Salzwedel l Die Kraftfahrzeugzulassungsstelle im Landratsamt ist ein Ort, an dem die Geduld oft auf eine harte Probe gestellt wird. Daran habe auch das System des Nummernziehens nicht viel geändert, räumte gestern der zuständige Dezernent Hans Thiele ein. Vielmehr hat es für Nebeneinnahmen findiger Klein-Geschäftemacher gesorgt. Sie ziehen Nummern für einen Termin mit den Sachbearbeitern, obwohl sie keineswegs ein Fahrzeug zulassen wollen. Verkaufen die Nummern aber an Leute, die statt eine mehrstündige Wartezeit auf sich zu nehmen, lieber zwischen 3,50 und 5 Euro ausgeben wollen, berichtet der Dezernent.

Vornehmlich spielten sich die "Geschäfte" auf der Raucherinsel ab. Sie zu unterbinden sei nicht einfach. Die Online-Terminvergabe, die seit heute offiziell möglich ist, soll dem unseriösen Treiben den Nährboden entziehen und die lange Warterei überflüssig machen. Gestern stellte Thiele gemeinsam mit der Chefin der Zulassungsstelle Heidi Wüstenhagen und Sachbearbeiterin Carola Plank die Möglichkeit vor, zuhause am Rechner Termine zu vereinbaren. Das gilt nur für "Otto-Normal-Bürger". Geschäftsleute haben bereits ein eigenes Internet-Portal für die Fahrzeugzulassung.

Zehn Tage ist das System getestet worden und hat sich bewährt, wie Carola Plank berichtet. Sie koordiniert die Online-Terminvergabe und zieht gegebenenfalls weitere Sachbearbeiter hinzu. Die Bürger können sich so beispielsweise bereits am Sonnabend, wenn sie ein neues Fahrzeug erworben haben, für die kommende Woche zu den Öffnungszeiten der Zulassungsstelle einen Termin aussuchen, der ihnen passt.

Entlastung erhofft

Der Dezernent erhofft sich damit eine erhebliche Entlastung für die Mitarbeiter und die Fahrzeughalter. "Wir haben ein Riesenproblem", gesteht er ein. Das bestehe darin, dass der Strom der Kunden nicht zu lenken sei. "Entweder kommt gar keiner oder alle gleichzeitig", erklärt er. Als "Großkampftage" für die Kfz-Zulassungsstelle hätten sich in jüngerer Zeit der Donnerstag und der Freitag herauskristallisiert. Besonders freitags, wenn nur bis Mittag geöffnet ist, gebe es großen Frust, wenn die Mitarbeiter den Wartenden erklären müssten, dass sie nicht mehr dran kommen, weil zu viele Nummer gezogen worden sind. "Wenn da kurz vor Freitagmittag noch 30 bis 40 Leute auf dem Flur warten, ist das für die Sachbearbeiter eine wahnsinnige Belastung", erklärt er.

Mit dem neuen Online-System soll sich das ändern. Die Handhabung ist relativ einfach. Der Nutzer muss über www.altmarkkreis-salzwedel.de die Homepage des Kreises aufrufen und das Portal für Bürger anwählen. Dort ist unter "Was erledige ich wo" die Kfz-Zulassung aufgeführt und der Anmeldebutton eingerichtet (siehe Infokasten). Er funktioniert wie ein Kalender, bei dem per Mausklick der jeweilige Tag und die noch freie Zeit ausgewählt werden können. Dabei müssen wenige persönliche Daten angegeben werden und es gehört eine Bestätigung dazu, dass der Kunde damit einverstanden ist. Anschließend kann er sich seinen Termin als Erinnerung ausdrucken. "Wenn er dann in die Zulassungsstelle kommt wird er zu der vereinbarten Zeit mit seinem Namen aufgerufen", berichtet Carola Plank. Die Termine werden im Viertel-Stunden-Takt vergeben. "Bislang hat das gereicht, in Ausnahmefällen kann es etwas länger dauern", erklärt die Sachbearbeiterin.

Durchschnittlich 120 Vorgänge pro Tag werden in der Zulassungsstelle bearbeitet. Wobei sich die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge im Kreis kaum erhöht hat. "Aber es ist reichlich Bewegung im vorhandenen Bestand", schätzt Thiele ein. Jetzt im Frühling ist besonders viel los, denn da werden die Motorräder aus dem "Winterschlaf" geholt.