Der Bismarckturm bei Calbe ist für rund 240 000 Euro saniert worden. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch glücklich macht Rudolf Kramer die Verjüngungskur des steinernen Wahrzeichens nicht. Der 71-Jährige schüttelt über manche Maßnahme den Kopf und will nun sein Engagement zurückfahren.

Calbe l Am erfreulichen Fakt, dass durch das Leader-Förderprogramm und städtische Eigenmittel Sachsen-Anhalts höchster Bismarckturm in den Genuss einer dringend notwendigen Sanierung gekommen ist, will Rudolf Kramer nicht rütteln. Seit vielen Jahren hängt sein Herzblut an Calbes steinernem Wahrzeichen, das hoch auf dem Wartenberg thront.

"In der Gedenkhalle wurde kein Handschlag gemacht. So kann man sie nicht eröffnen."

Die gesamten Fugen der Außenmauer des Turms wurden mit Spezialmörtel versehen (Volksstimme berichtete). "Das war wichtig und richtig", meint Kramer. Doch nachdem er mit dem großen Schlüsselbund die Tür zur Gedenkhalle am Fuß des Turms geöffnet hat, legt sich seine Stirn in Falten. Der Stadtrat zeigt auf die Wand an der Wetterseite des Turms, die deutliche Nässespuren aufweist. Erst vor kurzem aufgebrachte Farbe blättert an vielen Stellen ab. "An dieser Halle, in der sich Besucher über den Turm und die Region informieren, wurde kein Handschlag gemacht", beklagt Kramer, der sich von der Stadtverwaltung nicht einbezogen fühlt.

Ein Beispiel dafür seien die Informationstafeln zu verschiedenen Themengebieten, die einst von Calbensern selbst gestaltet und mit Hilfe von Unternehmen hergestellt wurden. Vor dem Winter werden sie zum Schutz vor der Witterung im Rathaus eingelagert. Als im Juni die Saale das Rathaus flutete, standen die Tafeln ebenfalls im Wasser. "Ein kurzer Anruf hätte doch genügt und die Tafeln wären jetzt noch brauchbar."

2004 wurde die Gedenkhalle anlässlich des 100. Turmgeburtstages neu gestaltet. Seit Mai 2007 ziert ein Denkmal den Sockel im Inneren. Mittlerweile bedeckt eine dünne Schicht an Gesteinsstaub das Innere. Der Schmutz gelangt in die Gedenkhalle, da eine Abdeckung zur besseren Belüftung entfernt wurde. "Auch vorher war eine Lüftung möglich, da die Platte so angebracht war, dass eine Luftzirkulation gewährleistet war aber der Dreck nicht reinrieseln konnte."

Bei der Sanierung wurden alle Fenster von außen mit einem verzinkten Rahmen samt Regenschutzjalousien versehen. "Die Fenster auf der Wetterseite hätten gereicht", meint Kramer. Jetzt sei es an bewölkten Tagen durch alle verschlossenen Fenster so dunkel im Turm, dass man eine Taschenlampe brauche oder eine Beleuchtung installieren müsse, meint er. "Ich habe einfach die Nase voll." Der 71-Jährige kritisiert, dass er in Bauberatungen nicht mit einbezogen wurde. "Schließlich kenne ich den Turm auch ein bisschen."

Nach der Winterpause wird der Turm gewöhnlich am 1. Mai für Besucher wieder eröffnet. Rudolf Kramer kündigt jedenfalls an, sein Engagement für den Bismarckturm deutlich zurückfahren. "Es gibt noch viel zu tun, aber ohne mich."

   

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