Seit fast einem Jahr versorgt der soziale Treff "Suppe Seele" den Ort Breitenhagen mit Essen. Das Elbedorf ist im Juni 2013 hart vom Hochwasser heimgesucht worden. Praktisch kein Haus blieb von den Wassermassen verschont. Das Angebot von "Suppe Seele" wurde und wird mit Kusshand angenommen. Doch es dürfte demnächst eingestellt werden, die Förderung läuft aus.

Schönebeck/Breitenhagen l Ein Bild geht Monique Krause nicht mehr aus dem Kopf. "Es war wie nach dem Krieg", sagt sie beim Gedanken an ihren ersten Besuch in Breitenhagen nach der verheerenden Juni-Flut von 2013. "Wir sind an jenem Tag von Groß Rosenburg aus weitergefahren in das bis dahin gesperrte Elbedorf, um zu sehen, wie es den Menschen dort geht. Es war der erste Tag, nachdem die Sperrung des Dorfes aufgehoben war. Wir hatten Mundschutz aufgesetzt, es roch überall total faulig. Überall tote Fische. Vor einem Haus stand eine Familie. Als die Menschen unser Auto mit der Aufschrift `Suppe und Seele` sahen, sagte jemand mit unglaublicher Erleichterung in der Stimme: `Jetzt kommt Essen.` Das war ein Satz, der mir unter die Haut ging", erinnert sich die Geschäftsführerin des sozialen Treffs "Suppe und Seele".

Seit jenem Tag bringt die soziale Einrichtung mit Sitz in der Schönebecker Böttcherstraße warmes Essen in den gebeutelten Ort. Günstiger Weise unterstützte das Jobcenter des Salzlandkreises dieses gemeinnützige Engagement mit der Übernahme der Personalkosten, sodass "Suppe Seele" drei Frauen fest einstellen konnte. "Leider läuft diese Förderung jetzt aus", bedauert Monique Krause. Sie hebt hervor, mit den drei eingestellten Frauen sehr fleißige Mitarbeiterinnen gefunden zu haben. "Sie waren ehrenamtlich bei uns, als wir in den Tagen der Flut am Schönebecker Busbahnhof die vielen freiwilligen Helfer versorgt haben. Da sind sie uns aufgrund ihres großartigen Einsatzes aufgefallen."

Das Benzingeld wird über Spenden abgedeckt. Insgesamt eine Plus-minus-Null-Rechnung.

Vom 24. Juni 2013 - und dann acht Monate lang - fuhr das Trio Tag für Tag und auch an den Wochenenden etwa 80 bis 100 Essen aus. Es waren und sind Mahlzeiten, die in der Küche von "Suppe Seele" gekocht und in der Böttcherstraße (früher Welsleber Straße) auch anderen bedürftigen Menschen angeboten werden. Mittlerweile sind es noch 50 Essen, die von Montag bis Freitag den Weg nach Breitenhagen und dort für jeweils 1 Euro dankbare Abnahme finden. Auch laktosefreie Essen werden angeboten. Einmal in der Woche gibt es zudem eine Beutelausgabe, Kostenpunkt 1,50 Euro. "Das wird sehr gut angenommen", sagt Monique Krause, denn mit nur einem Bäcker ist die Versorgungslage in dem Elbedorf salopp gesagt doch sehr übersichtlich. Pro Tag kommen mit der Breitenhagen-Tour von "Suppe Seele" rund 100 Kilometer zusammen. Das Benzingeld wird mit Spenden abgedeckt, zum Teil auch durch die Einnahmen aus dem Essen-Verkauf, wie gesagt 1 Euro pro Portion. Auch die Lotto-Toto-Gesellschaft Sachsen-Anhalt, obwohl sonst eher auf Sportförderung und die Unterstützung denkmalgeschützer Sanierungsprojekte ausgerichtet, gab bereits eine Spende. "Eine Mitarbeiterin von Lotto-Toto hat uns besucht und sich eingehend über die Breitenhagen-Hilfe informieren lassen. Ich hatte den Eindruck, sie fand das sehr gut", sagt Monique Krause. Insgesamt sei die Essenversorgung für den Ort eine Plus-minus-Null-Rechnung. Für eine soziale Einrichtung natürlich vollkommen in Ordnung.

"Es ist eine Arbeit, die mich erfüllt. Ich habe das Gefühl, dass wir eine große Familie sind."

Doreen Graßhoff

"Suppe Seele" will dieses Angebot solange vorhalten, wie es irgendwie möglich ist. Mit dem Auslaufen der drei geförderten Stellen dürfte es allerdings beendet sein. Auf die Frage, ob sie diese Arbeit gerne weitermachen würde, reagiert Doreen Graßhoff - sie gehört zum Dreierteam - unverblümt. "Was für eine Frage! Selbstverständlich! Es ist eine Arbeit, die mich erfüllt. Mehr noch, ich habe das Gefühl, dass wir wie eine große Familie sind." Ihre Kollegin Beatrix Jungmann findet: "Das hat sie sehr treffend gesagt. Dem muss ich nichts hinzufügen. Das entspricht auch meinem Empfinden."

So ist also zu befürchten, dass es die für die Flutopfer in Breitenhagen hilfreiche Essenversorgung demnächst nicht mehr gibt. "Wir haben das Ziel, gemeinsam mit Barbys Bürgermeister Jens Strube eine Art sozialen Treff zu schaffen. Der Bürgermeister will, dass es weiter geht. Aber dieses geplante Dorfgemeinschaftshaus wird wohl erst 2020 fertig werden. Bis dahin bräuchten wir eine Zwischenlösung", stellt Monique Krause eine Gangart in Aussicht.

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