Das Gummiwerk Schönebeck lebt. Die turbulenten Nachwendejahre hat das Traditionsunternehmen überstanden. Und es geht sogar bergauf - dank des russischen Hauptgesellschafters Donobuv aus Rostow. Gestern ist im Grundweg der Grundstein für eine neue Produktionshalle gelegt worden.

Schönebeck l "Wir hatten dolle schlechte Zeiten. Aber seit wir unter russischer Flagge fahren, geht es hier voran." Joachim Koch gehörte gestern zu den Gästen der Grundsteinlegung für eine neue Fertigungshalle der Gummiwerk Schönebeck GmbH. Die entsteht im Grundweg 37. Etwas abseits der Straße, hinter dem Jobcenter, hat nach Höhen und Tiefen, nach Ausgründungen und Umgründungen mit dem Gummiwerk Schönebeck ein hiesiges Traditionsunternehmen überlebt.

Joachim Koch ist im Betrieb seit 24 Jahren für die Instandhaltung der Technik zuständig. Ein deutscher Investor, resümiert er, habe den Betrieb in den 1990er Jahren in Grund und Boden gewirtschaftet. Die Firma stand vor dem Aus. Im Jahr 2007 übernahm die russische Firma Donobuv aus Rostow am Don die Federführung des Unternehmens. "Ich gehe davon aus, dass Donobuv, die damals zu unseren Kunden gehörten, uns als Zulieferer hochwertiger Gummimischungen für die eigene Schuhproduktion nicht verlieren wollten", sagt Vertriebsingenieur Sascha Tripke gegenüber der Volksstimme.

Zum Festakt ist auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) gekommen. Termine wie diese würden zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehören, lässt er gutgelaunt wissen und führt aus: "Vor allem, wenn im produzierenden Gewerbe eine Erweiterung realisiert wird." Und weiter sagt Knoblauch: "Der Begriff Gummi hat in Schönebeck einen deutlichen Klang. Er erinnert vor allem an die alte Produktionsstätte in der Schillerstraße, auf der heute ein Einkaufszentrum steht. Im Grundweg wird heute ein traditionelles Gewerk ausgebaut. Das darf uns mit Zuversicht erfüllen."

"Die neue Halle ist eine wichtige Investition."

Karl-Heinz Kunert

"Heute ist ein großer Tag für uns", betont der Geschäftsführer der Gummiwerk Schönebeck GmbH, Vladimir Schiryaev. Ein lange geplantes Vorhaben nehme nun Gestalt an, verweist er auf die ab sofort im Bau befindliche, 1080 Quadratmeter umfassende und sieben Meter hohe Fertigungshalle. Fertig sein soll sie Ende August. Dann werden im Grundweg mit modernen Maschinen Formteile für Traktoren produziert, konkreter gesagt: Bodenmatten. Im September soll eine noch größere Produktionsmaschine - eine Spritzgussmaschine - noch größere Matten für Mähdrescher herstellen (Größe 1,80 mal 1,50 Meter).

"Mit dieser Technik wird das alte Verfahren des Pressens abgelöst. Aus dieser Spritzgussmaschine kommen dampfende, fertige Matten, die dann nur noch entgratet werden", erläutert Sascha Tripke. Solche Matten seien einer der Hauptprodukte der Gummiwerk Schönebeck GmbH und würden schon heute weltweit exportiert: in die USA (Abnehmer ist mit John Deere einer der globalen Marktführer unter den Produzenten von Landmaschinen) sowie nach Russland, Polen, Kasachstan und in andere Länder. "Die neue Fertigungshalle ist für uns ein äußerst wichtiges Investitionsvorhaben", hebt Karl-Heinz Kunert hervor. Der Mann ist seit den 1970er Jahren ein Schönebecker Gummiwerker und heute, im neuen Gummiwerk, verantwortlich für die Produktion der Formteile. Kunert erinnert sich nur zu gut, wie im alten Gummiwerk noch 1989 in genau die Technik investiert worden ist, die jetzt, 25 Jahre später und natürlich noch ausgereifter, erneut in die Produktion geholt wird. Rund 2,4 Millionen Euro seien für Halle und Maschinenausrüstung nötig. Eine Investition, mit der sich das Unternehmen zukunftsfähig aufstelle. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro getätigt werden. Geld, das aus Eigenmitteln, aus der Erhöhung des Stammkapitals und aus einem Kredit herrühre.

Derzeit stehen bei der Gummiwerk Schönebeck GmbH 35 Frauen und Männer in Lohn und Brot. Wenn sich alles positiv entwickelt, sollen weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, wie viele genau, mag derzeit noch keiner der Verantwortlichen vorhersagen.

Wie bereits erwähnt, gehören auch verschiedene Gummimischungen zur Produktionspalette des Schönebecker Unternehmens, die zur Weiterverarbeitung an Firmen verkauft werden, darunter Gummimischungen zur Herstellung von Schuhsohlen. Genau die liefen auch im alten Gummiwerk vom Band.

Sascha Tripke sieht optimistisch nach vorn und macht noch schnell Werbung in eigener Sache: "Unser Markenzeichen ist unsere kurze Lieferzeit. Die beträgt in der Regel eine Woche. Manchmal liefern wir auch über Nacht."

Tipp: Merseburger Museumsbetreiber haben 2011 noch die alte Produktionsstätte an der Schillerstraße besucht und berichten darüber im Internet unter www.robotrontechnik.de

   

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