Musikmachen mit Kontinuität: Seit zehn Jahren gibt es den Singkreis im "Haus Luise". 15 Frauen halten aktuell montags in großer Runde unter der Leitung von Renate Kohns ihre Stimmen fit.

Schönebeck l Ein Gläschen Sekt zum Anstoßen, das darf zum zehnten Geburtstag ruhig sein. "Aber nicht, dass Sie denken, das ist hier immer so", sagt Renate Kohns, die als Leiterin und Gründerin das "Geburtstagskind" ganz genau kennt: Es ist der Singkreis im "Haus Luise". Seit dem 19. Januar 2004 trifft sich regelmäßig Montagvormittag eine Schar Singebegeisterter im "Haus Luise", um ihre Stimmen wach zu halten und in der Gemeinschaft zu musizieren.

Den Sekt, den Frank Schiwek vom Allgemeinen Behindertenverband zum Gratulieren serviert, brauchen die 15 Damen des Singkreises beileibe nicht. Ihre Stimmen sind "geölt". Ein intensives Einsingetraining samt Atemübung steht am Anfang jeder Probe und sorgt für den richtigen Sitz des Klangorgangs, bevor die Liedermappen aufgeschlagen werden. Allein das zeigt, wie ernst Sängerinnen und Dirigentin die Übezeit nehmen. Gemeinschaft und Geselligkeit ja, aber auch viel Ernsthaftigkeit. Auch wenn Renate Kohns sich eigentlich ganz bescheiden gibt, geht es um ihre kleine Musiziergesellschaft. "Nein, ein Chor im eigentlichen Sinne sind wir nicht. Wir treffen uns, um zu singen." Die Frauen haben sich dabei einem Genre ganz und gar verschrieben, dem Volkslied. Renate Kohns weiß das genau zu begründen. "Mir liegt sehr viel daran, das deutsche Volkslied zu pflegen, denn es ist ein Teil unseres kulturellen Erbes." Leider, so die Musikpädagogin, gehe dieser Schatz mehr und mehr verloren. Immer weniger wüssten noch um die traditionellen Melodien und Texte. Dabei habe schon der Komponist Robert Schumann die Devise vertreten, so die Leiterin, dass Volkslieder "eine Fundgrube der schönsten Melodien" seien und den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen öffnen. Im "Haus Luise" erklingen deshalb gerne Texte und Melodien von "Am Brunnen vor dem Tore", von "Auf auf zum fröhlichen Jagen" oder von "Das Wandern ist des Müllers Lust".

Dazu sucht Renate Kohns auch anderes Repertoire. Dabei bezieht sich auf Jahreszeittypisches oder auf international bekannte Lieder, manchmal mehrstimmig "Zur Tradition ist geworden, dass wir jede Probe mit einem irischen Segenslied abschließen. Sein Text: Und bis wir uns wieder sehen, möge Gott seine schützende Hand über dich halten. Ein schöner Ausdruck für den Zusammenhalt. Und der war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Renate Kohns leitete viele Jahre die Elbeclub-Lerchen. Als die städtische Seniorenbegegnungsstätte schließen musste, zog man in das "Haus Luise" um. Und wurde mit offenen Armen empfangen. "Hier gab es den Wunsch und die Nachfrage nach gemeinsamem Singen", sagt Frank Schiwek. Bereits bei der zweiten Probe habe es viel Resonanz gegeben, bis heute ungebrochen. Dabei ist die Dirigentin gar nicht traurig darum, dass keine Männer mitsingen, der Klang der Frauenstimmen verschmelze gerade sehr schön.

Auf den Klang, auf Melodie und Textverständlichkeit, auch ein bisschen musikalische Gestaltung legt Renate Kohns viel Wert und hält es da wieder mit Schumann, der empfahl, im Chor zu singen, um "musikalisch" zu sein. "Denn dieses Musikalische hat mit Auffassungsgabe zu tun, und die ist in allen Lebenslagen gut", meint Renate Kohns. Und wenn es doch mal zu schwelgerisch wird, bremst die Musikpädagogin die Sängerinnen auch mal aus, "sonst wird es Klamotte", ruft sie lächelnd vom E-Piano aus. Und das lässt Renate Kohns selbst beim "Geburtstagssingen" nicht durchgehen.

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