Vor 130 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr Barby gegründet. Der damalige Bürgermeister Wilhelm Reußner hatte es 1884 geschafft, die ersten Kameraden im Männerturnverein zu rekrutieren.

Barby l Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung bemerkte der frisch gebackene Ortswehrleiter Nico Drobek eher nebenbei, dass die Wehr auf dem Tag genau vor 130 Jahren gegründet wurde.

Vor 80 Jahren war das anders: Als die freiwillige Feuerwehr am 18. Februar 1934 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, war das ein gesellschaftliches Ereignis von hohem Rang. Platzkonzert, Umzug durch die fahnengeschmückte Stadt, Chorauftritte, Ansprachen von Bürgermeister Metzig, Landrat Dr. Parisius und Marschmusik, Marschmusik und nochmals Marschmusik. Das Lied der "Alten Kameraden" (das 63 Jahre später noch einmal zweifelhafte Furore erlangen sollte, weil es ein Bürgermeister auf einem Feuerwehrball sang) war der am meisten gespielte Marsch.

Die Leiter trugen Pickelhaube

Die nach wilhelminischer Tradition noch Pickelhaube tragenden Wehrführer hatten sich in ihre Galauniformen geworfen. Es war unübersehbar: Feuerwehr, eine paramilitärische Einheit.

Abends, beim großen Feuerwehrball, trug der Herausgeber der "Barbyer Zeitung", Otto Saft, ein Gedicht vor, das er eigens für diesen Anlass geschrieben hatte. Darin wurde an die Gründer der Wehr erinnert, die hochbetagt einen Ehrenplatz im Saal gefunden hatten. Während Landrat Dr. Parisius und Kreisbranddirektor Schellenberg markige Reden im Sinne "der neuen Ordnung" hielten, in der auch die Feuerwehr daran erinnert wurde, dass sie "treue Gefolgsleute des Führers" zu sein hatten, wählten Bürgermeister Metzig und Oberbrandmeister Gustav Walkhoff nur kurze Worte.

Walkhoff, der unweit des Depots einen Kolonialwarenladen betrieb, trat 1927 die Nachfolge von Wehrleiter Davides an. Der zu diesem Zeitpunkt 47-Jährige war zeitlebens ein leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Obwohl er nie der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen angehörte, musste er 1945 sein Amt niederlegen. Der engagierte Wehrführer ist darüber nie weggekommen und starb schließlich 1948.

Zwei Stadtbrände drückten

Die Elbestadt blieb in ihrer über tausendjährigen Geschichte von großen Stadtbränden nicht verschont. Erst war es ein Feuer, das 1791 in der Nähe des Amthofes (heute heißt der Ort bezeichnenderweise "Brandgasse") ausbrach, dann der große Brand von 1798. Dabei fiel ein Drittel der Stadt dem "Roten Hahn"zum Opfer. Diese verheerende Katastrophe, die auf Brandstiftung zurückzuführen war, ließ den Ruf nach einer organisierten Abwehr immer lauter werden. Mögliche Aktivitäten wurden durch die politische Großwetterlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstickt. Unter napoleonischer Herrschaft hatten die Bürger andere Sorgen.

Erst 1874 startete man ernsthaft den Versuch, eine organisierte Feuerwehr auf die Beine zu stellen. Der scheiterte, wie auch ein zweiter Anlauf 1881. Warum, ist nicht überliefert.

Erst 1884 konnte der damalige Bürgermeister Wilhelm Reußner den Männerturnverein für die Sache erwärmen. "Mit edler Begeisterung folgten echte, deutsche Turner dem Ruf der Stadtbehörde", jubelte damals die Barbyer Lokalpresse.

Ihre Feuertaufe erhielt die junge Wehr im Mai 1885. Ein Blitz hatte die Scheune am Colphus getroffen, so dass sie lichterloh brannte. Drei Monate später löschten die Kameraden unter den allererlauchtesten Blicken ein Feuer. Als am 26. August 1885 auf dem Marktplatz ein Brand ausbrach, weilte gerade "Seine königliche Hoheit Prinz Wilhelm" (der drei Jahre später Kaiser Wilhelm II. heißen sollte) zur Jagd bei Amtsrat Dietze. Man kann sich vorstellen, wie sich die monarchistisch geprägten Feuerwehrmänner dabei ins Zeug legten.

Der mittlerweile geadelte von Dietze stiftete 1891 die erste Dampfspritze.

Harte Zeit im Krieg

Eine harte Zeit für die freiwillige Feuerwehr herrschte in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die meisten Männer waren an der Front. Ausgerechnet 1917 sollte es zum sogenannten Seminarbrand kommen. Wahrscheinlich durch einen überhitzten Ofen oder eine undichte Schornsteinwange war ein Großfeuer im Nordflügel des Schlosses ausgebrochen. Da eisige Temperaturen herrschten, fror das Wasser in den Schläuchen ein. Letztere hatte man in die Kleine Elbe gehängt (ein toter Elbarm, der in Sichtweite des Schlosses lag und Mitte der 1970-er Jahre zugeschüttet wurde).

Die Seminarfeuerwehr unterstützte die Kameraden der Stadt. Dabei handelte es sich um blutjunge Lehramts-Anwärter, die wenig Erfahrung mit dem Ernstfall hatten. Diese Umstände führten dazu, das der gesamte Nordflügel völlig ausbrannte. Auch schon 1907 hatte der Dachstuhl des Schlosses gebrannt.

Derweil diese beiden großen Schadfeuer ohne willentliches menschliches Zutun ausbrachen, war es beim dritten Brand des 20. Jahrhunderts anders. Ende April 1993 brannte das Schloss, das nun Grundbucharchiv genannt wurde, schon wieder. (2007 loderte ebenfalls im Nordflügel ein Brand, der durch Handwerkerarbeiten ausgelöst wurde.)

Doch zurück in die 30-er Jahre, wo eingangs beschriebenes Jubiläum rauschend gefeiert wurde.

1930 begann die Motorisierung in Form eines Mannschaftswagens. Vorbei war die Zeit der zwei leibhaftigen Pferdestärken. Das Auto machte sich erforderlich, als in der Elbestadt die ersten Bomben fielen. Es waren im Vergleich zu anderen deutschen Städten relativ wenige. Trotzdem brannte beispielsweise ein Haus in der Marktstraße völlig nieder.

Viel Organisationstalent war nach dem Zweiten Weltkrieg gefordert. Ein aus Staßfurt besorgtes Löschfahrzeug wurde unter schwierigen Bedingungen einsatzfähig gemacht.

Feuerwehrtreffen 1998

Heute sind es überwiegend technische Hilfeleistungen, zu denen die freiwillige Feuerwehr ausrücken muss. Dazu gehören zum Teil tragische Unfälle.

Der größte Brand jüngerer Zeit trug gleichsam einen Superlativ. Im Mai 1998 sorgte eine 30000 Tonnen schwere Halde mit geschreddertem Holz des ehemaligen Industriekraftwerks der Maisan für den wochenlangen Einsatz mehrerer Wehren. Nico Drobek erinnerte bei der jüngsten Jahreshauptversammlung launig daran: Es sei ein mitteldeutsches Feuerwehrtreffen gewesen ...

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