Wo geht es hin für die Ruderer in Schönebeck? Bleiben sie am alten Standort oder ziehen sie auf die Salineinsel? Oder soll der Sport in der Elbestadt sogar wegrationalisiert werden? Die Zukunft der Ruderer ist noch offen. Zu der im Stadtrat bisher geführten Diskussion melden sich weitere Leser zu Wort.

Schönebeck l "Ich trete für den Sport und die Kinder ein", sagt Christiane Manzke. Konkret geht es ihr nun um die Ruderer des Schönebecker Sportclubs, die nach dem verheerenden Hochwasser 2013 einen neuen Standort für ihr Vereinsheim suchen. "Die Aussagen der Stadträte ärgern mich", sagt Manzke hierbei. Sätze wie "Die sollen bleiben wo sie sind" kann die Schönebeckerin nicht nachvollziehen. Die Ruderer würden gern auf die Salineinsel ziehen, aus Sicht von Christiane Manzke eine gute Idee.

"Man könnte dort doch einen Freizeit- und Sportpark schaffen", schlägt sie vor. An dieser Stelle seien die Sportler sicher vor einem Hochwasser, das sei am alten Standort unter den jetzigen Gegebenheiten nicht so. "Wenn die Ruderer dort bleiben sollen, wie es im Stadtrat gefordert wurde, dann müsste man dort das Gebäude höher legen und mit einem Fahrstuhl für die Boote versehen", sagt sie. Das wiederum verursache Kosten, die die Stadt wohl nicht tragen könnte. Deshalb versteht die Schönebeckerin nicht die Diskussion wegen des favorisierten Standortes.

"Man könnte einen Sport- und Freizeitpark schaffen."

Davon einmal abgesehen, so Christiane Manzke, "gibt es denn ansonsten andere Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude?". Ihrer Meinung nach bietet die Abteilung Rudern eine hervorragende Nachwuchsarbeit, die unterstützt und nicht etwa boykottiert werden soll. "Es geht mir um die Kinder", betont sie. Um die Qualität des Sportes und die Vorbildfunktion weiß sie genau, denn ihr Sohn war selbst als Kind Mitglied dieser Abteilung. "Da fand auch eine Art Miterziehung der Kinder statt", lobt sie. Die derzeitigen Redebeiträge gegen die Abteilung betrachtet sie skeptisch, deshalb fragt sie: "Wollen wir hier in Schönebeck den Sport wegrationalisieren?"

Ein klares Nein auf diese rhetorische Frage kann Frank Wedekind geben. Er ist der Erste Vorsitzende des Schönebecker Sportclubs und ebenso Stadtrat der SPD-Fraktion. Zu der Problematik der Ruderer hat auch er sich zu Wort gemeldet. "Seit zirka einem Jahr ist die Salineinsel fertiggestellt. Keiner, auch nicht die CDU-Stadtratsfraktion, hat auch nur einen Gedanken an einer weiteren Nutzung dieser Insel verschwendet." Für ihn ist die derzeitige Diskussion ein Unding. Denn aus der Not heraus, so Wedekind, seien die Rudersportfreunde auf den Gedanken gekommen, ihr vom Hochwasser stark geschädigtes Domizil zu verlassen und einen Neubau ins Auge zu fassen. Aus ihrer Sicht sei die Salineinsel samt Salzmagazin ein idealer Standort. "Das ist doch auch als Aufwertung der Insel zu sehen", sagt Wedekind.

Für Neubau und Umzug werden Fördermittel benötigt, es müssen also Anträge gestellt werden, führt Wedekind weiter aus. "Und nun kommen sie aus der Versenkung, einige Räte unserer Stadt", formuliert der SPD-Stadtrat es etwas forsch.

"Man sollte sich bewusst sein, dass Sport, sofern man ihn ausüben möchte, auch Sportstätten benötigt, auf und in denen man ordentlich trainieren kann", führt Wedekind aus. Und: "Ich lade alle Interessenten zum Bummel durch die Sportstätten der Stadt Schönebeck ein und man wird sehen, es gibt sehr großen Nachholbedarf." Investive Maßnahmen für Sportstätten seien seit mehr als zehn Jahren für die Stadt ein Fremdwort, sagt der Vereinsvorsitzende. "Jetzt kommt ein Vorschlag von den Sportlern und wie immer - er wird hochkarätig zerredet."

Frank Wedekind weiß, dass die Kosten für Neu- oder Umbau hoch sind. Ein Bootshaus auf der Salineinsel mit Nutzung des Salzmagazins würde mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Ein Neubau mit Stelzen am alten Standort würde seiner Rechnung nach rund zwei Millionen Euro kosten. Für ihn sprechen die Dinge für die Salineinsel. "Durch einen Neubau auf der Salineinsel bleibt der Park trotzdem für die Bürger Bürgerpark", fasst er zusammen. Seiner Meinung nach ist nun die Stadt gefragt. "Wir sollten uns außerdem freuen, dass Sportler Eigeninitiative entwickelt haben."

"Für Sport sind vernünftige Sportstätten nötig."

Ähnlicher Meinung ist Rolf Wiswede, Stadtrat für die Linken. In seinem Brief schreibt er, dass die Vorschläge - auf der Salineinsel sollte Gastronomie entstehen, das Salzmagazin abgerissen werden, eine Freilichtbühne geschaffen werden von Torsten Pillat (CDU) oder die Ladenflächen in der Barbyer Straße von den Ruderern genutzt werden könnte von Reiner Hornich (Rettet die Altstadt) - Unsinn und nicht realisierbar sind.

Er habe sich bereits im Juli des vergangenen Jahres im Stadtrat dafür eingesetzt, sich mit der Problematik der Ruderer nach dem Hochwasser auseinanderzusetzen. "Ich habe darum gebeten, zu prüfen, ob ein Teil der Salineinsel den Ruderern zur Nutzung überlassen werden könnte", schreibt der Linke-Stadtrat.

Wiswede stellt auch klar, dass er sich freut, dass "viele Bürger sich dafür einsetzen, das Salzmagazin den Ruderern zu überlassen". Und: "Das ist auch meine Meinung, die ich weiterhin gegenüber der Stadt und dem Stadtrat vertreten werde." Er betont, dass die von Pillat und Hornich geäußerten Vorschläge Einzelmeinungen seien und "nicht des gesamten Stadtrates". Rolf Wiswede geht auch davon aus, dass "die Stadtverwaltung nicht untätig ist und sich bemüht, realisierbare Lösungen für die Ruderer zu erarbeiten".