Der 40. Pretziener Musiksommer steht bevor. Am 14. Juni wird Organist Matthias Eisenberg musikalisch den Auftakt machen, den Abschluss bildet dann ein Konzert der Mitteldeutsche Kammerphilharmonie am 13. September. Fünf Kirchenmusiken sind geplant - neu im Organisationsteam ist Pfarrer Michael Seils.

Pretzien l Erleichterung stahlt aus den Augen von Rüdiger Meussling. Eine schwere Last scheint dem Pfarrer im Ruhestand von den Schultern genommen zu sein. Vielmehr ist es wohl ein Stein, der ihm vom Herzen gefallen ist. Denn der 74-Jährige weiß nun, dass der Pretziener Musiksommer weiterhin leben wird. Nur unter einer anderen Führung.

"Ich bin wirklich froh, dass ich die Verantwortung übergeben kann", sagt Rüdiger Meussling, der mit seiner Frau Anna-Maria die besondere Konzertreihe vor 40 Jahren aus der Taufe gehoben hat. Damals ging es darum, die baulich zerfallende Kirche mit Leben zu füllen und Geld für die dringend notwendige Sanierung zu sammeln. Heute ist die Pretziener St.-Thomas-Kirche, über die das Ehepaar Meussling sogar ein Buch geschrieben hat, ein Glanzstück. Für Touristen sowie Menschen der Region ist sie ein Muss - wer hier noch nicht war, hat tatsächlich etwas verpasst.

Doch der Weg hierher war steinig. Das hat Meusslings nicht davon abgehalten, 39 Jahre lang den Musiksommer zu organisieren, jedes Jahr aufs Neue Musiker für Auftritte in Pretzien zu begeistern. Doch 2013 entschieden sich beide: Es reicht. Gründe waren das Alter der Senioren und die Gesundheit - nicht mehr vereinbar mit dem organisatorischen Aufwand. Der Abschied fiel ihnen schwer - vor allem weil offen stand, ob jemand den Musiksommer weiterführen würde.

"Ich bin wirklich froh, dass ich die Verantwortung übergeben kann."

Rüdiger Meussling, Pfarrer i.R.

Nun die frohe Botschaft: Pfarrer Michael Seils, der seit dem 1. Dezember 2013 für den Bereich Gommern, Plötzky, Pretzien und Ranies zuständig ist, übernimmt die Konzertreihe in seinen Aufgabenbereich. Das ist nicht selbstverständlich - und umso erfreulicher für Meusslings. Und für alle Liebhaber des Pretziener Musiksommers.

"Es wird ein fließender Übergang sein", sagt Seils, der den Jubiläums-Musiksommer mit Meusslings zusammen organisiert hat. Er möchte ungern ins kalte Wasser gestoßen werden, deshalb wolle er in diesem Jahr erst einmal "mitlaufen". "Ich habe noch keinen eigenen Eindruck", gibt er zu. Doch den wird er sich bald machen können. Denn am 14. Juni startet der Pretziener Musiksommer in seine 40. Saison. Den Auftakt bestreitet traditionell der Organist Matthias Eisenberg. "Wenn er auftritt, sitzen die Besucher sogar auf der Treppe hinter der Orgel", sagt Rüdiger Meussling - und da ist sie wieder, diese Wehmut in seinen Augen. Der Pfarrer im Ruhestand hat Herzblut in den Musiksommer gesteckt, und das nicht zu knapp. Doch ein Schlussstrich muss irgendwann gezogen werden, da sind sich Rüdiger und seine Anna-Maria einig. Michael Seils wiederum freut sich auf diese neue Aufgabe. "Der Musiksommer ist eine gut eingeführte Veranstaltung und er hat ein Stammpublikum", sagt er. Seiner Meinung nach gebe es hier "ein Pfund, mit dem man wuchern kann".

Soll heißen? Werden demnächst die Don Kosaken und Kabarettisten in der Pretziener St.-Thomas-Kirche auftreten? Für Meusslings wäre das nicht wünschenswert. Und auch Pfarrer Seils winkt ab. Seine Vorstelungen gehen wohl konform mit denen seiner Vorgänger. Auch das ist ein Grund für Meusslings Erleichterung. "Mir ist wichtig, dass bei den Konzerten Verkündigungen dabei sind", sagt der Pfarrer im Ruhestand. Die wird es unter Seils Regie geben. Zu erleben sind Meusslings in ihrem allerletzten Jahr als Veranstalter und der "Neue" Michael Seils nicht nur am 14. Juni. Insgesamt fünf Kirchenmusiken sind für 2014 geplant. Die zweite wird am Sonnabend, 5. Juli, um 17 Uhr von Konzertorganist Jan Val Mol mit Kammersängerin Christel De Meulder gestaltet. Die belgischen Musiker sind in Pretzien Neulinge, "deshalb sind wir alle gespannt auf dieses Konzert", sagt Rüdiger Meussling.

"Hier gibt es ein Pfund, mit dem man wuchern kann."

Michael Seils, Pfarrer in Gommern

Am 26. Juli folgt das Konzert für Trompete, Violine, Violoncello und Orgel. Gestaltet wird es von Joachim Karl Schäfer an der Trompete, Minjung Kan an der Violine, Uwe Hirth-Schmidt am Violoncello und Judit Iszak an der Orgel. Am 16. August erleben die Gäste die Konzertpianistin Sofja Gülbadamova. "Es ist ein kleines Wunder, dass sie hier spielt, denn sonst spielt sie in ganz anderen, größeren Häusern", schätzt Pfarrer Seils ein.

Den Abschluss des Musiksommers spielen wie in jedem Jahr die Musiker der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Unter dem Titel "frisch gestrichen" werden sie unter der Leitung von Gerard Oskamp am 13. September in der St.-Thomas-Kirche auftreten.

Nicht nur der Auftakt und der Abschluss dieser Konzertreihe werden traditionell gehalten. Ebenfalls soll es dabei bleiben, dass die Kirchenmusiken ohne Eintritt erlebbar sind. Um Spenden wird jedoch gebeten. "Es ist schon toll, dass wir den Musiksommer allein durch die Besucherzahlen finanzieren können", sagt Rüdiger Meussling. Er hofft, dass das Publikum auch in Zukunft dieser Konzertreihe und der Kirche treu bleiben wird.