Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Calbe hat am Sonnabend seine Türen geöffnet und Neugierige pilgerten in Scharen durch die Räume. Es dauerte nicht lang, bis sich junge Schüler und auch Eltern von der Begeisterung der Schilleraner anstecken ließen.

Calbe l Es ist eine kluge Entscheidung der Saalestadt gewesen, im vergangenen Jahr den großen Parkplatz neben der Heger-Sporthalle zu bauen. Am Sonnabendvormittag war er voll belegt. Grund- und Sekundarschüler strömten bei klirrender Kälte mit Eltern und Großeltern ebenso in das wohlig warme Gymnasium wie Ehemalige. Schulleiterin Marlies Fischer begrüßte sie in der altehrwürdigen Aula. Der Gospelchor, die Instrumentalgruppe sowie die Arbeitsgemeinschaft Tanz stimmten die Gäste auf den interessanten Vormittag ein.

Bei einem anschließenden Rundgang standen den zahlreichen Besuchern die Türen weit offen, auch im übertragenen Sinn. An jeder Stelle luden sie Schüler und Lehrer herzlich ein, das reiche Angebot des Schillergymnasiums kennenzulernen. Und das hat es wahrlich in sich, denn: Seit mehr als zehn Jahren ist es eine Bildungseinrichtung mit Ganztagesangebot. Dabei haben Fünft- bis Zwölftklässler zahlreiche Möglichkeiten, sich neben der Pflicht im Unterricht je nach Interessenlage in der Kür in Ganztagesangeboten zu verwirklichen. In beide Bereiche gaben die Schilleraner gern einen Einblick.

Im Erdgeschoss luden die Mädchen und Jungen der Theatergruppe nach einer witzigen Aschenputtel-Parodie die Besucher zum Mitmachen ein. Lange mussten die Fünft- und Sechstklässler nicht dafür werben. Für ein darstellendes Spiel fanden sich gleich junge Protagonisten aus dem Publikum. "Es geht einfach darum, seine Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken und über den eigenen Schatten zu springen", sagt Deutsch- und Geschichtslehrerin Anke Rohde, die vom Bernburger Carolinum-Gymnasium nach Calbe kam. Hier übernahm sie mit Herzblut von Susanne Pichottky die Leitung der Gruppe. "16 Schülerinnen und Schüler sind wir bisher und es macht uns jede Menge Spaß", sagt Anke Rohde. Und wer junge Darsteller wie Noel Knopf sah, wusste was sie meinte.

Ein neues Projekt hat Lehrerin Petra Klemm mit einem Nähkurs aus der Taufe gehoben. Jeden Mittwoch treffen sich nach dem Unterricht fünf Schülerinnen, die mit Schneiderschere, Nähmaschine, Nadel und Faden nach eigenen Entwürfen Kissen, Taschen und später auch einfache Kleidungsstücke selbst herstellen. "Stoffreste bringen wir mit oder bekommen etwas gespendet", sagt Klemm. Sie ist optimistisch, dass sich auch Jungen dafür interessieren. Erste Interessenten gebe es bereits.

In den Fachräumen der Naturwissenschaften stellte nicht nur Physiklehrer Eberhard Blätke die jungen Besucher auf die Probe und ließ den Elektromagnetismus gegen die Muskelkraft antreten. Auch die Geografie, Biologie, Mathematik und Chemie kam mit Experimenten nicht zu kurz. Der Kunstunterricht präsentierte sich hingegen mit einer Druckwerkstatt. Die Fremdsprachen Russisch, Französisch und Latein testeten auch bei den Erwachsenen das Wissen. Im Raum 107, wo üblicherweise der Stadtrat kontrovers diskutiert, schlugen Besucher an verschiedenen Instrumenten eher sanftere Töne an. Wer leckere Stärkung suchte, fand sie im Schülercafé, das von der Schülerfirma "picnic" betreut wird.

"Mir gefällt es hier sehr gut", resümiert André Brautsch von der Schönebecker Oskar-Kämmer-Schule. Der Siebtklässler liebäugelt mit einem Wechsel nach Calbe. Der gute Ruf des Schillergymnasiums ist seit langem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Kein Wunder, dass die Schülerzahlen erneut auf nunmehr 587 Mädchen und Jungen gestiegen sind. Eine erfreuliche Entwicklung, durch die der Bestand der Schule aus heutiger Sicht langfristig gesichert ist. Auch Schulleiterin Marlies Fischer war mit dem Tag sehr zufrieden, auch wenn etwas Wehmut mitschwang: Am kommenden Freitag wird sie offiziell verabschiedet.

   

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