Barby l "Elbe, Sonne, Sachsen- Anhalt - der Neuaufbau der FDP beginnt vor Ort: Barby", postete Michael Theurer auf seiner Facebook-Seite. Dort ist er mit Cornelia Pieper auf der Barbyer Fähre zu sehen. Die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin kennt Barby, ihr Parteifreund Michael Theurer ist zum ersten Mal im Elbe-Saale-Winkel.

Den Theurer-Besuch hatte Kreistagsmitglied Johann Hauser (FDP) eingefädelt. Sein Anliegen: Der Europaabgeordnete soll für den vorbeugenden Hochwasserschutz im Raum Barby sensibilisiert werden.

Im Sitzungssaal des Barbyer Rathauses machten Abgeordnete aus mehreren Orten der Einheitsgemeinde ihrem Herzen Luft. Stadtratsvorsitzender Ernst Neugebauer: "Ich bin dankbar, in einem wohlhabenden Bereich dieser Erde zu leben. Aber die Bürokratie macht mich hier betroffen. Deren Mühlen mahlen noch langsamer als die Mühlen Gottes." Der Barbyer beklagte die gesetzlichen Rahmenbedingungen, wo es "viel zu viele gibt, die mitreden wollen". So könne der Prozess, einen 180 Meter langen Entwässerungsgraben zu bauen, schon mal fünf Jahre dauern. Auch Bürgermeister Jens Strube hieb in diese Kerbe: Nach der Flut habe man den Bürokratieabbau versprochen, das Gegenteil sei eingetreten.

Immer wieder ging es Montagabend um den "45er-Bruch" bei Monplaisir, wo im Juni 2013 der Deich zu brechen drohte. Wie Ortsbürgermeister Norbert Langoff sagte, müsse diese Stelle umgehend sicherer gemacht werden. Innerhalb des Landesbetriebes für Hochwasserschutz würde die Stabilität dieses Deichabschnitts kontrovers diskutiert. Während ein Fachbereichsleiter am 9. Juni noch von "großer Gefahr" gesprochen hätte, stehe die Verspundung (als einzige wirkungsvolle Maßnahme) in diesem Jahr nicht auf dem Programm.

Wasserwehrleiter Detlef Lorbeer war mit seiner Forderung nicht allein, an solchen neuralgischen Stellen umgehend Deichverteidigungswege zu bauen.

"Ich bin dankbar, in einem wohlhabenden Bereich dieser Erde zu leben. Aber die Bürokratie macht mich hier betroffen. Deren Mühlen mahlen noch langsamer als die Mühlen Gottes."

Michael Theurer fasste das Thema aus europäischer Perspektive. Der Klimawandel werde noch weitere Naturkatastrophen bewirken, gegen die man präventiv vorgehen müsse. Dazu zähle die Entsiegelung von Flächen, die Verringerung von gefährlichem Niederschlagswasser an den Oberläufen der Flüsse, wozu eine überregionale Strategie notwendig sei.

Johann Hauser regte die Vergrößerung von Hochwasserpoldern an, machte aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die Umsetzung einige Schwierigkeiten erzeugen werde. Vor allem die Landwirte würden darüber nicht begeistert sein, wenn ihre Äcker zu potenziellen Überflutungsflächen würden.

Nach dem Gespräch im Rathaus zeigte Bürgermeister Strube dem Europaabgeordneten den "45er Bruch". "Wenn der Deichbruch von Breitenhagen nicht den Wasserdruck verringert hätte", so Strube überzeugt, "wäre an dieser Stelle der Damm gebrochen."