Selbst festen Boden unter den Füßen behalten, aber die Welt aus der Vogelperspektive betrachten: Quadrocopter mit Kamera machen es möglich. Dieses anspruchsvolle Hobby betreibt auch der Pömmelter Kai Knappe. Doch kürzlich "entflog" ihm sein teures Foto-Luftgerät.

Pömmelte/Barby l Kai Knappe trat mit einem Film an das Licht einer breiten Öffentlichkeit, als er ihn auf der Facebook-Seite "Elbbrücke Barby" postete. Es werden Luftaufnahmen aus Perspektiven des stählernen Bauwerks gezeigt, wie man sie zuvor noch nicht sah.

Seit dem 16. Juli haben der Pömmelter und seine nicht gerade billige Drohne des Typs "Ski Phantom II" eine Gemeinsamkeit: Sie sind selbständig.

Doch Sarkasmus beiseite.

"Wir standen an der Nuthe, um von dort aus einen Film zu drehen."

Kai Knappe, der freiberufliche IT-Systemelektroniker, sucht sein Fluggerät. Alles fing damit an, als er die Drohne an jenem Mittwochabend mal wieder von der Elbbrücke aus startete. "Wir standen an der Nuthe, um von dort aus einen Film zu drehen", berichtet der 38-Jährige. Alles lief nach Plan. Kai Knappe verfolgte zeitgleich die Filmbilder auf seiner Video- oder Cyberbrille, was das Fliegen aus der Ich-Perspektive erlaubt. Sozusagen als säße er selbst im Copter. Die Brille zeigt außerdem wichtige technische Daten an: Höhe, Himmelsrichtung, Entfernung vom Startort oder die Warnung bei niedrigem Batteriestand.

Bei einem zweiten Start wurde vom Film- auf den Foto-Modus umgeschaltet. Dabei geschah es dann: Die Drohne geriet trotz mannigfaltiger Sicherheitstechnik außer Kontrolle und machte sich selbständig. "Wegen des Fotomodus konnten wir die Absturzstelle nicht lokalisieren", bedauert Knappe. Beim Filmen hätte er "letzte Bilder" empfangen können und so den Absturzort geortet.

Seitdem sucht der Pömmelter zusammen mit Freunden die Gegend zwischen Nuthe und Elbe ab. Die Flugrichtung zielte zum Barbyer "Prinzeßchen". "Das ist natürlich die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", schwitzt der 38-Jährige. Zwar sind die Wiesen ratzekahl gemäht und die sandigen Elbufer frei. Dennoch erreichen rechts und links des Flüsschens Nuthe unangenehme Gewächse wie Distel und Brennnessel Rekordhöhen von fast drei Metern. Hinzu kommen Mücken, denen das schwülwarme Wetter so richtig gefällt. Und: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das fliegende Auge mit seinen vier Propellern ins Wasser stürzte. Dann wäre sowieso Feierabend.

"Da liegt etwas Weißes. Die Drohne? Der 839 Euro teure Quadrocopter?"

Dennoch: Freitagabend startete die Flug-Kumpelrunde erneut zu einem Suchtermin. "Da", schallte plötzlich ein Ruf aus dem Dickicht, "da liegt etwas Weißes." Die Drohne? Der 839 Euro teure Quadrocopter?

"Nee, ist leider nur ein alter Plastikstuhl", stellte Lukas Knappe, der 16-jährige Sohn von Kai, schnell fest. Er war in die seichte Nuthe gestiegen, um den Fluss abzulaufen.

Die Aktion wurde nicht nur durch "Manpower" gestützt (ein Begriff für Arbeitskraft, den wir seit dem Hochwasser 2013 lieben). Kai Knappe entließ seine zweite Drohne in den Sommerhimmel, die noch etwas besser ausgerüstet ist. Ein (wasserdichtes) Zusatzgerät sendet GPS-Signale zum Smartphone des Piloten. So lassen sich Flug- oder auch Absturzposition ermitteln. "Aus Schaden wird man klug", deutet Knappe auf sein Handy.

Außerdem hat der leise surrende Flieger eine sogenannte Cominghome-Funktion. Er kehrt automatisch zum Startpunkt zurück, wenn der sichere Funkkontakt abreißt. "Diese Funktion hatte mein verschwundener Quadrocopter eigentlich auch", hebt Knappe die Augenbrauen. Nach seiner Einschätzung müssen aber "mehrere Störfaktoren" zusammen gekommen sein, die zur Misere führten.

Der Pömmelter hat eine Belohnung ausgesetzt. Wer also zwischen Nuthe und Barbyer Eichelwald/"Prinzeßchen" eine schneeweiße Drohne entdeckt, sollte sich bei Kai Knappe melden. Telefon (0171)9551557.

Zu sehen ist sein Film auch auf der Facebook-Seite "Elbbrücke Barby".

   

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