Zum 1. Juli wird in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt. Damit entfällt für die jungen Männer auch die Pflicht, gegebenenfalls einen Wehrersatzdienst wie Zivildienst oder ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. Das trifft auch für die ehrenamtlichen Helfer im Zivil- und Katastrophenschutz des Altmarkkreises zu. Am Sonnabend bekamen die jungen Feuerwehrmänner und Sanitäter ihre Entlassungsurkunden - teilweise einige Jahre, bevor die eigentliche Ausbildung beendet ist.

Salzwedel. "Eine Ära geht zu Ende", sagte Hans Thiele, Ordnungsdezernent für Katastrophenschutz während der Übergabe der Urkunden an die letzten freiwilligen Teilnehmer der Katastrophenschutzausbildung am Sonnabend. Diese Ausbildung, als Ersatz zum Wehrdienst, absolvierten im Altmarkkreis zuletzt 34 junge Männer, zwei davon als Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Klötze. Die anderen waren in ihren jeweiligen Ortswehren angesiedelt und nahmen zusätzlich an der sogenannten Katastrophenschutz- ausbildung teil. In den vergangenen Jahren hätten sich immer mehr Männer dazu entschieden einen anderen Weg, als den zur Bundeswehr einzuschlagen: "Die Zahlen der Teilnehmer an der Katastrophenschutzausbildung haben zugenommen. In manchen Jahren hatten wir bis zu 50 Auszubildende", erinnerte sich Thiele.

Die Verpflichtungszeit für diesen Wehrersatzdienst betrug zuletzt, nach der ersten Reform der Wehrpflichtzeit, vier Jahre. Im Unterschied zum Zivil- oder Grundwehrdienst konnte man aber sein gewohntes Leben weiterführen, da sich die Verpflichtung auf ein festgelegtes Mindeststundenpensum pro Jahr beschränkte.

Das war auch für den 23-jährigen Matthias Duhm aus Salzwedel ein Grund, sich dafür zu entscheiden: "Es ist eine richtig gute Alternative, denn man wird nicht aus dem Alltag herausgerisssen. Vor allem habe ich die Kameradschaft schätzen gelernt. Auch das ist ein Grund, warum ich der Feuerwehr treu bleibe", sagte er. Matthias Duhm ist im zweiten Zug der Salzwedeler Stadtwehr. Seine eigentliche Wehrersatzzeit läuft bis Anfang 2014. Aber "heute haben die Männer ihren letzten Tag, da das baldige Ende der Wehrpflicht auch hier zugeschlagen hat", begründete Thiede. "Viele müssten eigentlich noch einige Jahre absolvieren. Bei 90 Prozent bin ich mir sicher, dass sie diese Zeit im Rahmen der Freiwilligkeit zu Ende bringen", meinte Thiele optimistisch. Dass die jungen Männer auch nach dem Ende der Katastrophenschutzausbildung bei ihren Wehren bleiben, sich dort engagieren und bereits Gelerntes anwenden, das erhofft sich auch Klaus Gabriel, Sachbearbeiter für Katastrophenschutz.

"Irgendwann fehlt uns der Nachwuchs"

In 20 Jahren Katastrophenschutzausbildung als Wehrersatzdienst hat Gabriel gemeinsam mit Sven Jelonek von der Salzwedeler Wehr Feuerwehrmänner und Sanitäter ausgebildet. Viele von ihnen sind auch jetzt noch in den Ortswehren tätig. "Aber irgendwann fehlt uns der Nachwuchs. In den ersten Jahren wird sich das noch nicht bemerkbar machen. Danach müssen die Feuerwehren aktiv werden, selbst ausbilden - ganz freiwillig und selbstverständlich", so Klaus Gabriel.

Die Katastrophenschutzausbildung in Salzwedel umfasste mehrere Bereiche: Hochwasserschutz, Waldbrand, Bergen aus Höhen und Tiefen, Sanitätsausbildung und Evakuierung standen für die Teilnehmer auf dem Plan. Diese Ausbildung lief parallel zur zweijährigen Grundausbildung bei der Feuerwehr oder beim Deutschen Roten Kreuz und wurde danach fortgesetzt.

Hans Thiele gab den jungen Männern noch etwas mit auf den Weg: "Steht zu eurer Verpflichtung gegenüber der Feuerwehr und werdet zukünftige Führungskräfte. Ihr könnt das schaffen."