Schönebeck l Es gibt die Mär, dass die Renieser einst sämtlichem Gefieder im Ort den Garaus gemacht haben, als Napoleon mit seinen Truppen durch hiesige Gefilde gezogen ist. Die Leute in dem kleinen Flecken wollten verhindern, dass Hühner und Enten durch ihr Gegacker und Geschnatter die Soldaten des Feldherrn direkt in den Ort locken. Denn damit wären vielerlei Entbehrungen verbunden gewesen. Ob sich diese Überlieferung wirklich so zugetragen hat, ist heutzutage kaum mehr nachzuvollziehen. Doch die Frauen aus dem Singkreis des Hauses Luise erzählen von dieser Überlieferung bei der Stadtrundfahrt durch die ostelbischen Orte Ranies, Pretzien und Plötzky. Und versetzen damit sogar "Reiseleiter" Frank Schiwek ins Staunen.

"Die Orte sind immer eine Reise wert."

Es ist genau dieser Austausch von Geschichte und Geschichten, den der ehrenamtliche Geschäftsführer des Allgemeinen Behindertenvereins Sachsen-Anhalt (Abisa) liebt und der hinter den Stadtrundfahrten steht, die von der Aktionsgruppe Pro SBK mit maßgeblicher Unterstützung des Behindertenverbandes in der Elbestadt angeboten werden. Im vergangenen Jahr hatten diese Fahrten Premiere.

Jetzt gibt es eine neue Route, die bekannte und unbekannte Ecken jenseits der Elbe zeigen will. Selbst für viele Schönebecker oft Neuland, wie die Fahrt gestern zeigte. "Seit 2009 gehören diese Orte zu uns, und sie sind eine Reise wert", sagt Frank Schiwek.

Der Abisa-Chef hat kennt viele Plätze, er hat sich vorbereitet, belesen, weiß aus seiner Arbeit im Stadtrat und in vielen anderen Bereichen in der Stadt um aktuelle Entwicklungen und erzählt charmant auch so manche Anekdote. Zum Beispiel, dass die Plötzkyer gern heute ihre Kirchenbänke zurückhaben würden, die vor Jahrhunderten aus der nicht mehr vorhandenen Klosterkirche in die Elbenauer Kirche gekommen sind.

Region wird attraktiver

Doch nicht allein auf die Sehenswürdigkeiten kommt es an. So fährt der Bus an den Schulen oder am Ferienpark Plötzky vorbei. Frank Schiwek berichtet viel über die wachsende Attraktivität der Region, die inzwischen Besucher aus aller Welt anzieht. "Es soll nicht nur um die bekannten touristischen Ziele gehen, über die man viel nachlesen kann. Wir wollen auf den Fahrten auch das Unbekannte zeigen, da, was unsere Stadt so lebens- und liebenswert macht."

Im Busunternehmen Schuer hat Pro SBK einen Partner gefunden, dessen Herz ebenso für Schönebeck schlägt. Die Fahrten können bisher jedoch nur in den Ferienzeiten angeboten werden, weil die Akteure dann genug Zeit haben - Schiwek ist Lehrer und Schuer ist viel im Schülerverkehr unterwegs.

Für die Frauen des Singkreises im Haus Luise war die Fahrt Geschenk. Frank Schiwek hat es zum zehnjährigen Bestehen gemacht (Volksstimme berichtete). Singkreis-Leiterin Renate Kohns sagt: Das ist etwas, worüber sich alle einfach nur gefreut haben." Vielleicht eine Freude, die sich auch andere Schönebecker einmal bereiten.

Und die Ostelbier freuen sich heute garantiert über Interesse an ihren Orten und über Gäste - ohne das Federvieh daran glauben muss.

 

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