Lödderitz/Barby (tli). Wenn wir uns heute über den anhaltenden, strengen Winter beklagen, dann sei an Wetterkapriolen der Vergangenheit erinnert, wo mächtige Hochwasser, Eis und Schnee bis Anfang Mai keine Seltenheit waren. Zwei Beispiele aus Barby: Am 4. März 1784 kamen mehrere Eisfelder auf die Häuser des Breiten Tores zu und zerschmetterten einige Gebäude. Da sich nachmittags das Eis in der Gegend des Schlosses fest setzte, erreichte die Elbe die ungeheure Höhe von 209 Zoll. Das Wasser ging drei Fuß über die Stadtmauer. (Bei der "Jahrhundertflut von 2002 blieb es einen Meter unter der Stadtmauerkrone.)

Der Chronist schreibt 1913, dass "eine solche Wasserhöhe hier weder vor noch nach dieser Zeit beobachtet wurde".

Da sich am Nachmittag des 5. März die Eismassen in Bewegung setzten, verlief sich das Wasser bald wieder und die Felder litten nicht sonderlich.

1785 wurde die Elbe erst am 13. April bei niedrigem Wasserstand vom Eis befreit. Bis dahin herrschte grimmiger Frost und es lag Schnee. Einige Tage später wuchs das Wasser von Elbe und Saale so schnell, dass am 20. April mehrere Dammbrüche an der Saale erfolgten. Auch in jenem Jahr "ging das Wasser über die Stadtmauer". Es gab noch keine Talsperren, die die Schmelzwassermengen aufnehmen und so die Hochwassergefahr mindern konnten.

Oft wurden die Wintersaaten vernichtet oder es versandeten infolge des Hochwassers die Felder.

Über einem Türbogen des Lödderitzer Deichhauses hängt eine Tafel mit den mahnenden Worten: "Wanderer! Schütze dieses Deichwachthaus und Du schützt 25 Ortschaften und deren Feldmark vor Hochwasser". Wie die Chronik weiß, wurden diese Häuser je nach Pegelstand mit acht bis zwölf Personen besetzt. In Katastrophenlagen hastete ein Bote in den Ort, der etwa eine Stunde zu Fuß brauchte, um Nachrichten zu übermitteln. Heute sind die Deichwachen mit Funk ausgerüstet.

Die Chronik berichtet auch in Lödderitz von verheerenden Deichbrüchen. Der erste Eintrag stammt von 1595, als die Elbe bei Aken den Damm wegriss. Im Frühjahr 1915 führte der Fluss gewaltige Wassermassen, in denen auch Wildtiere ertranken. Im Juni 1954 sorgte das Drängwasser dazu, dass der Dorfteich über die Ufer trat und die Ortsmitte überschwemmte.