Ein Glaubenskurs hat jetzt in der Kirchgemeinde Brumby begonnen. Pfarrer Gottfried Eggebrecht erklärt Volksstimme-Redakteurin Franziska Richter, was es damit auf sich hat.

Volksstimme: Was ist so ein Glaubenskurs überhaupt?

Gottfried Eggebrecht: Im Grundkurs geht es um die Kirche und den christlichen Glauben, was auch zum Allgemeinwissen gehört. Dieses Wissen soll helfen, Kirche und christlichen Glauben besser zu verstehen. Schüler können dieses Wissen in den Fächern Religion und Ethik erlangen. Der Generation davor war dies nicht möglich. Der Sinn hinter dem Kurs ist also: Nur wenn ich etwas kenne, kann ich es auch beurteilen. Deswegen kann man auch in kritischer Distanz daran teilnehmen. Der Grundkurs kann aber auch ein erster Einstieg zur Teilnahme am Gemeindeleben sein. Für Gemeindemitglieder ist er eine Auffrischung des Konfirmandenwissens.

Volksstimme: Am Mittwoch fand der erste Kursabend zum Thema "Die Feste des Kirchenjahres" statt. Wie war es?

Gottfried Eggebrecht: Ingesamt fünf Frauen waren dabei, die noch weitere Interessenten mitbringen wollen. Darunter war nur eine Frau, die getauft ist. In unserer gemütlichen Runde sind noch weitere willkommen. Am Mittwoch haben wir uns erst einmal kennengelernt. Ich habe mit dem Kirchenjahr und Festen wie Weihnachten angefangen, die jeder kennt. In den Festen der Christen spiegeln sich ja alle menschlichen Empfindungen und Situationen wieder, von der Trauer bis zur frohen Feier.

"Denken Sie, dass man den Glauben lernen kann?"

Volksstimme: Denken Sie, dass man den Glauben lernen kann?

Gottfried Eggebrecht: Nein, den Glauben kann man nicht lernen. Glaube ist ein Geschenk. Glauben bedeutet Vertrauen. Glauben heißt nicht, dass ich etwas vermute, was ich nicht weiß. Meinen Konfirmanden sage ich immer: Wenn ich sage, ich glaube, dass es heute schneit, vermute ich das. Wenn ich sage, ich vertraue meinen Eltern, ist das Vertrauen. Christen vertrauen in Gott. Dieses Vertrauen muss einem geschenkt werden.

Volksstimme: Wie kann man den Glauben beschreiben? Was ist das für ein Lebensgefühl?

Gottfried Eggebrecht: Wenn ich glaube, dann vertraue ich in Gott. Ich weiß, er führt mich und leitet mich, mag da kommen was will.

Volksstimme: Gebe ich da nicht ein Stück der Verantwortung über mein eigenes Leben ab, indem ich meine, da ist jemand, der mich leitet?

Gottfried Eggebrecht: Ganz im Gegenteil. Wenn ich weiß, dass mein Leben aus Gottes Hand kommt und er es mir geschenkt hat, bin ich für dieses große Geschenk verantwortlich. Das stärkt mich in meiner Verantwortung für mich selbst und alles um mich herum.

"Hilft der Glaube jenen, die nach einem Sinn im Leben suchen?"

Volksstimme: Viele Menschen fühlen sich heute verloren und suchen nach einem Sinn im Leben. Hilft da der Glaube?

Gottfried Eggebrecht: Ja, genau da setzt der Glaube an: Mein Leben hat einen Sinn. Mein Leben ist kein Zufall. Gott hat mich gewollt. Er hat mir gewisse Fähigkeiten und Aufgaben gegeben. Deswegen kann ich aus meinen Fähigkeiten erlesen, welche Aufgaben ich in dieser Welt wahrnehmen kann. Aber diese Weltanschauung müssen Kirchenfremde natürlich erst verinnerlichen, das braucht seine Zeit. Auch dafür ist so ein Glaubenskurs da.

Volksstimme: Wer kann an dem Kurs teilnehmen?

Gottfried Eggebrecht: Natürlich kann jeder kommen, der Interesse hat, die Inhalte des christlichen Glaubens etwas näher kennenzulernen: Getaufte wie Ungetaufte, Jüngere wie Ältere, Christen wie Nichtchristen, Brumbyer wie Menschen aus der Umgebung. Besonders richtet sich das Angebot an Menschen, die der Kirche noch nicht so nahe stehen. Aber auch Gemeindemitglieder sind gern gesehen. Denn eine bunte Mischung macht die Gespräche noch interessanter. Auf keinen Fall sind Vorkenntnisse erforderlich.

Volksstimme: Welche Verpflichtung gehe ich ein?

Gottfried Eggebrecht: Keine. Es ist sozusagen ein "Schnupperkurs". Einige angemeldete Teilnehmer haben zwar bereits signalisiert, dass sie als Erwachsene getauft werden möchten, denn die Teilnahme berechtigt zur Erwachsenentaufe mit der Verleihung aller kirchlichen Rechte wie kirchliche Trauung, Übernahme eines Patenamtes, Teilnahme am Abendmahl und Wahlrecht. Aber die Taufe wird am Schluss nicht erwartet.