Das Kleingartenwesen ist im Umbruch. Ein Grund ist der demografische Wandel, teilweise gibt es 40 Prozent Leerstand. Ein Thema, das bei der Sitzung der Gartenvorstände eine große Rolle spielte.

Schönebeck l Die Vorstände der Kleingartenvereine von Schönebeck und Umgebung haben sich am Sonnabend zu einer Infoveranstaltung getroffen. Anberaumt war sie in einer Sportgaststätte in der Schönebecker Barbarastraße. Verbandsvorsitzende Karin Libbe konnte neben den knapp 80 Vertretern der Kleingartensparten, die rund 4000 Kleingärtner repräsentieren, auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch und den Vorsitzenden des Kreisausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr, Gunnar Schellenberger (beide CDU) begrüßen.

Eindeutig vom Hochwasser geprägt war das Jahr 2013 für viele Kleingärtner, stellte Karin Libbe eingangs ihrer Rede fest. Das Gute daran: Diese Krisensituation habe die Solidarität unter den Gartenfreunden gezeigt.

Der Landesverband der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt leitete 16400 Euro als Spende weiter, die der Bundesverband für betroffene Kleingärtner zur Verfügung stellte. "Entsprechend unserer Schadensmeldung gingen 3428 Euro davon an uns", so die Verbandsvorsitzende. Da aber über die Fördermittelanträge der Vereine noch keine Entscheidungen gefällt wurden, sollen diese erst einmal abgewartet werden. "Schließlich möchten wir verhindern, dass bei eventueller Förderung die Spenden angerechnet werden", meinte Karin Libbe. Sie fügte hinzu: "Wir werden also erst nach der Bekanntgabe der Fördermittel über die Verwendung dieser Spende entscheiden."

Ihren Worten nach gab es in Calbe keine hochwasserbedingten Kündigungen. In Barby seien die leeren Gärten pachtfrei gestellt worden. Und in Schönebeck? "Der Stadtrat hat unserem Antrag entsprechend beschlossen, die Kleingärten, die durch das Hochwasser so geschädigt wurden, dass eine Weiterverpachtung nicht möglich ist, pachtfrei zu stellen", verwies Karin Libbe auf die politische Entscheidung. Dies treffe auf eine Fläche von 52000 Quadratmeter in sechs Vereinen zu, anders ausgedrückt: 126 Kleingärten.

Dies bedeute, dass den betroffenen Vereinen in Schönebeck 2909 Euro Pacht für die durch Hochwasser leer stehenden Gärten erlassen werden. Eine enorme Hilfe, wie die Vorsitzende würdigte. "Denn machen wir uns nichts vor, der Leerstand und seine Finanzierung sind die Achillesferse für unsere Vereine. Durch die Pachtaufbringung für leere Parzellen steigen die Kosten unserer Kleingärtner jedes Jahr an", unterstrich Karin Libbe.

Die Anwesenden erfuhren, dass in Schönebeck 15 Prozent der Kleingartenflächen leer stehen, in Barby sind es 19,7 Prozent, in Calbe nur 4,7 Prozent. Jedoch gibt es Dörfer im Umfeld mit mittlerweile 40 Prozent Leerstand und mehr. "Damit droht einzelnen Vereinen in absehbarer Zeit die Zahlungsunfähigkeit. Wir müssen also unser Gartenangebot der Nachfrage anpassen", sagte Libbe.

Aus Sicht des Verbandes ist die in Arbeit befindliche Kleingartenkonzeption schon allein angesichts des demografischen Wandels unerlässlich. "Die Stadt kann diese Konzeption aber nur mit unserer Hilfe und in Zusammenarbeit mit uns erarbeiten", appellierte die Verbandschefin an alle Gartenvorstände, nach Kräften mitzuwirken.

Sie ging auch auf die Notwendigkeit des Rückbaus von leeren Parzellen ein. "Kein Verein kann das schultern, auch unser Verband nicht. Daher möchte ich unseren Oberbürgermeister auf diese Problematik einstimmen. Denn ohne Hilfe stehen wir auf verlorenen Posten", mahnte Karin Libbe.

Rückblickend auf 2013 ergänzte sie: "Vom Landesverband wurde uns für die Teilnahme am Erntedankfest und die damit verbundene Ausgestaltung des Standes des Landesverbandes vielmals gedankt. Dies möchte ich hier weitergeben."