Zuckersüß und wunderbar rot zeigt sich das Obst der Saison. Die Erdbeerzeit ist wieder voll im Gange - auch bei Jägers Erdbeergarten KG in Groß Rosenburg. Der Familienbetrieb hat 2013 mit den Folgen des Hochwassers einen großen Rückschlag verkraften müssen. Betrug die Ernte im vergangenen Jahr gleich null, soll in dieser Saison wenigstens die Hälfte vom normalen Ertrag erreicht werden.

GroßRosenburg l Katleen Puder und Christoph Jäger können wieder lächeln. Beide blicken optimistisch in die Zukunft. Das ist auch nötig. Denn hinter dem Geschwisterpaar liegt eine schwere Zeit mit Existenzängsten. "2013 hatten wir gar keine Ernte", sagt Christoph Jäger, Geschäftsführer der Jägers Erdbeergarten KG in Groß Rosenburg. Hintergrund für den Totalausfall ist das Hochwasser im Juni des vergangenen Jahres gewesen. "Alle unsere Felder standen unter Wasser", blickt der 46-Jährige zurück.

Doch heute hat Jäger, der mit seiner Schwester das Familienunternehmen gemeinsam betreibt, wieder Hoffnung. Denn vor zwei Wochen ist ihr Betrieb in die Saison gestartet. "Am 12. Mai haben wir die ersten Erdbeeren gepflückt", sagt Christoph Jäger. Die Ernte spült Geld in die Betriebskasse. Geld, das bitternötig ist. Denn noch hat das Zwei-Mann-Unternehmen nicht die Schäden vom Hochwasser 2013 überstanden.

"In diesem Jahr haben wir zwar eine Ernte, aber sie wird nur ungefähr die Hälfte des normalen Ertrages bringen", sagt der Geschäftsführer. Das liegt daran, dass die rund 19 Hektar Betriebsfläche im vergangenen Jahr neu bestellt werden mussten. Teilweise sind Ackerfelder heute noch nicht nutzbar.

"Zum Glück war der Boden nicht mit Schadstoffen kontaminiert", sagt Jäger, der direkt, nachdem die Hochwassersituation vorüber war, eine Bodenprobe gezogen hat. "Obwohl man auf Luftbildern deutlich erkennen konnte, dass ein Ölfilm auf dem Hochwasser war, sind die Böden davon nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden", sagt er.

Die Jägers Erdbeerland KG gilt als direktvermarktender Betrieb. Zu den großen Kunden des Betriebes gehören Edeka-Märkte in Sachsen-Anhalt. "Um diese Vermarktungslinie am Leben zu halten, haben wir im vergangenen Jahr Erdbeeren bei einem Kollegen aus dem Bördekreis zugekauft", erzählt Jäger. Auch in diesem Jahr muss der Geschäftsführer das so handhaben, da die eigene Ernte nicht ausreicht.

Doch das Geschwisterpaar will den Kopf nicht in den Sand stecken. Vielmehr blicken beide positiv in die Zukunft und schmieden Pläne. "2015 werden wir Folientunnel probieren", sagt Jäger. Mit dieser Technik könne die Saison von 60 auf rund 80 Tage verlängert werden. Für den Geschäftsführer ist das Trick 17 - jedoch bringe der nur begrenzt Erfolg, da der Reiferhythmus nicht unendlich verändert werden könne. "Die Dimension bleibt begrenzt", schätzt er ein.

Auf den von Jägers gepachteten Ackerflächen rund um Groß Rosenburg sprießen sechs verschiedene Erdbeersorten. Die eine ist eher süß, die andere leicht sauer. "Dann gibt es noch tiefrote genauso wie hellrote", umschreibt Christoph Jäger das Spektrum - ein Spektrum, das übrigens über die betriebseigenen Verkaufsstände hinaus geht. Denn zu dem Familienunternehmen gehören zudem Selbstpflücke-Plantagen. Sie sind in Schönebeck, Gommern, Staßfurt, Nehlitz, Bernburg, Kleinmühlingen und Köthen zu finden. "Diese Flächen waren nicht vom Hochwasser betroffen", sagt der 46-Jährige.

"70 Saisonarbeitskräfte werden im Erdbeerland beschäftigt."

Für ihn sind Erdbeeren ein typisches Ergebnis von Handarbeit. Maschinell geschieht nur das Pflanzen und Strohstreuen - wobei auch hier auf dem Feld zu sehen ist, dass menschliche Hände zumindest für die Prüfung des Ergebnisses notwendig sind. Für die Ernte bedient sich Jäger klassisch der Saisonarbeiter. "Rund 70 Arbeiter, meist aus Rumänien, sind in der Saison bei uns beschäftigt", sagt er. Außerdem zum Team gehören zehn Verkaufskräfte.

Das Erdbeergeschäft in Groß Rosenburg hat schon Tradition. "1998 habe ich mit meinem Bruder hier angefangen"; sagt Christoph Jäger. Seit 2004 trägt der Betrieb den Namen Erdbeergarten und seit 2007 ist Christoph Jäger der alleinige Geschäftsführer. Seine Schwester Katleen Puder ist für die Vermarktung zuständig. Also müssen mit dem Betrieb zwei "Mäuler" gestopft werden? Komplett nicht. "Zum Glück haben wir noch zwei weitere Standbeine", sagt der Geschäftsführer, der außerdem einen Lagereibetrieb sowie einen Metall- und Maschinenbaubetrieb führt - sonst hätte das Hochwasser wohl mehr Konsequenzen für das Geschwisterpaar gehabt.

"Von was soll man leben, wenn kein Geld da ist?", nennt Jäger die passende Frage. Bei ihm steckt der Ärger noch tief - nämlich über die angebliche Hochwassersoforthilfe des Landes. Er ist nicht nur mit dem Zeitraum unzufrieden, der zwischen Hochwasser und Auszahlung vergangen ist, sondern auch mit der Summe. Er ärgert sich schlicht über Zusagen von Landesministern, die aus seiner Sicht nicht eingehalten wurden. "2013 habe ich vor dem Hochwasser gefeiert, dass ich meine Kredite abgezahlt habe, und nun musste ich nach dem Hochwasser wieder neue Verpflichtungen eingehen", sagt Jäger.

Und mit einem Lächeln im Gesicht fügt er an: "Ich bin ja noch jung und habe Zeit, die Kredite abzuzahlen."

 

Bilder