Seit Jahren ist das Abwassernetz in Henningen marode. Nach Angaben von Anwohnern flossen wiederholt Fäkalien in einen Graben. Der Salzwedeler Wasserverband (VKWA) kennt das Problem. Die Sanierung des Netzes steht trotzdem in den Sternen.

Henningen l Es war an Himmelfahrt 2013, als wieder einmal das Abwasser in den Straßen Henningens stand. "Ich musste damals die Fäkalien einsammeln", erinnerte sich Anwohner Bodo Pommerenke sichtbar verärgert während der Sitzung des Henninger Ortschaftsrates. Ein zu Hilfe gerufener Mitarbeiter des Verbands für kommunale Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (VKWA) habe ihn damals gefragt, was er eigentlich für ein Problem hätte, berichtete Pommerenke. Zwar habe der VKWA danach das für die Havarie verantwortliche Leck geschlossen. Am Grundproblem des maroden Abwassernetzes im Ort änderte das aber nichts.

Der Zustand der Rohre ist seit Jahren ein Ärgernis für die Einwohner Henningens. Das mehr als 40 Jahre alte Netz, vielfach aus Asbest, sei inzwischen vermutlich an mehreren Stellen durchlässig, vermutet Ortsbürgermeisterin Christel Schneppel. Die Folge: Immer wieder steht in den Neubauten des Ortes das Abwasser in den Kellern. Und am Grundstück von Bodo Pommerenke seien wiederholt ungeklärte Fäkalien in einen öffentlichen Graben geflossen. Dem VKWA sei das Problem seit mindestens drei Jahren bekannt, sagt Christel Schneppel. Schon mehrfach habe es Ortstermine auch mit VKWA-Geschäftsführer Jens Schütte gegeben. Doch geschehen sei wenig.

VKWA bestätigt Lecks nicht

Schütte bestätigte gestern auf Nachfrage, der VKWA wisse vom Zustand des Abwassernetzes. Es gebe "Schwachpunkte", die mit der Verwendung ungeeigneter Materialien und mangelnder Qualität bei der Verlegung des Netzes zu DDR-Zeiten zusammenhingen. Die vermuteten Lecks im Leitungssystem bestätigte Schütte aber nicht. Bei den von den Anwohnern geschilderten Ereignissen handele es sich vielmehr um Rückstauerscheinungen. Ungeklärtes Abwasser sei dabei seines Wissens nicht in öffentliche Gewässer gelangt. Zugleich machte Schütte wenig Hoffnung auf Besserung.

1,7 Millionen Euro-Projekt

Zwar habe der VKWA ein Konzept beim Landkreis eingereicht, das unter anderem die Sanierung des Henninger Abwassernetzes vorsieht. Doch erstens sei das Konzept bislang nicht genehmigt worden. Zweitens mache der Verband Sanierungsarbeiten von Straßenbauvorhaben abhängig. Und drittens würde der VKWA Fördermittel für das 1,7 Millionen Euro teure Projekt beantragen wollen. Die Erneuerung des Henninger Abwassernetzes steht damit in den Sternen.

Bodo Pommerenke ist mit dieser Auskunft nicht zufrieden: "Es geht nicht, dass Abwasser in ein öffentliches Gewässer fließt", stellt er fest. Und er verweist auf die hohen Maßstäbe, die der VKWA in seiner Satzung für die Abwasserbeseitigung für Privatleute vorgibt. Da heißt es etwa: "Der Grundstückseigentümer hat Betriebsstörungen oder Mängel am Anschlusskanal sofort nach Bekanntwerden mitzuteilen." Privatleute müssten Altanlagen beim Anschluss ans Abwassernetz zudem binnen drei Monaten auf eigene Kosten herrichten. "Der VKWA muss es dann doch auch schaffen, sein Netz innerhalb von drei Jahren mal zu reparieren", sagt Pommerenke.

 

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