Salzwedel. Bis vor 37 Jahren galten sie als das Traumpaar unter den ostdeutschen Schlagerstars. Dann 1974, nach sieben Ehejahren, die Scheidung und ein jeder ging seine Wege. Am Sonntag standen die Beiden nun wieder zusammen auf der Bühne. Als sich der Vorhang im ausverkauften Kulturhaus öffnete, wurde zunächst Frank Schöbel von 450 Fans begeistert empfangen.

In Jeans und kurzer Jacke machte der einstige Sunnyboy des DDR-Showgeschäfts den Eindruck, als sei die Zeit spurlos an ihm vorübergegangen. Für Schöbel scheint die 68 nur eine Zahl zu sein, aber nicht sein Alter.

Mit dem Titel "Hautnah", gleichlautend mit seiner Tour, begrüßte er sein Publikum. "Es wäre schön, wenn Sie ein bisschen näher an der Bühne sitzen könnten, denn die Tour heißt ja Hautnah", forderte er das Publikum auf und ermunterte, "kommt ruhig näher, vor der Bühne kann auch getanzt werden. Und wer fotografieren möchte - immer zu." Noch einmal gab es stürmischen Beifall, als Chris Doerk singend die Bühne betrat. "Summertime", sang sie "war die Zeit unserer Liebe. Doch nach einigen Sommern war die Liebe vorbei."

Sie seien nun fast geschwisterlich, erzählte Frank Schöbel und gemeinsam kramten sie in ihren Erinnerungen.

Es sind Erinnerungen die sich nicht nur Doerk und Schöbel teilen, auch das Publikum hat diese Zeit miterlebt und kann sich ebenfalls gut zurückbesinnen. Doerk und Schöbel drehen die Uhr um über vier Jahrzehnte zurück und plaudern mit dem Publikum über vergangene Zeiten. Ihre gemeinsame Zeit beim Erich-Weinert-Ensemble der NVA - Schöbel als Soldat und Doerk als Zivilangestellte. Das "Mädchen vor dem Kasernentor" war ein Titel, den er nicht singen mochte und boykottierte. Dieses brachte ihm zwei Tage Gefängnis ein. Als Schöbel den Titel am Sonntag vortrug, konnte das Publikum sein Handeln von damals gut verstehen. Kategorie: Lieder, die die Welt nicht braucht. "Heißer Sommer", der Musikfilm von 1967, durfte den meisten Gästen im Saal noch gut im Gedächtnis haften geblieben sein. Der gleichnamige Song wurde klatschend begleitet. Zahlreiche Fanpost flatterte dem jungen Paar damals ins Haus. Überwiegend von Mädels, erinnerte sich Chris Doerk: "Die waren doch alle scharf auf dich." Nach so vielen Jahren darf man die alten Briefe auch schon mal vortragen, dachte sich auch Frank und verlas einige Auszüge. "Er sei ja nun richtig popolär," schrieb ein Fan und ein Mädel fragte an "Bekomme ich ein Foto von Ihnen?" "Ich wollte ihr ein Röntgenbild senden, habe es aber dann gelassen", gab Schöbel augenzwinkernd zum Besten. Zwischen den kleinen Plauderpassagen gab es immer wieder die alten Songs zu hören. "Ich geh vom Nordpol zum Südpol zu Fuß" war ein Muss. Und beim Lied "Wie ein Stern" flammten sogar vereinzelt die Feuerzeuge auf. Dieser Titel sei auch das Ticket in den Westen gewesen, erzählte er. Auftritte in "Studio B" gab es, und er war sogar mit James Last und Orchester auf der Bühne.

"Ja, so war das damals", fuhr er fort "der Osten hat produziert und der Westen dirigiert." Zum Ende des zweistündigen Konzertes wagten sich doch noch einige Fans vor die Bühne und klatschten und tanzten zu dem neuesten Titel "Du bist ein Teil meines Lebens". Mit lang anhaltendem stürmischen Beifall verabschiedeten sich die Fans von ihren Stars.

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