Atomindustrie und CCS-Technologie sind am Sonnabend in Salzwedel symbolisch zu Grabe getragen worden. Zum Schluss einer friedlichen Demonstration mit rund 100 Teilnehmern auf dem Bahnhofsvorplatz legten vier schwarzgekleidete Frauen vor dem E.ON-Avacon-Sitz einen Kranz nieder. Die Aktion war eingebettet in das Bundestreffen der Bürgerinitiativen, die gegen die unterirdische Kohlendioxid-Verpressung mobil machen.

Salzwedel. Mit ideenreich ausstaffierten Treckern, Lastern und Pkw startete eine Fahrzeugkarawane am Sonnabendmorgen in Kaulitz. Nicht zum Karneval, der Anlass war im wahrsten Sinne des Wortes "todernst": Die Teilnehmer wollten nach den Ereignissen im japanischen Fukushima öffentlichkeitswirksam für einen Ausstieg aus der Atomkraft werben und gleichzeitig vor einer ihrer Meinung nach kaum risikoloseren Alternative warnen: die CCS-Technologie und die damit verbundene unterirdische CO2-Verpressung. Nach einer Kundge- bung an der CO2-Versuchsanlage in Maxdorf am Nachmittag zog die Karawane weiter nach Salzwedel. Das Ziel: der Verwaltungssitz von E.ON-Avacon. Denn die Konzernmutter E.ON ist neben RWE, Vattenfall und EnBW einer der vier Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland.

Lothar Lehmann von der BI "Kein CO2-Endlager Altmark" appellierte an die Menschen, ihre Energiezukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Ein Beispiel für die effektive Nutzung erneuerbarer Energie lieferte ein alter Robur-Laster, auf dessen Ladefläche riesige Boxen standen, aus denen Gute-Laune-Musik tönte - die Energie lieferte ein ebenfalls installiertes Solarpanel, dessen Einspeisung an diesem Tag kein Wölkchen trübte. Die Demonstration gipfelte in einen Trauermarsch. Vier junge Frauen in Schwarz, die die Witwen der vier Atomkonzerne in Deutschland symbolisierten, legten einen Kranz vor dem E.ON-Avacon-Gebäude nieder. Anschließend entledigten sie sich ihrer Trauerkleidung und begannen, fröhlich zu tanzen. Die plötzliche Wandlung entlockte auch dem einen oder anderen Bereitschaftspolizisten, der das Haus des Energieversorgers abriegelte, ein Schmunzeln.

Die Anti-Atom-Karawane war Teil des Bundestreffens von vier CCS-Bürgeriniativen aus Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt am Wochenende in Salzwedel. Während der zweitägigen Tagung tauschten die Umweltaktivisten ihre Erfahrungen aus und regten sich für die Fortführung und Intensivierung ihrer Arbeit an. "Der vermutlich beschleunigte Ausstieg aus der Atomenergie darf nicht dazu führen, dass die Kohleverstromung mit CCS als Alternative gesehen wird", heißt es in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Dass Kohle als Alternative zur Nuklearenergie ernsthaft von der Politik in Erwägung gezogen wird, hatte Sachsen-Anhalts designierter Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erst jüngst publiziert.

Die Bürgerinitiativen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Erkenntnis vieler wissenschaftlicher Gremien zu verbreiten, dass die Atomtechnik bereits 2020 durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien vollständig ersetzt werden könnte. Mit der Resolution werden alle Bundestagsabgeordneten aufgefordert, ein Verbotsgesetz zur CO2-Verpressung zu verabschieden. Die politischen Entscheidungsträger auf Landesebene sollen sich gegen die CCS-Technologie positionieren. Des Weiteren dürfe die EU keine Fristverlängerung für die für CCS bereitgestellten Fördermittel zulassen. Diese Gelder sollten stattdessen dafür verwendet werden, dass Deutschland seine Vorreiterrolle bei den regenerativen Energien weiter ausbauen kann.

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