie mehr von Geld abhängig sein wollen. Lässt sich das überhaupt mit der Leitung eines Unternehmens vereinen?
Leider nicht. Ich bin gerade jetzt im täglichen Kampf um Liquidität in großer Abhängigkeit vom Geld, welches aber ausschließlich in unsere Firma investiert wird.

Sie sind gebürtiger Salzwedeler. Haben Sie noch Kontakt in ihre Geburtsstadt? Sind sie in der Altmark aufgewachsen?
Ich bin mit 14 Monaten aus Salzwedel weggezogen und habe seitdem wenig Kontakte dorthin. Einzig einer meiner Lieferanten hat seit einiger Zeit seinen Firmensitz in Klötze und deshalb war ich ab und an mal wieder in der Altmark.

Noch in diesem Jahr soll das Filialnetz europaweit auf 21 ausgebaut werden. Gibt es Bestrebungen, eine Veganz-Filiale in Sachsen-Anhalt zu eröffnen? Gibt es vielleicht schon konkrete Pläne?
Nein, wir werden in naher Zukunft keine Filiale in Sachsen-Anhalt eröffnen. Aber einen Teil unseres Sortiments kann man perspektivisch auch im Lebensmitteleinzelhandel kaufen.

Veganz hat unter Veganer nicht nur Freunde. Einige fürchten, dass ihnen mit den Supermärkten ein Teil der Protestkultur genommen wird. Wie sehen Sie das?
Ja, dem ist leider so. Einige wenige haben noch nicht verstanden, dass man durch eine "Anti"-Haltung und aggressive Aktionen in der Regel auch auf Ablehnung stößt und sich aus der Gesellschaft ausgrenzt. Wir grenzen niemanden aus und laden alle, egal ob Fleischesser, Vegetarier, Flexitarier, ein, durch unser Sortiment und unsere Produkte zu stöbern.