Pretzien l Heute vor genau 60 Jahren hatte Georg Swodana einiges zu lachen. Die Sonne strahlte am Himmel und an der Hand hielt er seine Zukünftige. Also sang er kurzerhand: "Ich möchte so gerne verheiratet sein, zwei niedliche Kinder, ein eigenes Heim." Das mit der Hochzeit klappte direkt im Anschluss, denn sein Weg führte ihn an diesem Tag ins Pretziener Standesamt. Seitdem geht er mit Frau Erika durchs Leben. Auch das mit den Kindern funktionierte relativ schnell. Noch im Jahr 1954 kam der Sohn auf die Welt, 1959 folgte eine Tochter. Auf das Haus musste Familie Swodana noch etwas länger warten. Aber auch das kam 1968 per Zufall, idyllisch gelegen und mitten in Pretzien.

"Eigentlich habe ich immer Glück gehabt im Leben", sagt Georg Swodana heute. Für die Wehrmacht war er damals zu jung. Vertrieben aus seiner Heimat Schlesien landete er bei der Volkspolizei in Burg, wo er seine Erika kennenlernte. Und seine Pensionierung, die fiel ins gleiche Jahr wie die politische Wende. Seit 1990 ist er Rentner.

"Als ich Erika das erste Mal auf einem Foto gesehen habe, wusste ich sofort: Die will ich", gesteht Georg Swodana mit einem Augenzwinkern ein. Bis zum ersten Treffen dauerte es da noch etwas, aber bei einem Fußballspiel in Burg funkte es endgültig. "Und am nächsten Tag stand er hier plötzlich vor der Tür. Den ganzen Weg von Burg ist er mit dem Fahrrad hergefahren", sagt Erika Swodana immer noch überrascht von den damaligen Ereignissen. Sie arbeitete 35 Jahre lang im örtlichen Konsum.

Dem Polizisten fiel es nicht leicht, seine Heimat Schlesien zurückzulassen. "Früher wollte ich immer dorthin zurück", sagt er. Als er Mitte 40 war, reiste er dorthin. "Da wurde mir klar, wenn ich zurückkomme, raube ich meiner Frau und meinen Kindern die Heimat, das konnte ich nicht über mich bringen", sagt er, sichtlich gerührt. Über den Fußball fühlte er sich aber gleich mit Pretzien verbunden. Viele Jahre war er dem Sport treu ergeben. "Das war manchmal schwierig, weil er immer unterwegs war von der Arbeit und für den Fußball", sagt Erika Swodana über ihren Mann. Mit dem Ruhestand und dem Ende der Fußballkarriere stellt sie jetzt fest: "Das Alter schweißt uns noch näher zusammen."

Das Geheimnis ihrer Liebe ist Treue, gegenseitige Achtung und Respekt. "Man muss seiner Frau das gleiche Recht einräumen, dass man selbst gern haben möchte", sagt Georg Swodana. Bei der Frage, was er an seiner Frau am meisten schätzt, muss er lange überlegen. Die 80-jährige Erika wird schon unruhig, als er schließlich sagt: "Sie zeigt mir ihre Treue und Liebe und sie steht immer zu mir, das ist wichtig."

Früher waren die Eheleute viel spazieren, heute bleibt dem 83-Jährigen und seiner Frau oft nur der Fernseher. "Davon haben wir aber gleich zwei, den normalen und unser Fenster, wo immer alle Leute vorbeilaufen", erzählt Georg Swodana lachend.

Heute werden sie gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden die diamantene Hochzeit feiern. Dabei dürfen die vier Enkelkinder und die Urenkelin natürlich nicht fehlen.