Salzwedel (mhd) l Viele Tränen flossen bei der Verhandlung gegen eine 44-jährige Frau aus Salzwedel, die sich am Dienstag wegen Betruges vor dem Salzwedeler Amtsgericht verantworten musste. Die Staatsanwältin warf der Angeklagten vor, am 21. August 2012 einen Vertrag mit dem Bezahlfernsehsender Sky abgeschlossen zu haben, obwohl sie sich das nicht leisten konnte.

Strafrichter Klaus Hüttermann erklärte nach Verlesung der Anklageschrift: "Ich weiß nicht, ob ihr Lebensgefährte neben ihnen sitzen müsste", und schickte den Partner dann vor die Tür. Die 44-Jährige gab sofort zu, dass sie das Abo abgeschlossen habe. "Ich kann ihnen das nicht erklären. Ich habe einiges im Leben durchgemacht", sagte die Salzwedelerin zum Richter.

Eine Sachverständige bestätigte in einem Gutachten, das aus Rücksichtnahme auf die Frau hinter verschlossener Tür verlesen wurde, dass die Angeklagte schwere psychische Probleme habe. Die Expertin erklärte, dass die 44-Jährige ohne Blick in die Zukunft handele und dazu tendiere, Fehler zu verdrängen. Die Angeklagte könne auch nicht Konsequenzen ziehen und die Dinge wieder in Ordnung bringen. Deshalb konnte die Sachverständige nicht ausschließen, dass die Frau nur eingeschränkt schuldfähig ist.

So sahen es auch Richter und Staatsanwältin und stimmten darin überein, dass ein offenes Verfahren am Dienstag mit verhandelt werden sollte, um einen Schlussstrich zu ziehen. Die Angeklagte hat nämlich im Mai 2014 auf einen Schlag 21 Mützen im Wert von mehr als 1000 Euro bei einem Internethändler bestellt. In beiden Anklagepunkten sprach Klaus Hüttermann die Frau frei, weil er Zweifel an der Schuldfähigkeit sah. "Wenn Sie ärztliche Hilfe annehmen, haben wir die Chance, dass Sie auf den rechten Weg kommen. Es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, Sie müssen kämpfen", wandte sich der Strafrichter an die Frau, die sich in Behandlung befindet und weiter alles für ihre Genesung tun will.