In wenigen Tagen tritt Bert Knoblauch seine neue berufliche Herausforderung an. Ab Freitag ist er als Schönebecks Oberbürgermeister in Amt und Würden. Die Volksstimme hat ihn und seine Familie im Vorfeld daheim besucht.

Schönebeck l Frühstück in Familie gegen 9 Uhr: In den Ferien ist das auch mal wochentags möglich. Doch Johannes (17), Gregor (13) und Tilman (10) sind noch nicht so redselig. Anfangs. Der Jüngste der Knoblauch-Familienbande taut schnell auf. "Mama und Papa haben gewettet", sagt er mit verschmitztem Lächeln und freut sich, dass ich neugierig nachfrage. "Wenn Papa Oberbürgermeister wird, geht Mama in die Wasserwehr. Denn Papa wird ja dann nicht mehr so viel Zeit haben", erklärt Tilman. Wehrleiter Dirk Lindner kann sich also über weibliche Verstärkung freuen.

Bert und Sabine Knoblauch ist anzumerken, dass sie es genießen, mit ihren Söhnen in aller Ruhe zu frühstücken. Das ähnele schon einem perfekten Sonnabendmorgen: spät und ausgiebig bei Brötchen, Müsli, Milch und Kaffee in den Tag starten. Meist geht das Wochenende bei den Knoblauchs dann sportlich weiter. Die Jungs sind alle aktiv: Johannes, der gerade sein Abitur macht, kickt beim Schönebecker Sportclub im Mittelfeld. Gregor ist Handballer durch und durch, trainiert in Glinde und besucht das Sportgymnasium Magdeburg. "Das hat er sich selbst so ausgesucht", betont Bert Knoblauch.

"Anwalt möchte jedenfalls keiner werden"

Tilman steht beim Schönebecker Sportclub bei der E-Fußball-Jugend im Tor. Darauf angesprochen, ob sie denn schon wissen, was sie später wollen werden, sagt Tilman sofort: "Mutti möchte, dass wir Medizin studieren." Aha! Sabine Knoblauch schmunzelt ihre Männer an. "Anwalt möchte jedenfalls keiner werden", stellt Bert Knoblauch, der 13 Jahre als Rechtsanwalt in Schönebeck gearbeitet hat, ernüchternd fest.

Sabine Knoblauch ist wie ihr Mittelster handballbegeistert. Allerdings eher von der Zuschauerseite aus, sie geht gern zu den Spielen vom Sportclub Magdeburg. Ansonsten liest die 41-jährige Physiotherapeutin gern Krimis, wirbelt im Garten - und davon gibt es am Haus viel und zudem noch eine Parzelle in einem Kleingartenverein - und ist "Taxifahrer für die Kinder".

Bert Knoblauch ist gespannt auf die Zeit, die nun kommt. "Da ist ganz viel Freude", sagt er, angesprochen auf die derzeitige Gefühlslage. Jetzt sei er schon in viele städtische Themen involviert, habe aber zudem noch einiges in der Kanzlei zu erledigen. In wenigen Tagen wird sich der 41-Jährige nur noch auf eines von den beiden Feldern konzentrieren müssen. Dann sei alles geordnet und "es ist schön, dass ich dann endlich als Stadtchef anfangen kann." Gepackt, was er ins Oberbürgermeister-Büro mitnehmen will, ist noch nichts, räumt er ein. Doch im gleichen Atemzug steht er auf, sagt "Obwohl, eines muss mit", verschwindet aus der Küche und kommt mit einem Etui wieder. Darin ein Schreibset. Füller und Kugelschreiber sind versehen mit dem Schriftzug "Oberbürgermeister Bert Knoblauch" - ein Geschenk von Kerstin und Roland Schulz. "Das finde ich sehr schön", so das neue Stadtoberhaupt. Und natürlich darf in seinem neuen Amtszimmer ein Foto seiner Familie nicht fehlen. "Sabine hat schon gesagt, wir müssen das wichtigste mal zusammenpacken...", räumt er ein. Die letzten Tage vor dem Amtsantritt seien schon aufregend, da ist sich die Familie einig.

"Schön, wenn Zeit zum Angeln und Fußballspielen bleibt"

Seine Sabine ist seit 1991 an seiner Seite. Sie haben sich bei der Berufsausbildung mit Abitur, Facharbeiter für Tierproduktion, kennen und lieben gelernt. Sie hat den gebürtigen Diesdorfer (Altmark) nach Schönebeck "geholt". Mit der Wende war die Landwirtschaft im Umbruch. Und er hat 1992 begonnen, in Leipzig Rechtswissenschaften zu studieren. "Holger Stahlknecht war damals drei Jahre mein Theorie-Ausbilder bei der Staatsanwaltschaft", erinnert sich Bert Knoblauch, der erst beim Neujahrsempfang der Mittelstandsvereinigung mit dem Innenminister über diese Zeit geplaudert hat.

Sein Beruf werde ihm als Oberbürgermeister zugute kommen, davon ist Bert Knoblauch überzeugt: "Ich denke, dass ich mein juristisches Wissen gut anwenden kann." Er ist und war sehr gerne Anwalt, hat sich "einen ganz guten Stand geschaffen". "Daher ist es auf der einen Seite schon schade, damit jetzt abschließen zu müssen. Aber so ist das Leben, alles verändert sich."

Ob sich das Leben verändern könnte, dafür hatte Sabine Knoblauch zwei Monate Bedenkzeit. Sie hat sich entschieden, ihren Mann voll und ganz zu unterstützen. Die Wahlkampfwochen seien ex-trem gewesen, keine Zeit für ein Familienleben. Wie es jetzt weiterhin sein wird, müsse man abwarten. Wie viel Zeit für Familie und all den vielen Hobbys von Bert Knoblauch - Fußball, Karneval, Angeln... - bleibt, wird sich zeigen. "Es wäre schön, wenn noch ab und zu Zeit bleibt zum Angeln und Fußballspielen", sagt der neue Oberbürgermeister vorsichtig. Das fänden auch Sabine und Johannes toll, denn auch sie haben einen Angelschein.

Naturverbunden ist Familie Knoblauch eh. Sie lieben das Angeln, sie lieben den Wald - davon zeugt ein Forstkalender in der Küche -, sie wissen heimischen Honig zu schätzen. Ein Glas, das ihm sein Vater, selbst Imker, mitgebracht hat, darf natürlich deshalb auf dem Frühstückstisch nicht fehlen.