Seit die Arche Net Vision die Verträge zum 31. März kündigte, haben Hunderte Einwohner der Einheitsgemeinde Arendsee keinen Internetanschluss mehr. Die Stadt verhandelt zwar mit anderen Anbietern, aber ohne Erfolg. Helmut Scharfe aus Dessau ist verärgert.

Dessau l "Es kann doch nicht sein, dass wir mitten in Deutschland und im 21. Jahrhundert von der Außenwelt abgeschnitten sind", machte er im Gespräch mit der Volksstimme seinem Ärger Luft. Wenn er den Internetbrowser auf seinem Laptop aufrufe, passiere nichts. Wenn es einmal klappe mit der Verbindung, dauere es ewig, bis sich eine Seite hochlade. Meistens komme die Fehlermeldung.

Ihm war wie vielen anderen in seiner Nachbarschaft Anfang März das Kündigungsschreiben der Arche Net Vision ins Haus geflattert. "In dem Brief teilte mir der Insolvenzverwalter der Firma mit, dass er nicht in den Vertrag zwischen der Arche Net Vision und mir eintrete und deshalb das W-DSL-Netz in Arendsee eingestellt werde", so Scharfe. Der bisher genutzte Server stehe somit ab 1. April nicht mehr zur Verfügung.

"Und so kam es auch und ist es noch heute", machte Scharfe seine Situation deutlich. Er musste auch die verliehene Hardware zurückschicken. "Die gekaufte Fritzbox blieb mir, aber ich konnte sie nicht mehr einsetzen, sie war nutzlos", so Scharfe. Dafür habe er nach seiner Beschwerde eine 50-prozentige Entschädigung aus Kulanz, wie der Insolvenz-verwalter betonte, erhalten.

Stadt verhandelt mit Insolvenzverwalter

Seine Verhandlungen mit der Telekom ergaben, dass diese ihm eine LTE-Verbindung angeboten habe. "Aber die Sendemasten stehen zu weit weg - in Lückstedt, Kerkau und Messdorf", bemängelte der Dessauer. Deshalb sei der Empfang so schlecht. Zirka 100 Telefonate habe er seither mit der Telekom geführt. "Die Aussage des Technikers war, dass ein weiterer Breitbandausbau hier nicht vorgesehen sei."

Der Satellitenfunkanschluss komme für ihn nicht in Frage - mit Kosten von zirka 500 Euro allein für Hardware.

Es sei ihm unverständlich, dass die Arche Net Vision 2011/12 für den Leitungsaufbau rund 300 000 Euro Fördermittel erhielt, und nach drei Jahren alles umsonst war. "Die Kündigungen waren auch nur in unserem Bereich aktuell, anderswo ist die Firma noch aktiv."

"Wir sind am Verhandeln mit dem Insolvenzverwalter", war von Arendsees Bürgermeister Norman Klebe zum Problem zu erfahren. Es sei ein zähes Ringen. Verhandlungen liefen auch mit der Telekom und Vodafone. "Bisher sind wir aber noch nicht weitergekommen."

Eine Antwort auf die Volksstimme-Anfrage blieb die Telekom gestern schuldig.

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