Abbendorf. 50 Kilogramm Futter frisst eine Kuh im Schnitt am Tag. Im Sommer sind es bis zu 100 Liter Wasser, die sie säuft. Das erfuhren gestern die 16 Drittklässler aus der Grundschule Dr. Georg Schulze Diesdorf, die den Sachkundeunterricht in den Kuhstall der Agrarerzeugergenossenschaft Abbendorf e.G. verlegten. Dort empfing sie Geschäftsführer Ronald Jacobs.

Der Landwirt stellte fest, dass die Mädchen und Jungen schon sehr viel wussten. Das sei auf das gute Material zurückzuführen, das die Klasse vom Kreisbauernverband erhalten hat, entgegnete Klassenlehrerin Hannelore Niemeyer. Sie war mit den Drittklässlern und der pädagogischen Mitarbeiterin Manuela Fischer von der Schule nach Abbendorf gewandert.

"Um ein Kilogramm Milch zu produzieren, müssen 500 Liter Blut durch das Euter zirkulieren", sagte Ronald Jacobs. Das sei für die Tiere Hochleistungssport. Er führte die Besucher in den Boxenlaufstall, der 2009 gebaut wurde. Darin stehen die Kühe, die gemolken werden. "Unsere Tiere geben im Schnitt 30 Kilogramm Milch pro Tag. Die Spitzenleistung einer Kuh hat sogar 70 Kilogramm am Tag betragen", informierte der Landwirt. Die älteste Kuh sei übrigens im Jahr 2000 geboren und habe bislang knapp 100 000 Kilogramm Milch gegeben. Täglich würden um die 7400 Kilogramm Milch aus Abbendorf abgeholt, die dann in eine Molkerei nach Bad Berka im Süden Sachsen-Anhalts gefahren werden.

Damit sich das gesunde Produkt hält, müsse es heruntergekühlt werden. "Auf 6,4 Grad Celsius", erklärte Ronald Jacobs. Die Abwärme werde für die Heißwasserproduktion genutzt.

Die Kühe werden einmal am Tag gefüttert. Im neuen Stall haben sie viel Bewegungsfreiheit, Platz zum Schlafen und sogar einen Massagesalon, sagte der Landwirt. Das Massieren rege die Durchblutung an und steigere leicht die Milchmenge. Für die Tiere sei der Sommer übrigens schlimmer als der Winter. "Ab 20 Grad Celsius beginnt für sie der Hitzestress. Da ist es wichtig, dass sie immer genügend Wasser zum Saufen haben", sagte er.

Noch interessanter wurde es bei den Kälbern, die gleich an den Fingern der Drittklässler nuckelten. Die ersten zwölf Stunden nach der Geburt seien lebensentscheidend, denn die Kleinen würden ohne Abwehrkräfte geboren. Diese würden sie erst über die Muttermilch aufbauen können. In Abbendorf seien die Kühe im Schnitt 26 Monate alt, wenn sie ihre ersten Kälber zur Welt bringen.

Die Kinder durften auch in die "Küche" schauen. Dort werden Grund- und Kraftfutter gemischt. Aber auch der "Energietrunk" stehe bereit: Glycerin, ein Abfallprodukt aus der Rapsherstellung. "Wir versuchen, alles zu verarbeiten, damit sich der Kreislauf schließt", berichtete Ronald Jacobs. Salz sei ebenfalls wichtig für den Stoffwechsel der Kühe.

Im Melkstall gebe es derzeit 2x12 Melkplätze. Ein Durchlauf dauere 3,5 Stunden. Das sei zu lang. "Wir wollen demnächst einen neuen Melkstall bauen. Dann könnt Ihr gern wieder kommen", lud der Geschäftsführer die Grundschüler zu einem erneuten Besuch ein.

Bevor sich die Kinder verabschiedeten und auf dem Rückweg noch Osterüberraschungen entdeckten, durften sie sich mit Käse und Fruchtmilch stärken. Diese Produkte hatte die Molkerei spendiert.

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